| Shortys Gedankenwelt |
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Montag, 25. November 2013
Stolz und Vorurteil? ...oder wie war das noch mit der Toleranz und der Ehre
shorty short, 20:59h
Letztendlich sind wir alle Menschen und alle gleich. Menschen, die zufällig in einer bestimmten Region der Welt geboren sind. Menschen, die, egal wo sie leben, doch dieselben Wünsche haben: jeder möchte um seiner selbst Willen geliebt und anerkannt werden und so leben wie er es möchte.
Ich habe mich gestern mit einem 15-jährigen Jungen unterhalten, der hier in Deutschland geboren ist, aber den Kosovo als sein Herkunftsland ansieht, weil seine familiären Wurzeln dort liegen. Er ist gläubiger Moslem, wenn auch, wie er sagt, nicht streng praktizierend. Ich halte diesen Jungen für sehr intelligent, interessiert, weltoffen und tolerant, was andere Formen der Lebensführung und andere Religionen angeht. Umso mehr hat mich das Gespräch mit diesem Jungen mehr als nachdenklich gestimmt. Ich erfuhr von ihm, dass es nicht nur für Menschen im Kosovo, sondern auch für die in Deutschland lebenden aus dem Kosovo stammenden Menschen selbstverständlich ist, Respekt vor dem Alter zu haben. Ein in erster Linie sehr lobenswerter Leitsatz, von dem wir uns alle eine Scheibe abschneiden sollten. Wie oft steigen heutzutage ältere Menschen in den übervollen Bus und niemand steht auf, um seinen Platz anzubieten. Ebenso haben ältere Menschen eine viel größere Lebenserfahrung. Gerade junge Menschen sollten sich öfter einmal mit unseren „Alten“ zusammensetzen und sich Geschichten von früher anhören. So manch einer könnte noch was daraus lernen. Dennoch stößt dieser bedingungslose Gehorsam gegenüber der älteren Generation, auch gegenüber den eigenen Eltern, bei mir auf einen inneren Widerstand. Bedingungsloser Gehorsam kann nicht gut sein! Und schon gar nicht, wenn dieser Gehorsam nur aufgrund eines Kriteriums, das Alter, vorherrscht! Kritik äußern und etwas in Frage stellen bedeutet nicht zwangsläufig mangelnder Respekt! Es ist nun mal der Lauf der Zeit, dass sich Dinge ändern, der Fortschritt bringt unweigerlich neue Ansichten und Meinungen mit sich. Das, was in der letzten Generation vielleicht Zuspruch fand und als das Non-plus-ultra gesehen wurde, ist heute schon veraltet. Dennoch heißt es nicht, dass die Menschen damals dumm waren, es war nur eine andere Zeit! Nur wenn etwas in Frage gestellt werden darf, wird der Gedanke erlaubt, über Veränderungen nachzudenken und sie zuzulassen. Ohne Veränderungen keinen Fortschritt! Sehr bedenklich finde ich diesen Grundgehorsam in Familienstrukturen. Eltern haben immer recht, Eltern wird grundsätzlich nie widersprochen, auch, wenn man weiß, dass etwas absolut falsch ist! Was für ein Irrsinn! Genauso ist es zwischen den Geschwistern: der Älteste hat das Sagen, der jüngste die A…karte! Selbst körperliche Züchtigung unter den Geschwistern ist erlaubt, wenn der Jüngere etwas in Frage stellt oder gar diskutieren möchte. Wo und wann aber lernen Kinder, sich eine eigene Meinung zu bilden und vor allem, sie sinnvoll zu vertreten? Sinnvoll heißt: mit Worten, nicht mit Fäusten. Ist dieser bedingungslose Gehorsam den Älteren gegenüber etwa auch der Grund dafür, dass man einem politischen Führer bedingungslos hinterherläuft, ohne zu hinterfragen, weil man es einfach nicht gelernt hat? Ich erfuhr weiter, dass Homosexualität „nicht geht“. Anscheinend gibt es dieses „Phänomen“ im Kosovo nicht, hatte ich den Eindruck! Wer öffentlich zugibt, auf Männer zu stehen, bringt Schande über das Ansehen der Familie. (Wir haben dabei nur über Schwule gesprochen, nie über Lesben...) Die Folgen, wie Missachtung bis Übergriffe auf Mensch und Besitz, träfen die gesamte Familie. Wobei Missachtung wohl das erträglichste wäre! Warum? „Homosexualität ist unnatürlich!“ bekam ich ganz klar zur Antwort. Mein Hinweis, dass es Homosexualität allerdings auch in der Natur gibt, stritt der Junge nicht ab. Er konnte mir sogar sagen, bei welchen Tieren, aber für Menschen „geht es nicht“. Auf Nachfrage meinerseits gab er zu, dass es eher in Kauf genommen wird, dass ein Sohn sein Leben lang unglücklich sein wird, als dass er sich „outet“- nur um das Ansehen der Familie zu bewahren! Auch er würde lieber einen unglücklichen Sohn haben, der vielleicht sogar an diesem Zustand zerbricht, als einen Schandfleck in der Familie. „Besser ein toter Sohn als ein schwuler Sohn!“ scheint nach seiner Aussagen verbreitet zu sein. Denn alles, was man macht, macht man zur Hälfte (oder noch mehr) für die Eltern. Wie man ist, fällt auf die Eltern zurück. Im Falle eines homosexuellen Sohnes, würde es bedeuten, dass die Eltern in ihrer Erziehung etwas grundlegend falsch gemacht hätten. Was, wie jeder eigentlich heutzutage wissen sollte, einfach falsch ist. Man wird nicht durch eine bestimmte Art der Erziehung schwul und es ist auch keine Krankheit. Ich frage mich, wie es wichtiger sein kann, was andere (Familie, das Dorf) über einen denken als das Glück des eigenen Kindes? Vor einigen Jahrzehnten war diese Einstellung auch in Deutschland noch flächendeckend verbreitet. Dennoch gab es auch damals Schwule in Deutschland. Es ist ja keinesfalls so, dass durch die steigende Akzeptanz Homosexuellen gegenüber, die Zahl der Schwulen und Lesben gestiegen ist. Ebenso ist es ein Trugschluss, dass man Homosexualität „ausmerzen“ könne, wenn man vehement dagegen vorgeht (Beispiel Russland!). Wer darauf angewiesen zu sein scheint, was das Umfeld über einen selbst oder die Familie denkt und das Glück der eigenen Person und seiner Familie nur von der Meinung des Umfeldes abhängig macht, sollte schleunigst sein eigenes Selbstbewusstsein überdenken und bearbeiten. So ein Verhalten hat in meinen Augen nichts mit „Tradition“ zu tun. Desweiteren erfuhr ich, dass „erwartet“ wird (von wem auch immer? Den Eltern, der Familie, dem Dorf…), dass man islamisch heiratet. Es kommt eine Christin oder ein Heide nur dann in Frage, wenn er/ sie sich zum Islam bekennt. Warum? fragte ich. Bei der Antwort habe ich wirklich nicht meinen Ohren trauen wollen: „Das Blut soll nicht vermischt werden!“ Ehrlich, bei solchen Äußerungen stellen sich meine Nackenhaare auf! Das Volk der Menschen aus dem Kosovo müsse erhalten werden und das ginge nur, wenn man im eigenen Volk bleibt. (Zu welcher Zeit leben wir, dachte ich. 1933?) Die einzige Frage, die sich junge Männer im heiratsfähigen Alter stellen (die in Deutschland leben) ist, ob sie sich eine Frau aus dem Kosovo „holen“ oder eine, die in Deutschland aufgewachsen ist. Liebe scheint nicht an oberster Stelle zu stehen! Der zweite Grund, den er nannte, war, dass das Ziel sein sollte, dass es irgendwann auf der Welt nur noch eine Religion gibt, um Frieden weltweit zu bringen. Deswegen muss der, der nicht Moslem ist, zum Islam konvertieren. Zugegeben ein sehr großer Teil der Kriege sind Glaubenskriege. Allerdings scheint es nicht egal zu sein, welcher Glaube der alleinige sein sollte. Wenn es nur um den Weltfrieden ginge, wäre es ja auch eine Möglichkeit, dass der, der muslimischen Glaubens ist zum Christentum konvertiert. Nein, war die resolute Antwort, das würde nicht gehen. Denn, wer vom Islam weggeht, wird in der „Hölle“ schmoren, wer aber zum islamischen Glauben konvertiert, dem sind alle Sünden vergeben. Irgendwie kam mein Argument nicht an, dass der, der vom Islam weggeht und zum Christentum konvertiert, ja ohnehin nichts mehr mit dem Islam zu tun hat und in den christlichen „Himmel“ kommt, denn er sei ja nun Christ und nicht mehr Moslem. Und dabei steht doch im Koran, dass andere Religionen zu tolerieren sind, oder irre ich mich da? Anscheinend ist das alles Auslegungssache! Wenn sich ein Mädchen für einen deutschen Mann entscheidet, würde sie von der Familie verstoßen werden!!! Das Glück des Mädchens scheint an letzter Stelle zu stehen! Liebe? Wird sowieso überbewertet. Man lernt sich zu lieben und wichtiger seien toleranz und Akzeptanz. Aber wie intolerant ist das bitte andersgläubigen Menschen gegenüber! Sind Menschen, die anderen oder gar keines Glaubens sind, denn minderwertiger? Wir in Deutschland werden doch hin und wieder als ausländerfeindlich und intolerant gegenüber anderen Religionen/ Kulturen bezeichnet. … Hier in Deutschland kann man als Schwuler durch die Straßen laufen, mit Kopftuch, ohne Kopftuch, mit Turban, in langen Gewändern- völlig egal. Es gibt Kirchen, Moscheen, deutsche Friedhöfe, jüdische Friedhöfe. Zugegeben auch einige, auf jeden Fall zu viele Arschlöcher, die gedanklich entweder 1933 stehengeblieben sind oder sich gerne dorthin beamen würden, weil sie heute nicht klarkommen. Die kann hier niemand gebrauchen, ehrlich! Auch sollte jeder sich gegen solche Menschen stellen! Aber alles in allem sind wir ziemlich tolerant. Gerade im Hinblick auf die Ansprüche, die an uns Deutsche erhoben werden: absolute Toleranz gegenüber allem und jedem, empfinde ich solche Ansichten wie oben geschildert als sehr intolerant und respektlos dem Christentum, Nicht- und Andersgläubigen gegenüber. Ich kann doch von meinem Gegenüber oder Anderen nur das erwarten, was auch ich in der Lage bin, aufzubringen. Oder sehe ich das falsch? Ich beispielsweise bin katholisch erzogen, mein Glaube an die Kirche als Institution hat sich im Laufe meines Lebens gemindert, aber ich bin Christin. Mir ist völlig egal, was jemand glaubt, woran er glaubt, wie er seinen Glauben lebt. Das ist etwas, was jeder mit sich selbst ausmachen muss und soll. Ich beurteile niemanden anhand seines Glaubens, sondern nur anhand seiner Taten. Und diese Toleranz wünsche ich mir von jedem. Ob jemand meint, ich sei eine schlechte Christin, weil ich nicht jeden Sonntag in die kirche gehe, ist sowas von uninteressant. Wenn ein Moslem nicht 5x am Tag betet, ist es doch sein Ding, deswegen kann man ihn nicht als schlechten Moslem bezeichnen. Was ist so schwer daran, zu sagen: „Ich glaube das und das, der andere nicht, ist sein Problem, nicht meins.“ Wenn ich der Meinung bin, der andere ist auf dem Holzweg und mein Glaube und die Art meinen Glauben zu leben, ist das einzig Wahre, dann kann ich Mitleid für den anderen empfinden, weil er die wahre Erleuchtung meiner Überzeugung nach noch nicht gefunden hat, und für das Seelenheil des anderen beten- mehr aber nicht. Wer bin ich, dass ich über diesen Menschen urteile, oder versuche, ihn zu überzeugen, was richtig ist, notfalls sogar mit Gewalt und wenn das nicht hilft bring ich den Andersgläubigen um? Warum? Weil ich meine, Gott spielen zu dürfen? Weil ich ihn als Bedrohung sehe? Voll schräg, oder? Glaube ist etwas, was in einem drin ist! Auch wenn mir jemand verbietet, öffentlich meinen Glauben auszuleben, kann er ihn mir trotzdem nicht nehmen. Ich bin weder ein guter Christ, nur, weil ich die Sakramente empfange und zelebriere, noch ein guter Moslem, nur weil ich die fünf Säulen des Islam beachte. Aber ich bin sowohl ein guter Christ als auch ein guter Moslem, ein guter Jude und Buddhist und sogar auch ein guter Atheist, wenn ich ein guter Mensch bin und mich und meine Umwelt menschenwürdig, respektvoll und mit Anstand behandel! Es gibt von „The mission“ ein sehr besonderes Lied, es heißt „Grapes of wrath“ und handelt von Menschen, die unterdrückt, gedemütigt und verfolgt wurden, denen aber niemand den Glauben, den Stolz und die Ehre hatten nehmen können. Denn die kann einem niemand nehmen! Letztendlich wird jeder irgendwann die Früchte seines Lebens ernten! „ …they can take away his freedom, they can beat him into the dust, they can burn his home, run him from his land and leave him out to gather rust- but they can`t take away his faith and him honesty and pride, and the knowledge he holds inside. One day they`ll reap their harvest, the grapes of wrath…” (The Mission U.K., "Grapes of wrath", from "Carved in sand) ... comment |
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Letzte Aktualisierung: 2014.04.11, 01:13 status
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