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Samstag, 30. November 2013
Alptraum- ein Fortsetzungskrimi Teil 15
shorty short, 19:33h
von Kirsten Maria Scholz
Kapitel zweiundzwanzig Susanne kochte vor Wut. Ihr Herz wummerte in ihrer Brust, dass sie dachte, ihre Rippen hielten dem Druck nicht mehr stand. Sie fühlte sich wie ein Wasserkessel, der kurz vor dem Siedepunkt stand. Allerdings hatte sie kein richtiges Ventil, durch das der heiße Wasserdampf entweichen könnte. Nachdem das Geschirr im Becken in mehrere Teile zerbrochen war, ging sie mit gezielten Fußtritten auf den etwas größeren Plastikmülleimer los. Sie kommentierte jeden Tritt mit üblen Schimpfworten, so dass man meinen könnte, sie malträtierte keinen Mülleimer, sondern Mark und Sabrina. Sie befand sich in einer Art Rausch und konnte nachher nicht sagen, wie lange sie auf den unschuldigen Mülleimer-eingedroschen hatte. Ihre Mutter zog sie irgendwann aus der Küche heraus. Susanne schaffte es nur einige Meter in den Wohnbereich hinein, wo sie schluchzend und völlig entkräftet zusammensackte. Sie ließ der Tränenflut freien Lauf. Als Susanne keine Tränen mehr hatte, rappelte sie sich wie-der auf und schaute sich das Ausmaß ihres Wutausbruches an. In der Küche sah es aus, als hätte dort ein Tornado gewütet. Der in mehrere Teile zerfetzte Mülleimer war in der gesamten Küche verteilt. Mittlerweile stank es bestialisch nach dem ebenfalls überall herumliegenden Müll. Sie blickte sich um. Anscheinend hatte sie nicht nur ihren Teller zer-schmettert. In und neben der Spüle lagen weitere zerschlagene Teller und Gläser. Die Kartoffelschüssel hatte es nicht in die Spüle geschafft, sie lag in mehrere große Scherben zerbrochen vor der Küchenzeile auf dem Boden inmitten des Mülls. Susanne seufzte. Da hatte sie ja wirklich ganze Arbeit geleistet. Schweigend machte sie sich ans Aufräumen. Ihre Mutter hatte sich wortlos zu ihr gesellt und beseitigte schon einmal den Plastikmüll. Susanne schaute sich um. „Wo ist denn Madeleine?“ fragte sie besorgt. Erst jetzt kam ihr ihre Tochter wieder in den Sinn und eine Angst, Madeleine könnte alles mitbekommen haben, nahm Besitz von ihr. „Nachdem der erste Teller dran glauben musste, habe ich sie vorsichtshalber zu Gabriela gebracht“, antwortete ihre Mutter, ohne ihre Aufräumarbeiten zu unterbrechen. „Ich dachte mir, es ist dir lieber, wenn sie deinen Ausbruch nicht mitbekommt.“ Der Vorwurf ihrer Mutter war nicht zu überhören. Susanne fühlte sich schlecht. „Ja, danke“, erwiderte sie und dachte sich, was für eine schreckliche Mutter sie doch war, dass sie in Gegenwart ihrer kleinen vierjährigen Tochter sich so hatte gehen lassen. „Willst du mir nicht endlich sagen, was dich vorhin dermaßen durcheinandergebracht hat?“ fragte ihre Mutter. Susanne starrte vor sich hin, ohne auf die Frage ihrer Mutter zu antworten. „Susanne?“ fragte sie nach. „Hatte es was mit Mark zu tun? Oder mit Sabrina? Rede doch endlich!“ Sie griff sich Susannes Unterarm und rüttelte ihre Tochter, als wollte sie jedes einzelne Wort aus ihr herausschütteln. Susanne drehte sich zu ihrer Mutter um. Mit ausdruckslosem Gesichtsausdruck und tonloser Stimme begann sie, ihre Mutter alles, was sie bislang über das Architektenbüro, Mark und Sabrina, der Schweiz und schließlich über Verdacht der Untreue und Steuerhinterziehung zu erzählen. Ihre Mutter hörte fassungslos zu. Als Susanne zu dem Teil kam, wo Sabrina anfing die Hauptrolle zu spielen, musste sie sich hin-setzen. Ihre Beine versagten schlichtweg ihren Dienst. „Er hat dich betrogen?“ fragte ihre Mutter fassungslos. Sie war kreidebleich im Gesicht geworden. „Mit Sabrina? Aber wieso?“ Im gleichen Atemzug bemerkte sie, wie blöd diese Frage eigentlich war. Warum betrügt ein Mann seine Frau? Dafür gibt es wahrscheinlich tausend Gründe. „Jetzt verstehe ich auch, warum Sabrina mir gegenüber so verhalten war und warum du dich ebenn so unmöglich verhalten hast. Ich dachte schon, mit dir stimmt wieder was nicht. Nicht, dass ich das jemals gedacht hätte,“ korrigierte sie sich schnell und musterte ihre Tochter. „Und du glaubst diese Geschichte mit der Steuerhinterziehung und dass er mit Sabrina in der Schweiz wohnt?“ Susannes Mutter konnte diese neuen Erkenntnisse nicht so richtig glauben. Mark war sicherlich ein Frauentyp und sie konnte sich auch vorstellen, mit sehr viel Fantasie allerdings, dass er bei der einen oder anderen Gelegenheit schwach werden könnte, aber dass er Susanne systematisch und vorsätzlich dermaßen hinters Licht geführt haben sollte, war jenseits ihrer Vorstellungskraft. Er hatte praktisch ein Doppelleben geführt! „Und was hast du jetzt vor? Ich meine, das kannst du doch nicht auf dich sitzen lassen. Außerdem ist sowas doch kriminell, oder nicht? Du musst dich an die Polizei oder die Staatsanwaltschaft melden. Oder hast du dich deswegen mit Dr. Fries getroffen? Hast du Mark etwa schon angezeigt?“ Susannes Mutter war nun völlig aus dem Häuschen. Sie war aufgesprungen und lief wild gestikulierend auf und ab. Susanne beobachtete ihre Mutter. Sie hatte sich gedacht, dass die Enthüllungen ihre Mutter auf die Palme bringen würde, aber so einen emotionalen Ausbruch hätte sie ihrer sonst eher introvertierten Mutter nicht zugetraut. „Also, Mutter, nun beruhige dich erst einmal. Setz dich“, sie zog einen Stuhl vom Tisch ab und klopfte auf den Sitz. Ihre Mutter folgte dieser Aufforderung. „Zunächst einmal muss ich Mark nicht mehr anzeigen, denn die Staatsanwaltschaft ist schon auf ihn aufmerksam geworden“, sagte sie, „außerdem müssen wir vorsichtig und behutsam umgehen. Mark ist sicherlich vorgewarnt, nachdem, wie ich mich heute Abend verhalten habe“, gestand sie zähneknirschend. Sie legte ihrer Mutter ihren Plan vor. Zunächst musste Susanne Beweise finden, dass Mark etwas mit der Medikamentengeschichte zu tun hatte. „Da werde ich dir helfen“, sagte ihre Mutter sofort. Susanne war einverstanden. Es war sicherlich nicht so auffällig, wenn sich ihre Mutter einmal während der Woche im Haus umsehen würde, wenn Susanne wieder in der Klinik war, als wenn sie noch am Wochenende versuchen würde, das Haus auf den Kopf zu stellen. „Was ich mich natürlich frage, ist, warum sich Mark nicht von mir getrennt hat. Das wäre doch die einfachste Lösung gewesen. Ich meine ohne mich, hätte er mit Sabrina problemlos in die Schweiz gehen können. Stattdessen setzt er mich unter Drogen, dass ich nichts mehr mitbekomme. Vielleicht sollte ich noch etwas anderes nicht wissen.“ Sie überlegte. Ihre Mutter räusperte sich, irgendetwas schien ihr unangenehm zu sein. „Nun, vielleicht hat es ja etwas mit Geld zu tun“, bemerkte sie zögerlich.Susanne schaute sie fragend an. „Naja, Mark war von Anfang an quasi mittellos. Ohne das Geld deines Vaters hätte er nie die Teilhaberschaft in seinem Büro erhalten.“ Susanne sah sie irritiert an. Das waren doch keine Neuigkeiten. Sie verstand nicht so ganz, was ihre Mutter ihr sagen wollte. „Ja, das weiß ich doch!“ Susanne verstand nicht. „Ja, da ist etwas, was du nicht weißt“, fuhr Susannes Mutter fort. Es war ihr deutlich anzumerken, wie schwer es ihr fiel. „Dein Vater hatte Mark damals das Geld nur unter einer Bedingung gegeben." „Was für eine Bedingung?“ Susanne verstand nicht. „Naja, Mark war nicht begeistert, dass es er so früh Vater wurde. Er wollte dich auch nicht gleich heiraten. Dein Vater hat von Mark verlangt, dass er Verantwortung für dich und dein Kind übernehmen sollte. Du warst damals schwanger und so glücklich. Er hat eingewilligt und dich geheiratet. Außerdem hätte er das geliehene Geld plus Zinsen zurückzahlen müssen, sollte er sich von dir trennen oder sich scheiden lassen. Dein Vater wollte damit verhindern, dass Mark sich zu sehr für andere Frauen interessiert. Oder sagen wir, er hat es ihm erschweren wollen. Er hat es nur gut gemeint“, beteuerte ihre Mutter. Susanne stand wie in Zeitlupe auf. Das konnte doch alles nicht wahr sein. In was für einem Alptraum war sie nur ge-landet? Und warum wachte sie nicht langsam auf? Sie blickte ihre Mutter fassungslos an. „Papa hat Mark Geld gegeben, damit er mich heiratet?“ fragte sie völlig ungläubig und fuhr sich wild durch die Haare. „Seid ihr eigentlich alle komplett verrückt geworden? Konntet ihr euch nicht einmal um eure eigenen Angelegenheiten kümmern?“ Sie fuhr wutentbrannt zu ihrer Mutter rum, stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch und zischte sie an.„Ihr habt einem Mann Geld gegeben, damit er mich heiratet. Wie krank ist das denn bitte? Habt ihr geglaubt, ich kriege sonst keinen mehr ab, oder was?“ Sie blickte ihre Mutter fassungslos an, die sich die Tränen abtupfte. Susanne sah ihr an, dass es ihr ungeheuer leid tat, was geschehen war. Dennoch konnte Susanne so gar kein Mitleid für ihre Mutter empfinden. Dafür war sie einfach zu wütend und verletzt. „Wahrscheinlich hat er mich sogar von Anfang an mit Sabrina betrogen. Und jetzt hat er mich mit Drogen vollgepumpt, nur damit ich nicht dahinterkomme, dass er immer noch mit Sabrina rummacht. Wer weiß, vielleicht ist ja noch mehr Geld von uns weg. Und ihr!“ fuhr sie ihre Mutter an. „ Warum habt ihr das gemacht? Weil ich damals so glücklich war?“ Sie stieß sich vom Tisch ab und brüllte fast. „Herzlichen Glückwunsch, Mutter. Das habt ihr aber wirklich super hinbekommen. Ich bin wahrhaftig eine der glücklichsten Frauen der Welt!“ Sie stieß ihren Stuhl um und verließ das Wohnzimmer. Dabei schmiss sie die Tür so stark ins Schloss, dass das Fensterglas zerbarst und in vielen kleinen Scherben zu Boden rieselte. In der Eingangshalle stieß sie auf Mark, der gerade das Haus betrat. Sie blieb abrupt stehen und starrte ihn kalt an. „Du nicht auch noch!“ schnauzte sie ihn an, zog sich Stiefel und Mantel an und schnappte sich ihre Handtasche, Mütze und Schal. „Susanne, was ist mit dir?“ fragte Mark und stellte sich ihr in den Weg. „Wir müssen reden, du bist ja wieder völlig neben dir! Vielleicht sollte ich in der Klinik anrufen!“ „Es ist gar nichts!“ brüllte sie. „Mir geht es superprächtig. Sieht man das nicht? Und wage es ja nicht, irgendwo anzurufen!" Mark wich einen Schritt zurück und Susanne hatte plötzlich ein dèjà vue. Diese Situation hatte sie schon mal erlebt. Schlagartig erinnerte sie sich wieder an den Abend, als sie aus Nürnberg kam. Alles war wieder präsent, ein Film begann vor ihrem inneren Auge abzulaufen. Sie war aus Nürnberg regelrecht geflüchtet, nachdem Dr. Fries sie mit den Insider- Informationen über den Architektenfall überfallen hatte. Sie erinnerte sich, dass sie mit Mark reden wollte und ihm sogar beistehen. „Wie blöd muss ich nur gewesen sein?“ sagte sie laut. Mark schaute sie irritiert an, traute sich aber immer noch nicht, sich zu bewegen. Irgendetwas an Susannes Blick verriet ihm, dass es momentan ratsam war, seine Frau nicht weiter zu reizen. Sie war wie eine Irre nach Heidelberg gerast. Schneetreiben und Glatteis hatten sie nicht daran hindern können. Ihre Erinnerung kam ihr so real vor. Sie fuhr die Straße entlang, in der sie wohnten, direkt auf die Einfahrt zu. Einige Fenster waren erleuchtet, die Auffahrt und Teile des Gartens waren ebenfalls von der Gartenbeleuchtung erhellt. Als sie die Auffahrt herauffuhr wunderte sie sich, dass ein weiteres Auto auf dem hauseigenen Parkplatz stand. Sabrinas Auto. Sie stellte ihren Kleinwagen hinter Marks Auto und betrat die Eingangshalle. Sabrinas Mantel und der hellgraue Seidenschal hingen an der Garderobe, ihre Stiefel standen davor. Susanne runzelte die Stirn. Sie hatte noch nie erlebt, dass Sabrina ihre Stiefel ausgezogen hatte. „Mark?“ fragte sie etwas lauter. Sie hörte niemanden. Auch sie hängte ihren Mantel auf, ihre Stiefel ließ sie an. Warum konnte sie nicht sagen, es war eher ein inneres Gefühl, was sie dazu trieb. Sie schaute in die Wohnküche. Außer benutztes Geschirr war niemand zu sehen. Mark schien gekocht zu haben. Auch das war äußerst merkwürdig, Mark hatte noch nie gekocht. Selbst als jeder von ihnen noch die eigene Wohnung hatte, ist Mark nie darauf gekommen, Susanne mit einem selbstzubereiteten Abendessen zu überraschen. Er zog es vor, gemütlich auswärts essen zu gehen. Sie schaute weiter ins Wohnzimmer. Der Esszimmertisch war elegant eingedeckt, Kerzen und Rosen standen am Ende der Tafel. Rosen? Wann hatte sie das letzte Mal Rosen bekommen, nicht einmal zum Hochzeitstag. Susanne erinnerte sich, dass sie in diesem Moment wusste, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmte und dass an der Geschichte des Staatsanwaltes in Nürnberg etwas Wahres dran war. Auf dem Beistelltisch in der Sitzecke standen eine Flasche Kirschlikör und Marks Lieblingswhisky, zwei benutzte Gläser. Susanne ging langsam die Treppe in den ersten Stock hoch, nahezu lautlos. Sie hörte gedämpfte Stimmen. Soweit sie es beurteilen konnte Stimmen eines Mannes und einer Frau. Leise ging sie weiter. Vorbei an Valentins Zimmer. Die Stimmen wurden deutlicher. Auch an Madeleines Zimmer ging sie vorbei. Die Tür zum großen Bad stand offen, sie schaute langsam um die Ecke. Das Bad war leer. Bis vor kurzem war hier aber noch jemand gewesen. Der Whirlpool enthielt noch Wasser und üppigen Badeschaum, die Düsen sprudelten vor sich hin. Ein unglaubliches Kerzenmeer hüllte die gesamte Bad-landschaft in romantisches Licht. Gerade als sie das Bad verlassen wollte, blieb sie verdutzt stehen und starrte den Spiegel an. Jemand hatte mit knallrotem Lippenstift „Ich liebe dich“ geschrieben. Und sie wusste in dem Mo-ment auch, wer das gewesen sein musste. Sie erkannte eindeutig die Schrift ihrer Freundin Sabrina. Sabrina und Mark! Es war so offensichtlich, dennoch konnte und wollte sie es nicht glauben. sabrina war ihre beste Freundin! Aus ihrem Schlafzimmer vernahm sie leises Gemurmel und Gekicher. Sie musste stark gegen eine Ohnmacht, sie spürte, wie ihr Kreislauf schlapp machte. Die letzten Wochen, die Schlafstörungen einerseits und die Schwächeanfälle andererseits nagten an ihr. Sie riss sich zusammen, atmete mehrmals tief durch und ging so leise sie konnte auf die Schlafzimmertür zu. Die Tür stand einen Spalt auf. Gedämpftes Licht und leise Musik verströmten auch hier eine romantische Atmosphäre. Jetzt waren die Stimmen nur allzu deutlich zu hören. Es waren Mark und Sabrina. Eine Wutwelle überkam Susanne. Sie wollte gerade in ihr Schlafzimmer stürmen und die beiden zur Rede stellen, als sie innehielt und lauschte. „Und wie geht es jetzt mit ihr weiter?“ hörte sie Sabrina sagen. „So langsam reicht es mir nämlich, dass du immer noch hier wohnst.“ Susanne konnte sich gerade so richtig Sabrinas Schmollmund vorstellen. „Hey, zerbrich dir nicht dein süßes Köpfchen“, antwortete Mark und Susanne wurde ganz übel, „ es läuft alles nach Plan“, erwiderte Mark. „Sie ist doch schon gewaltig neben der Spur. Es dauert nicht mehr lange und sie bricht völlig zusammen.“ Bettzeug raschelte. „Und dann wird sich niemand wundern, wenn diese arme, tablettenabhängige, völlig überforderte Mutter an einem Cocktail aus Schlaf- und Schmerztabletten das Zeitliche segnen wird. Und dann erbt der arme bedauernswerte Ehemann das Vermögen!“ Er lachte heiser. " Und die beste Freundin seiner Frau kümmert sich liebevoll um die beiden verstörten Kinder!" gurrte Sabrina. Susanne zuckte zusammen. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust. Die beiden sprachen über sie, über wen sonst. Mark wollte sie aus dem Weg räumen! Er musste seine Firma dermaßen an die Wand gefahren haben, dass er alles daran setzen würde, um an ihr Geld zu kommen. Und das bekam er nur, wenn sie tot war! Susanne erwachte aus ihrer gedanklichen Rückblende und ihrer Lethargie. Mark stand ihr immer noch gegenüber und wartete auf eine Reaktion von ihr. Aus den Augenwinkeln konnte sie ihre Mutter sehen, die sprachlos in der Küchentür stand. „Du verdammtes verlogenes Schwein!“ kreischte Susanne und schleuderte ihre Handtasche auf Mark. Er wehrte die Tasche mit einer Handbewegung ab, seine Augen bekamen einen merkwürdigen Ausdruck. „Ich erinnere mich wieder!“ schrie sie völlig hysterisch. „An jedes verfluchte einzelne Wort erinnere ich mich! Ich habe euch belauscht, dich und Sabrina, an Mutters Geburtstag. Hier war gar kein Geschäftsmeeting, nein“, sie schüttelte wild ihren Kopf und zeigte mit dem Zeigefinger auf Mark, der mittlerweile auf der Hut war, „du hattest hier ein privates Meeting mit Sabrina, dieser Schlampe.“ Sie ergriff den nächstbesten Schuh und schleuderte auch diesen in Marks Richtung. Sie steigerte sich immer mehr in ihre Wut hinein und war jetzt so richtig in Fahrt. Susannes Mutter hauchte nur ein leises “Oh“ und lief in die Küche. Mark spurtete hinterher. „Isolde, nicht die Polizei!“ schrie er sie barsch an und schlug ihr mit der flachen Hand kräftig genug ins Gesicht, wobei er ihre Schläfe traf. Mit einem dumpfen Knall fiel Susannes Mutter ohnmächtig auf die Fliesen. „Dass ihr Weiber immer gleich die Polizei rufen müsst!“ fluchte er und nahm ihr das Telefon aus der Hand, das sie immer noch krampfhaft in der Hand hielt. Er horchte auf und registrierte, dass die Haustür gerade zufiel. „Scheiße!“ entfuhr es ihm, bevor er sich an die Verfolgung machte. Fortsetzung folgt..... 2.12.13 ... link (0 Kommentare) ... comment Mittwoch, 27. November 2013
Alptraum- ein Fortsetzungskrimi teil 14
shorty short, 22:38h
von Kirsten Maria Scholz
Kapitel einundzwanzig Zu Hause wartete Madeleine schon sehnsüchtig auf ihre Mutter. Valentin hatte es vorgezogen mit Gabriela und ihren beiden Söhnen Pizza zu backen. Susanne war es ganz recht, dann konnte sie die Zweisamkeit mit ihrer kleinen Tochter genießen. Ihre Mutter kam ihr aus der Wohnküche entgegen. „Und?“ fragte sie neugierig, „hast du was erfahren? Was sagt denn Dr. Fries?“ Als Susanne nicht antwortete, wurde sie etwas ungehaltener. „Ach, Susanne, nun lass dir doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen. Ich mach mir doch auch meine Gedanken.“ Susanne sammelte sich kurz, hängte ihren Mantel auf und stellte ihre Stiefel auf das Abtropfgitter. „Also, ich habe einiges erfahren und das werde ich dir auch alles erzählen. Aber nicht jetzt! Später, in Ordnung? Lass mich erst einmal ankommen“, bat sie ihre Mutter und sah sie mit müden Augen an. „Und im Moment möchte ich einfach nur Mutter sein und mich mit Madeleine beschäftigen.“ Sie merkte wie schlapp und ausgelaugt sie war. Die Energie, die sie heute Morgen noch verspürt hatte, war komplett verpulvert. Sie musste ihren Energietank auffüllen und dafür Sorge tragen, dass sie nicht wieder völlig ausgepowert zusammenbrechen würde. Wenn sie sich gegen Mark wehren müsste, kämen noch härtere Zeiten auf sie zu. „Madeleine ist oben, sie wartet auch schon auf dich. Ich sage euch Bescheid, wenn es Abendbrot gibt“, sagte ihre Mutter und machte sich wieder an die Vorbereitungen für das Abendessen. Susanne stieg die Treppe hinauf und blieb an Madeleines Kinderzimmertür stehen, die nur halb angelehnt war. Sie beobachtete ihre kleine Tochter ein paar Minuten. Madeleine hatte diverse Puppen und Plüschtiere um sich herum platziert und eine Kaffeetafel aus ihrem Puppengeschirr gezaubert. Susanne musste beim Anblick ihrer Tochter lächeln. Madeleine war so sehr in ihr Spiel vertieft, dass sie gar nicht bemerkte, wie ihre Mutter sich neben sie auf den rosa Plüschteppich setzte. Madeleine und Susanne verbrachten den restlichen Nachmittag spielend im Kinderzimmer. Dabei fiel Susanne auf, dass ihre Tochter den rosa Riesenplüschhasen, den sie Moppel getauft hatte, immer und überall an ihrer Seite hatte. Susanne sprach sie auf Moppel an. „Das ist aber auch ein echt super Hase“, bemerkte sie und hob Moppel prüfend hoch, „wann hat Papa dir den denn mitgebracht?“ fragte sie ohne irgendeinen Hintergedanken zu haben. „Den hab ich doch gar nicht von Papa!“ antwortete Madeleine, ohne von ihrem Spiel aufzublicken. Gerade bot sie ihrer blonden Langhaarpuppe eine Tasse Kaffee an. „Nein?“ Susanne war erstaunt. Wer schenkte ihrer Tochter außer der Reihe so ein riesiges Plüschtier. „Nee, den hat mir Sabrina mitgebracht.“ Susanne erstarrte. Sabrina, dachte Susanne, die ist ja wohl überall präsent. Sie merkte, wie kalte Wut in ihr hochstieg. Madeleine schaute sie an. „Die Sabrina hatte mir den mitgebracht, als sie uns mit Papa bei Oma in Nürnberg besucht hat.“ Susanne konnte nicht mehr ruhig sitzen bleiben und sprang auf. Wieso besuchte Mark ihre Kinder mit Sabrina? Und wieso hatte ihre Mutter ihr nichts erzählt? Vielleicht wusste sie gar nichts davon. Vor Madeleine versuchte sie, ihre Emotionen zu verbergen und zwang sich zu einem Lächeln. „Das ist aber nett von Sabrina!“ sagte sie, obwohl sie kurz davor war, ihre Fassung zu verlieren. „Wann war das denn?“ Madeleine überlegte kurz. „Ich weiß nicht so genau, aber an einem Tag hat Papa uns vom Kindergarten abgeholt und dann sind wir den ganzen Nachmittag im Zoo gewesen.“ Was für ein mieser Trick, dachte Susanne. Sicherlich hatte er ihrer Mutter nichts von Sabrina erzählt, alleine schon, um unbequemen Fragen aus dem Weg zu gehen. Gerade zur rechten Zeit, bevor sie vollends aus der Haut fuhr, hörte sie unten die Haustür ins Schloss fallen. Madeleine sprang auf und rannte mit Moppel im Arm die Treppe runter. Zum Glück schien ihre Tochter nicht mitbekommen zu haben, welchen inneren Kampf Susanne gerade ausgefochten hatte. „Papa!“ brüllte Madeleine schon von oben ihrem Vater entgegen. Auch der noch, dachte Susanne. Im Augenblick hatte sie eindeutig genug von Mark, Sabrina und weiteren Hiobsbotschaften. Anstatt ihrer Tochter nach unten zu folgen, ging sie ins Bad und schmiss sich ein paar Hände voll Wasser ins Gesicht, um sich abzukühlen. Nach ein paar Minuten konnte sich Susanne endlich dazu durchringen, ihrer Tochter ins Erdgeschoss zu folgen. Schon auf der Treppe hallten ihr Stimmen aus dem Wohnzimmer entgegen. Susanne stutzte und blieb mitten auf der Treppe stehen. Sie erkannte eindeutig Marks dunkle sonore Stimme, ihre Mutter und auch Madeleine. Aber da war noch jemand… Ihr blieb das Herz stehen und die Luft wurde ihr abgeschnürt. „Ich glaub das ja nicht!“ flüsterte Susanne fast tonlos, „Sabrina! Die Schlampe wagte es wirklich, sich hier zu zeigen. Susanne überlegte. Was sollte sie tun? Sabrina und Mark wussten beide nicht, was Susanne bereits herausgefunden hatte. Beide dachten, Susanne wäre ahnungslos. O.k., sagte sie sich. Dann spielen wir doch das Spiel einfach mal mit.„Reiß dich zusammen!“ sie straffte ihre Schultern und betrat die Wohnküche. An der Tür blieb sie stehen. Niemand schien sie zu bemerken. Es bot sich ihr das Bild einer fröhlichen Familie: Madeleine auf dem Arm ihres Vaters, immer noch Moppel am Ohr festhaltend, ihre Mutter, die sich um das Servieren des Abendbrotes kümmerte und die junge Mutter, die gerade den Plüschhasen aufhob, der Madeleine aus der Hand entglitten war. Nur, dass die junge Mutter nicht die junge Mutter war, sondern ihre eigentlich beste Freundin Sabrina.„Immer schön locker bleiben“, sagte sie sich und trat mit einem Lächeln auf den Lippen zu der gutgelaunten Gesellschaft. Ihre Mutter sah sie zuerst. „Oh, hallo Susanne“, rief sie ihr zu, „sieh nur mal, wer da ist?“ Mark und Sabrina drehten sich um und wichen automatisch einen Schritt auseinander. „Sabrina“, flötete Susanne und gab ihrer Freundin zwei Begrüßungsküsschen auf die Wangen. „Was für eine Überraschung!“ sie tat sehr erstaunt. „Ich habe dein Auto gar nicht gesehen. Ist es kaputt und in der Werkstatt? Bist du etwa mit dem Taxi hier?“ Sabrina versuchte, ihre Unsicherheit hinter einem gekünstelten Lächeln zu verbergen. „Nein, ich bin mit Mark mitgefahren.“ Mark nickte zustimmend. „Ich hatte doch gestern dieses Geschäftsessen und da war es recht praktisch Sabrina mitzunehmen.“ „Ja wie praktisch“, surrte Susanne und hätte am liebsten laut geschrien. Stattdessen nahm sie ihrer Mutter die Porzellanschale mit Kartoffeln aus der Hand und knallte sie auf den Tisch. „Oh pardon“, sagte sie leicht sarkastisch. Ihre Mutter musterte sie skeptisch und zog sie zu sich in die Küchenzeile. „Susanne, hilfst du mir mal bitte?“ sagte sie laut und zu Mark und Sabrina gewandt sagte sie: „Ach, nehmt doch schon mal Platz!“ Sie kniff Susanne unsanft in den Arm. „Was ist denn mit dir los, Susanne?“ zischte sie, „warum bist du denn so unfreundlich? Ist irgendwas passiert?“ „Nicht jetzt!“ zischte Susanne zurück, die alle Mühe hatte, sich zusammenzureißen. Auf den Weg zurück zum Tisch nahm sie noch die Salatschüssel mit, die wie zuvor auch die Kartoffelschüssel unsanft ihren Platz neben Sabrinas Gedeck fand. Einige Salatblätter flogen aus der Schüssel und auf Sabrinas Schoß. „Oh, wie ungeschickt von mir“, säuselte sie, „ich bin aber auch heute neben der Spur. Liegt vielleicht an den Tabletten.“ Sie setzte sich neben Mark.„Na, Schatz, wie war denn dein Tag? Und gestern das Geschäftsessen, war es ein voller Erfolg, ja?“ Mark schaute erst Sabrina, dann Susanne äußerst irritiert an. Susanne knallte sich gerade einige Kartoffeln auf ihren Teller. wobei zwei von ihnen nicht auf, sondern neben dem Teller landeten. Susanne schien es nicht zu registrieren. „Nichts Außergewöhnliches eigentlich. Und wie war dein Tag?“ Mark versuchte, die Konversation am Laufen zu halten und mit dieser Frage, ein wenig von sich abzulenken und jedes schwierige Thema zu vermeiden. Leider stachelte er Susanne damit weiter auf. „Mein Tag?“ Susanne tat, als müsste sie stark überlegen. „Nun ich habe ausführlich mit Mutter, Valentin und Madeleine gefrühstückt und bevor ihr angekommen seid, hatte wir zwei“, sie streichelte Madeleines Wange, „eine ausgiebige Spielstunde, in der ich die Bekanntschaft von Moppel machen durfte.“ Sie schaute Sabrina kalt an. „Vielen Dank übrigens, dass du Madeleine Moppel geschenkt hast, als du mit meinem Mann in Nürnberg auf Reise warst. Ich meine natürlich Geschäftsreise“, fügte sie mit einem süßen Lächeln hinzu. Sie zerstampfte ihre Kartoffeln, als wären es harte Kürbisstücke. „Oh, und heute Mittag war ich in der Altstadt“, verkündete sie sie dabei, immer noch mit einem Lächeln auf den Lippen, das einer Wahnsinnigen hätte entsprungen sein können. „Erinnerst du dich noch an den Staatsanwalt, mit dem ich mich in Nürnberg so super unterhalten habe?“ sie schaute ihre Mutter fragend an, die nichts Gutes ahnend ihre Serviette zusammenfaltete und Susanne anstarrte. „Wie hieß er doch gleich?“ Susanne tat, als könne sie sich nicht erinnern und schüttelte den Kopf. „Naja, egal. Jedenfalls habe ich mich mit dem in der Altstadt getroffen- zum Brunch. Also, nicht mit ihm natürlich“, sie lachte laut auf, „nein, ich habe ihn zufällig getroffen natürlich. Habe ja schließlich kein außereheliches Verhältnis mit ihm.“ Wieder dieses wahnsinnige Lachen. Sie schaute in die Runde. Alle Beteiligten, außer Madeleine, die vergnügt Figuren in die Soße auf ihrem Teller zeichnete, hatten das Essen eingestellt. Es herrschte Totenstille.Susanne fuhr unbeirrt fort. So langsam schien sie Vergnügen an ihrer Rolle zu finden.„ Und der hat mir doch von einem Fall erzählt hier aus Heidelberg“, sie aß weiter, „und Mark, stell dir vor, da hat ein Architekturbüro voll die Schwierigkeiten wegen Steuerhinterziehung und Geldtransfer in die Schweiz und all sowas.“ Sie schaufelte sich noch mehr von dem Buttergemüse auf ihren ohnehin schon überfüllten Teller. „Lecker“, lobte sie ihre Mutter mit vollem Mund und warf ihr ein Luftküßchen zu. „Ist das nicht unglaublich. Vielleicht kennst du das Büro sogar?“ sie schaute ihren Mann mit großen Augen an. Mark erwiderte den Blick, räusperte sich und sah gleichzeitig auf die Uhr. „Ach Herrje, schon so spät. Sabrina“, er schaute seine Sekretärin eindringlich an, „musstest du nicht um zwanzig Uhr schon wieder woanders sein?“Sabrina reagierte sofort auf den Wink und schlug sich leicht auf ihre Stirn, so als fiele es ihr spontan wieder ein. Mit der Serviette tupfte sie sich den Mund ab und hinterließ Lippenstiftspuren in kaminrot. Susanne verwunderte es nicht sonderlich, dennoch registrierte sie es mit aufschäumender Wut, von der sie wusste, dass sie sie nicht mehr lange zurückhalten könnte. „Was für ein schöner Lippenstift“, bemerkte sie zuckersüß, „ist der neu?“ Sie schaute Sabrina an und steckte sich eine ganze Kartoffel in den Mund, um zu verhindern, dass sie laut los brüllte. Sabrina stand mit Mark zusammen auf und tat so, als hätte sie Susannes Andeutung überhört. „Ich fahr dich schnell rum“, bot er an, „bis ein Taxi beidem Wetter hier ist… das dauert doch viel zu lange.“ Sabrina bedankte sich und verließ fast fluchtartig die Wohnküche, warf sich fast im Vorbeigehen an der Garderobe ihren Mantel über und behielt Schal und Mütze in der Hand. Es war ihr anzusehen, dass sie dachte: Nur weg hier! Susanne lächelte Mark nach, der bereits an der Haustür stand. „Mach das Schatz und fahrt vorsichtig!“ rief sie den beiden mit einem sehr verkrampften Lächeln hinterher. Sobald die Haustür zufiel erlosch ihr Lächeln. wie auf Knopfdruck. Sie stand auf, nahm ihren Teller und feuerte ihn mit einem ohrenbetäubenden Schrei in das Spülbecken der Küche. Fortsetzung folgt...am 28.11.13 ... link (0 Kommentare) ... comment Montag, 25. November 2013
Stolz und Vorurteil? ...oder wie war das noch mit der Toleranz und der Ehre
shorty short, 20:59h
Letztendlich sind wir alle Menschen und alle gleich. Menschen, die zufällig in einer bestimmten Region der Welt geboren sind. Menschen, die, egal wo sie leben, doch dieselben Wünsche haben: jeder möchte um seiner selbst Willen geliebt und anerkannt werden und so leben wie er es möchte.
Ich habe mich gestern mit einem 15-jährigen Jungen unterhalten, der hier in Deutschland geboren ist, aber den Kosovo als sein Herkunftsland ansieht, weil seine familiären Wurzeln dort liegen. Er ist gläubiger Moslem, wenn auch, wie er sagt, nicht streng praktizierend. Ich halte diesen Jungen für sehr intelligent, interessiert, weltoffen und tolerant, was andere Formen der Lebensführung und andere Religionen angeht. Umso mehr hat mich das Gespräch mit diesem Jungen mehr als nachdenklich gestimmt. Ich erfuhr von ihm, dass es nicht nur für Menschen im Kosovo, sondern auch für die in Deutschland lebenden aus dem Kosovo stammenden Menschen selbstverständlich ist, Respekt vor dem Alter zu haben. Ein in erster Linie sehr lobenswerter Leitsatz, von dem wir uns alle eine Scheibe abschneiden sollten. Wie oft steigen heutzutage ältere Menschen in den übervollen Bus und niemand steht auf, um seinen Platz anzubieten. Ebenso haben ältere Menschen eine viel größere Lebenserfahrung. Gerade junge Menschen sollten sich öfter einmal mit unseren „Alten“ zusammensetzen und sich Geschichten von früher anhören. So manch einer könnte noch was daraus lernen. Dennoch stößt dieser bedingungslose Gehorsam gegenüber der älteren Generation, auch gegenüber den eigenen Eltern, bei mir auf einen inneren Widerstand. Bedingungsloser Gehorsam kann nicht gut sein! Und schon gar nicht, wenn dieser Gehorsam nur aufgrund eines Kriteriums, das Alter, vorherrscht! Kritik äußern und etwas in Frage stellen bedeutet nicht zwangsläufig mangelnder Respekt! Es ist nun mal der Lauf der Zeit, dass sich Dinge ändern, der Fortschritt bringt unweigerlich neue Ansichten und Meinungen mit sich. Das, was in der letzten Generation vielleicht Zuspruch fand und als das Non-plus-ultra gesehen wurde, ist heute schon veraltet. Dennoch heißt es nicht, dass die Menschen damals dumm waren, es war nur eine andere Zeit! Nur wenn etwas in Frage gestellt werden darf, wird der Gedanke erlaubt, über Veränderungen nachzudenken und sie zuzulassen. Ohne Veränderungen keinen Fortschritt! Sehr bedenklich finde ich diesen Grundgehorsam in Familienstrukturen. Eltern haben immer recht, Eltern wird grundsätzlich nie widersprochen, auch, wenn man weiß, dass etwas absolut falsch ist! Was für ein Irrsinn! Genauso ist es zwischen den Geschwistern: der Älteste hat das Sagen, der jüngste die A…karte! Selbst körperliche Züchtigung unter den Geschwistern ist erlaubt, wenn der Jüngere etwas in Frage stellt oder gar diskutieren möchte. Wo und wann aber lernen Kinder, sich eine eigene Meinung zu bilden und vor allem, sie sinnvoll zu vertreten? Sinnvoll heißt: mit Worten, nicht mit Fäusten. Ist dieser bedingungslose Gehorsam den Älteren gegenüber etwa auch der Grund dafür, dass man einem politischen Führer bedingungslos hinterherläuft, ohne zu hinterfragen, weil man es einfach nicht gelernt hat? Ich erfuhr weiter, dass Homosexualität „nicht geht“. Anscheinend gibt es dieses „Phänomen“ im Kosovo nicht, hatte ich den Eindruck! Wer öffentlich zugibt, auf Männer zu stehen, bringt Schande über das Ansehen der Familie. (Wir haben dabei nur über Schwule gesprochen, nie über Lesben...) Die Folgen, wie Missachtung bis Übergriffe auf Mensch und Besitz, träfen die gesamte Familie. Wobei Missachtung wohl das erträglichste wäre! Warum? „Homosexualität ist unnatürlich!“ bekam ich ganz klar zur Antwort. Mein Hinweis, dass es Homosexualität allerdings auch in der Natur gibt, stritt der Junge nicht ab. Er konnte mir sogar sagen, bei welchen Tieren, aber für Menschen „geht es nicht“. Auf Nachfrage meinerseits gab er zu, dass es eher in Kauf genommen wird, dass ein Sohn sein Leben lang unglücklich sein wird, als dass er sich „outet“- nur um das Ansehen der Familie zu bewahren! Auch er würde lieber einen unglücklichen Sohn haben, der vielleicht sogar an diesem Zustand zerbricht, als einen Schandfleck in der Familie. „Besser ein toter Sohn als ein schwuler Sohn!“ scheint nach seiner Aussagen verbreitet zu sein. Denn alles, was man macht, macht man zur Hälfte (oder noch mehr) für die Eltern. Wie man ist, fällt auf die Eltern zurück. Im Falle eines homosexuellen Sohnes, würde es bedeuten, dass die Eltern in ihrer Erziehung etwas grundlegend falsch gemacht hätten. Was, wie jeder eigentlich heutzutage wissen sollte, einfach falsch ist. Man wird nicht durch eine bestimmte Art der Erziehung schwul und es ist auch keine Krankheit. Ich frage mich, wie es wichtiger sein kann, was andere (Familie, das Dorf) über einen denken als das Glück des eigenen Kindes? Vor einigen Jahrzehnten war diese Einstellung auch in Deutschland noch flächendeckend verbreitet. Dennoch gab es auch damals Schwule in Deutschland. Es ist ja keinesfalls so, dass durch die steigende Akzeptanz Homosexuellen gegenüber, die Zahl der Schwulen und Lesben gestiegen ist. Ebenso ist es ein Trugschluss, dass man Homosexualität „ausmerzen“ könne, wenn man vehement dagegen vorgeht (Beispiel Russland!). Wer darauf angewiesen zu sein scheint, was das Umfeld über einen selbst oder die Familie denkt und das Glück der eigenen Person und seiner Familie nur von der Meinung des Umfeldes abhängig macht, sollte schleunigst sein eigenes Selbstbewusstsein überdenken und bearbeiten. So ein Verhalten hat in meinen Augen nichts mit „Tradition“ zu tun. Desweiteren erfuhr ich, dass „erwartet“ wird (von wem auch immer? Den Eltern, der Familie, dem Dorf…), dass man islamisch heiratet. Es kommt eine Christin oder ein Heide nur dann in Frage, wenn er/ sie sich zum Islam bekennt. Warum? fragte ich. Bei der Antwort habe ich wirklich nicht meinen Ohren trauen wollen: „Das Blut soll nicht vermischt werden!“ Ehrlich, bei solchen Äußerungen stellen sich meine Nackenhaare auf! Das Volk der Menschen aus dem Kosovo müsse erhalten werden und das ginge nur, wenn man im eigenen Volk bleibt. (Zu welcher Zeit leben wir, dachte ich. 1933?) Die einzige Frage, die sich junge Männer im heiratsfähigen Alter stellen (die in Deutschland leben) ist, ob sie sich eine Frau aus dem Kosovo „holen“ oder eine, die in Deutschland aufgewachsen ist. Liebe scheint nicht an oberster Stelle zu stehen! Der zweite Grund, den er nannte, war, dass das Ziel sein sollte, dass es irgendwann auf der Welt nur noch eine Religion gibt, um Frieden weltweit zu bringen. Deswegen muss der, der nicht Moslem ist, zum Islam konvertieren. Zugegeben ein sehr großer Teil der Kriege sind Glaubenskriege. Allerdings scheint es nicht egal zu sein, welcher Glaube der alleinige sein sollte. Wenn es nur um den Weltfrieden ginge, wäre es ja auch eine Möglichkeit, dass der, der muslimischen Glaubens ist zum Christentum konvertiert. Nein, war die resolute Antwort, das würde nicht gehen. Denn, wer vom Islam weggeht, wird in der „Hölle“ schmoren, wer aber zum islamischen Glauben konvertiert, dem sind alle Sünden vergeben. Irgendwie kam mein Argument nicht an, dass der, der vom Islam weggeht und zum Christentum konvertiert, ja ohnehin nichts mehr mit dem Islam zu tun hat und in den christlichen „Himmel“ kommt, denn er sei ja nun Christ und nicht mehr Moslem. Und dabei steht doch im Koran, dass andere Religionen zu tolerieren sind, oder irre ich mich da? Anscheinend ist das alles Auslegungssache! Wenn sich ein Mädchen für einen deutschen Mann entscheidet, würde sie von der Familie verstoßen werden!!! Das Glück des Mädchens scheint an letzter Stelle zu stehen! Liebe? Wird sowieso überbewertet. Man lernt sich zu lieben und wichtiger seien toleranz und Akzeptanz. Aber wie intolerant ist das bitte andersgläubigen Menschen gegenüber! Sind Menschen, die anderen oder gar keines Glaubens sind, denn minderwertiger? Wir in Deutschland werden doch hin und wieder als ausländerfeindlich und intolerant gegenüber anderen Religionen/ Kulturen bezeichnet. … Hier in Deutschland kann man als Schwuler durch die Straßen laufen, mit Kopftuch, ohne Kopftuch, mit Turban, in langen Gewändern- völlig egal. Es gibt Kirchen, Moscheen, deutsche Friedhöfe, jüdische Friedhöfe. Zugegeben auch einige, auf jeden Fall zu viele Arschlöcher, die gedanklich entweder 1933 stehengeblieben sind oder sich gerne dorthin beamen würden, weil sie heute nicht klarkommen. Die kann hier niemand gebrauchen, ehrlich! Auch sollte jeder sich gegen solche Menschen stellen! Aber alles in allem sind wir ziemlich tolerant. Gerade im Hinblick auf die Ansprüche, die an uns Deutsche erhoben werden: absolute Toleranz gegenüber allem und jedem, empfinde ich solche Ansichten wie oben geschildert als sehr intolerant und respektlos dem Christentum, Nicht- und Andersgläubigen gegenüber. Ich kann doch von meinem Gegenüber oder Anderen nur das erwarten, was auch ich in der Lage bin, aufzubringen. Oder sehe ich das falsch? Ich beispielsweise bin katholisch erzogen, mein Glaube an die Kirche als Institution hat sich im Laufe meines Lebens gemindert, aber ich bin Christin. Mir ist völlig egal, was jemand glaubt, woran er glaubt, wie er seinen Glauben lebt. Das ist etwas, was jeder mit sich selbst ausmachen muss und soll. Ich beurteile niemanden anhand seines Glaubens, sondern nur anhand seiner Taten. Und diese Toleranz wünsche ich mir von jedem. Ob jemand meint, ich sei eine schlechte Christin, weil ich nicht jeden Sonntag in die kirche gehe, ist sowas von uninteressant. Wenn ein Moslem nicht 5x am Tag betet, ist es doch sein Ding, deswegen kann man ihn nicht als schlechten Moslem bezeichnen. Was ist so schwer daran, zu sagen: „Ich glaube das und das, der andere nicht, ist sein Problem, nicht meins.“ Wenn ich der Meinung bin, der andere ist auf dem Holzweg und mein Glaube und die Art meinen Glauben zu leben, ist das einzig Wahre, dann kann ich Mitleid für den anderen empfinden, weil er die wahre Erleuchtung meiner Überzeugung nach noch nicht gefunden hat, und für das Seelenheil des anderen beten- mehr aber nicht. Wer bin ich, dass ich über diesen Menschen urteile, oder versuche, ihn zu überzeugen, was richtig ist, notfalls sogar mit Gewalt und wenn das nicht hilft bring ich den Andersgläubigen um? Warum? Weil ich meine, Gott spielen zu dürfen? Weil ich ihn als Bedrohung sehe? Voll schräg, oder? Glaube ist etwas, was in einem drin ist! Auch wenn mir jemand verbietet, öffentlich meinen Glauben auszuleben, kann er ihn mir trotzdem nicht nehmen. Ich bin weder ein guter Christ, nur, weil ich die Sakramente empfange und zelebriere, noch ein guter Moslem, nur weil ich die fünf Säulen des Islam beachte. Aber ich bin sowohl ein guter Christ als auch ein guter Moslem, ein guter Jude und Buddhist und sogar auch ein guter Atheist, wenn ich ein guter Mensch bin und mich und meine Umwelt menschenwürdig, respektvoll und mit Anstand behandel! Es gibt von „The mission“ ein sehr besonderes Lied, es heißt „Grapes of wrath“ und handelt von Menschen, die unterdrückt, gedemütigt und verfolgt wurden, denen aber niemand den Glauben, den Stolz und die Ehre hatten nehmen können. Denn die kann einem niemand nehmen! Letztendlich wird jeder irgendwann die Früchte seines Lebens ernten! „ …they can take away his freedom, they can beat him into the dust, they can burn his home, run him from his land and leave him out to gather rust- but they can`t take away his faith and him honesty and pride, and the knowledge he holds inside. One day they`ll reap their harvest, the grapes of wrath…” (The Mission U.K., "Grapes of wrath", from "Carved in sand) ... link (0 Kommentare) ... comment ... older stories
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