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Freitag, 22. November 2013
Alptraum- ein Fortsetzungskrimi Teil 12
shorty short, 17:24h
von Kirsten Maria Scholz
Kapitel achtzehn Ein Blick auf die Uhr versicherte ihr, dass es für ein Telefonat noch nicht zu spät war. Wieder zuhause angekommen, schnappte sie sich noch im Mantel das Telefon und wählte die Heidelberger Nummer des Staatsanwaltes. Ihrer Mutter, die fragend im Türrahmen zur Wohnküche stand, bedeute sie mit einer Handbewegung, sie jetzt nicht zu stören. Nach kurzem Klingeln vernahm sie eine äußerst angenehme Stimme, die ihr mitteilte, dass er sich zurzeit nicht in der Lage sieht, das Telefon zu bedienen. „Mist, Anrufbeantworter“, entfuhr es Susanne. Dass sie jetzt niemanden persönlich erreichen konnte, war in ihrer Theorie nicht vorgekommen. Die Nachricht auf dem Anrufbeantworter besagte weiter, dass der Anrufer am Montag einen Termin mit seinem Sekretariat vereinbaren oder in dringenden privaten oder geschäftlichen Fällen ihn, Dr. Fries, unter folgender Handynummer erreichen könnte. Susanne rannte hektisch zum Küchentresen und schnappte sich Stift und Notizblock, die immer für solche Fälle neben der Telefonaufladestation lagen. Es geht doch nichts über einen geordneten Haushalt, dachte sie und schaffte es, die Nummer zu notieren, als Dr. Fries sie ein zweites Mal wiederholte. „Na bitte“, sagte sie und sprach sich damit eher selbst Mut zu, „ich denke, meine Frage zählt zu den privaten Notfällen.“ Ihre Mutter hatte Susanne während der letzten Minuten aufmerksam beobachtet. Sie schien immer noch etwas irritiert zu sein. „Was ist denn nur los, Susanne?“ fragte sie schließlich, „du bist ja vollkommen aus dem Häuschen. Kannst du mir bitte einen kurzen Moment deine Aufmerksamkeit schenken?“ „Jetzt nicht“, winkte Susanne wirsch ab. Sie hatte bereits die Handynummer eingetippt und lauschte auf die Klingelzeichen. „Fries“, meldete sich die angenehme Stimme, dieses Mal persönlich. „Ja, hallo, Dr. Fries“, meldete sie sich, „meine Name ist Susanne Stahl. Wir haben uns vor kurzem in Nürnberg bei der Geburtstagparty meiner Mutter Isolde Wiegand getroffen. Vielleicht erinnern Sie sich?“ fragte sie freundlich und versuchte ihre Angespanntheit unter Kontrolle zu bringen. „Natürlich! Frau Stahl, sicher erinnere ich mich“, antwortete er leicht zögerlich, „Was verschafft mir die Ehre Ihres Anrufes? Ist irgendetwas vorgefallen?“ fragte er mit Nachdruck, worüber Susanne etwas verwundert war. Wie kam er auf die Idee, dass etwas vorgefallen war? Naja, vielleicht berufsbedingt, dachte sie kurz, sprach dann ohne Umschweife den Grund ihres Anrufes an. „Dr. Fries, zunächst möchte ich mich entschuldigen, dass ich sie am Wochenende quasi überfalle, aber ich würde Sie gerne noch einmal persönlich sprechen. Es geht um die Geburtstagsfeier meiner Mutter und um unser Gespräch an dem Nachmittag.“ Sie war sich dessen bewusst, dass sie ihn mit dieser Frage überrumpelte, also ließ sie ihm ein wenig Zeit, sich zu sammeln. „Ja, die Party, ich erinnere mich“, antwortete er gedehnt. „Hören Sie, Frau Stahl, es tut mir wirklich aufrichtig leid, was an dem Tag geschehen ist. Hätte ich gewusst, wer Sie sind, ich hätte im Leben nichts von alledem erzählt“, sagte er und Susanne meinte, Anteilnahme herauszuhören. „Ja, vielen Dank für ihr Mitgefühl. Aber sehen Sie, genau darum geht es. Ich möchte mich gerne noch einmal mit Ihnen genau darüber unterhalten. Jetzt, nachdem alles ein wenig gesackt ist“, fügte sie als Erklärung hinzu. Es entstand eine längere Pause. „Hallo?“ fragte Susanne nach. „Sind Sie noch dran?“ „Ja, natürlich. Entschuldigen Sie. Ich kann mir gerade allerdings nicht vorstellen, inwieweit ich Ihnen noch helfen könnte. Das Problem ist“, sagte er. Oh nein, kein Problem, dachte Susanne. „…dass ich am Montag auf eine längere Geschäftsreise gehe.“ „Wie wäre es denn mit morgen?“ unterbrach Susanne ihn und fügte schnell hinzu: „Ich möchte Sie nicht unter Druck setzen und ich bin auch sonst nicht so aufdringlich, entschuldigen Sie bitte. Es ist nur so ungeheuer wichtig für mich. Wenn es für Sie zu kurzfristig ist, kann ich das gut verstehen.“ Susanne hörte es am anderen Ende rascheln. Anscheinend schaute er in seinem Terminkalender nach, vermutete sie und schöpfte neue Hoffnung. „Nein, nein, ist schon in Ordnung. Es scheint Ihnen tatsächlich sehr wichtig zu sein. Wie wäre es denn morgen Vormittag? Wir könnten uns zum Brunch in dem neuen Bistro in der Altstadtpassage treffen. Sagen wir so gegen 11 Uhr?“ fragte er. „J-ja, das wäre klasse. Vielen Dank, Herr Fries, für Ihr Verständnis und auch, dass Sie sich die Zeit nehmen. Dann bis morgen.“ Susanne trennte die Verbindung per Knopfdruck und legte das Telefon langsam auf die Arbeitsplatte ihrer Wohnküche. Sie hatte es wirklich getan. Morgen würde sie vielleicht erfahren, was sie die ganze Zeit mit Hochdruck verdrängte. Auf jeden Fall war sie sich sicher, dass Dr. Fries ein wenig zur Aufklärung beitragen konnte. „Susanne!“ ihre Mutter hatte ihren Arm ergriffen und schüttelte sie. „Ich rede mit dir!“ Susanne fuhr zusammen. „W-was?“ sie schaute reichlich verwirrt. Ihre Mutter hatte sie völlig vergessen. „Was ist denn?“ sie schüttelte ihren Arm frei. „Was soll denn das?“ Sie ging zur Sitzgarnitur und setzte sich. „Wolltest du mir nicht irgendwas Wichtiges erzählen?“ sagte sie fast ein wenig trotzig. „Das versuche ich doch die ganze Zeit“, schimpfte Isolde, „aber du hörst mir ja nicht zu. Mark hat angerufen, er kommt heute höchstwahrscheinlich nicht nach Hause.“ Susanne drehte ihrer Mutter den Kopf zu. „Ach was!“ entfuhr es Susanne. „Er hat irgendwo außerhalb von Heidelberg ein Geschäftsessen. Das wird wohl etwas länger dauern. Und bei diesen winterlichen Verhältnissen möchte er nachts lieber nicht über Land fahren. Er wird sich da ein Zimmer nehmen“, berichtete ihre Mutter. „Natürlich wird er das“, schnaufte Susanne sarkastisch, „wahrscheinlich ein Doppelzimmer.“ Na bitte, sollte er doch bei und mit Sabrina machen, was er wollte. Sie wollte sich nicht den Abend mit Madeleine und Valentin vermiesen lassen, schon gar nicht durch verschwendete Gedanken an Mark und ihre „beste“ Freundin. Kapitel neunzehn Madeleine und Valentin weckten Susanne am nächsten Morgen mit lautem Gebrüll. Susannes Mutter hatte sich wahrlich Mühe gegeben, den beiden Kleinen ihren Aufenthalt in Nürnberg so angenehm wie möglich zu machen, dennoch merkte Susanne gerade in Momenten wie diesen, wie sehr ihre Kinder sie vermisst hatten. Und auch sie genoss die gemeinsame Kuschelstunde in vollen Zügen. Obwohl sie sich mit Dr. Fries zum Brunch verabredet hatte, ließ sie es sich nicht nehmen, ein ausgiebiges Frühstück mit ihren Kindern zu veranstalten. Es machte ihr richtig Spaß mit Madeleine Pfannkuchen zu backen und Valentin und ihre Mutter beim Rühreibraten zu beobachten. Wie lange war das her, dass sie alle zusammen so viel Spaß hatten? Und alles ohne Mark, dachte sie. Sie hätte vor ein paar Monaten nicht im Traum daran gedacht, dass sie überhaupt jemals in Erwägung ziehen würde, ein Leben ohne Mark führen zu können. Nach dem Frühstück machte sich Susannes Mutter mit Madeleine und Valentin auf, einen Schneemann zu bauen. Susanne schaute auf die Uhr und erschrak. „Nun aber los“, trieb sie sich an und machte sich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt mit Dr. Fries. Als sie ihren schnuckeligen Kleinwagen aus der Garage fuhr, sah sie, dass die beiden Söhne von Gabriela und Marcello sich zu Madeleine und Valentin gesellt hatten und sichtlich Spaß zu haben schienen, zusammen den Schneemann zu bauen. Sie winkte allen zu und fuhr vorsichtig die schneebedeckte Straße entlang. Sie fand das Bistro im Einkaufszentrum auf Anhieb und erblickte Dr. Fries schon von weitem, der ihr zuwinkte. „Frau Stahl“, er stand auf und reichte ihr zur Begrüßung die Hand, „guten Morgen. Schön, Sie zu sehen.“ Er bot ihr den zweiten Korbsessel an seinem Tisch an. Da er davon ausgegangen war, Susanne würde wie er ohne vorher gefrühstückt zu haben zu ihrem Treffen erscheinen, hatte er bereits zweimal Frühstück bestellt, das auch schon serviert wurde, als Susanne Platz nahm. Na gut, dachte sie, Essen hält Leib und Seele zusammen. Warum also nicht zweimal frühstücken, schaden konnte es ihr jedenfalls nicht. Durch den Stress der letzten Wochen hatte sie eindeutig an Gewicht verloren. „Nun, was genau kann ich für Sie tun, Frau Stahl?“ fragte Dr. Fries, nachdem sie den anfänglichen Small-talk über Wetter und Verkehr beendet hatten. Susanne hatte sich vorgenommen, mit der Wahrheit nicht hinter dem Berg zu halten. Sie erzählte von ihrem Black- out, der nach ihrem Gespräch in Nürnberg aufgetreten ist, von dem Klinikaufenthalt und ihrer Suche nach Gründen für ihre lückenhafte Erinnerung. „Und da ist jede Kleinigkeit wichtig“, erklärte sie ihm. „Von meiner Mutter weiß ich, dass wir uns angeregt unterhalten haben und ich daraufhin quasi kopfüber nach Hause gerast bin, wo dann das passiert ist, was ich Ihnen gerade erzählt habe.“ Sie schaute in durchdringend an, ihre Stimme klang eindringlich. „Also, Dr. Fries, bitte versuchen, Sie sich zu erinnern! Worüber haben wir gesprochen?“ Dr. Fries legte sein Besteck zur Seite, stützte beide Ellenbogen auf die Tischplatte und legte seine Fingerspitzen aneinander. „Es war wie ich schon am Telefon angemerkt hatte, nicht meine Absicht, Ihnen vor den Kopf zu stoßen. Ich hatte mich mit einem Bekannten über einen seiner Fälle in Heidelberg unterhalten, bei dem es um das Architekturbüro Stahl und Ingwersen geht. Sie sind interessiert dazu gestoßen und ich habe mir nichts dabei gedacht, weiterzusprechen. Ich weiß, in solch einem Rahmen ist es nicht in Ordnung, Fälle zu besprechen, aber wir sind auch nur Menschen“, er zog entschuldigend seine Schultern hoch. Susanne hatte aufgehört zu frühstücken. Angespannt und nervös lauschte sie den weiteren Ausführungen. Dr. Fries faltete seine Serviette. „Und um was ging es bei dem Fall Ihres Bekannten?“ fragte Susanne mit brüchiger Stimme.Ihre Nerven waren mittlerweile zum Zerreißen gespannt, der Klopfschmerz hinter ihrem rechten Auge meldet sich zurück. Jetzt nicht ohnmächtig werden, dachte sie. „Mein Bekannter ist Gerichtsreporter und kommt viel herum. Er wollte sich nach dem Architekturbüro Stahl und Ingwersen bei mit erkundigen, ob ich Insiderwisser hätte.“ Er blickte sie entschuldigend an. „Ich weiß, auch das ist keine feine englische Art, aber so läuft das Geschäft mit den Journalisten nun mal. Sie versuchen es immer wieder.“ Susanne interessierte es überhaupt nicht, ob Journalisten sich nun korrekt verhielten, um an ihre Informationen zu kommen. Einzig und allein Dr. Fries Insiderwissen war für sie wichtig, schließlich ging es um das Architektenbüro ihres Mannes. Seines Wissens nach war das Büro in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten und in das Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Die Chefs hätten Steuerhinterziehung und Betrug im gehobenen Stil betrieben. Es wurden unter anderem Urlaubs- und Eventreisen der Angestellten als Spesen beim Finanzamt abgerechnet, was in der Geschäftswelt Gang und Gebe wäre. Allerdings hätte einer der beiden Geschäftsinhaber seinen Zweitwohnsitz in die Schweiz verlegt und somit Gelder in die Schweiz transferiert. Und das in ziemlich großen Stil. „Sagen Sie jetzt nicht, dass dieser Geschäftsinhaber mein Mann ist!“ flüsterte Susanne. „Doch, leider ist er der Drahtzieher bzw. der Federführende. Sein Geschäftspartner ist nur Mitläufer.“ Susanne setzte sich zurück in den Sessel und starrte Dr. Glück fassungslos an. „Aber unser Wohnsitz ist doch hier in Deutschland!“ sagte sie, „ich meine, wie konnte er dann einen weiteren in die Schweiz verlegen?“ sie schaute ihn fragend an. Er räusperte sich. Susanne sah ihm an, dass ihn diese Frage in Verlegenheit brachte. „Frau Stahl, er ist angeblich oder tatsächlich, man weiß es nicht, mit seiner Lebensgefährtin in die Schweiz gezogen. Laut seiner Aussage lebt er getrennt von seiner Frau, also von Ihnen, und seinen Kindern, die in Heidelberg geblieben sind.“ „Mit wem? Mit seiner Lebensgefährtin?“ Susanne fiel vom Glauben ab. „Er sagt, er hat uns verlassen und ist mit seiner Lebensgefährtin in die Schweiz gezogen?“ Dr. Fries nickte. Man sah ihm an, dass ihm das Thema äußerst unangenehm war. Es herrschte eisiges Schweigen zwischen ihnen. Susannes Gedanken wirbelten konfus in ihrem Kopf herum. Konzentrier dich, ermahnte sie sich. Sie versuchte, das eben Gehörte mit ihren Erkenntnissen und Informationen abzugleichen und ließ die letzten Monate Revue gedanklich passieren zu lassen. Seit Monaten war Mark mehrfach im Monat für kurze oder längere Trips auf Geschäftsreisen unterwegs gewesen. Wohin war ihr nicht bekannt, aber sie hatte sich noch nie für die Ziele von Marks Geschäftsreisen interessiert. Sicherlich hatte er vermehrt Reisen unternommen, was sie in Zusammenhang mit der gesteigerten Auftragslage gebracht hatte. Somit hatte sich nie etwas dabei gedacht, zu sehr war sie mit ihren Kindern und ihrem eigenen Gesundheitszustand beschäftigt gewesen. Selbst an Weihnachten im letzten Jahr war er nur am Heiligabend in Heidelberg und ist über Silvester wieder geschäftlich unterwegs gewesen. Da sie sich aus Silvesterpartys noch nie etwas gemacht hatte, hatte sie mit den Kindern bei Marcello und Gabriela gefeiert. Auch hier hatte sie schon mit Schlafstörungen und Erschöpfungszuständen zu kämpfen gehabt und war froh, wenn Mark sie nicht unbedingt bei Events und größeren Partys dabeihaben wollte. „Diese Lebensgefährtin“, Susanne hatte sich etwas gesammelt, „kennen Sie zufällig den Namen oder die frau persönlich?“ „Nicht persönlich“, gab Dr.Fries zu, „sie soll die ehemalige Sekretärin Ihres Mannes sein.“Susanne starrte in mit geöffnetem Mund an. „Sabrina!“ flüsterte sie. Diese Schlampe! Sie hatte es sich bereits gedacht, aber jetzt die Bestätigung ihrer Vermutungen zu erhalten, kam ihr wie ein Schlag ins Gesicht vor. „Es tut mir leid, dass ich sozusagen der Überbringer der schlechten Nachrichten war. Aber ich konnte doch nicht ahnen, dass Sie, die Tochter von Isolde Wiegand, eigentlich noch die Ehefrau von Mark Stahl aus Heidelberg sind“, versuchte er sich zu erklären. Susanne winkte ab. Sie wollte keine Entschuldigungen und schon gar kein Mitleid erhalten. „Machen Sie sich keinen Vorwurf. Sie können ja nichts dafür, dass mein Mann so ein erbärmliches Arschloch ist!“ sie machte ihrem angestauten Ärger Luft. „Und wissen Sie, was das Beste ist?“ Ihre angestaute und unterdrückte Wut suchte sich ihren Weg. Dr.Fries schüttelte den Kopf. „Seine ach so tolle Lebensgefährtin ist seit über zehn Jahre meine beste Freundin. Meine beste Freundin!“ wiederholte sie laut, ihre Stimme bebte. „Können Sie sich das vorstellen? Meine beste Freundin spannt mir einfach den Mann aus und ist auch noch in kriminelle Machenschaften verstrickt. Es ist unfassbar!“ Sie schnaufte regelrecht und warf die zerknüllte Stoffserviette auf den Tisch. Sie hatte sichtlich Mühe, sich zu beherrschen. „Dr. Fries, bitte nehmen Sie es nicht persönlich, aber ich glaube, ich werde erst einmal an die frische Luft gehen. Ich muss meine Gedanken ordnen und überlegen, was ich zu tun gedenke.“ Sie hängte sich ihre Handtasche über ihre Schulter und stand auf. Plötzlich kam ihr der Rat von Dr. Glück wieder in den Sinn. „Eine Bitte habe ich noch“, wand sie sich noch einmal an Dr. Fries, der immer noch keine Worte gefunden hatte und ziemlich hilflos der Situation ausgeliefert schien, „es gibt da noch etwas, was ich regeln muss. Ich würde gerne auf Sie und Ihre Funktion als Staatsanwalt zu gegebener Zeit zurückkommen.“Dr. Fries runzelte die Stirn. „Inwiefern, wenn ich fragen darf?“ er war mittlerweile auch aufgestanden. „Dazu kann ich jetzt noch nichts sagen. Wie gesagt, ich muss mich erst einmal sammeln!“ sie reichte ihm die Hand. „Melden Sie sich. Jederzeit, Frau Stahl. Auch wenn Sie mich nicht in der Funktion des Staatsanwaltes benötigen, ich kann auch so ganz gut zuhören.“ Er hielt ihre Hand immer noch fest und sah ihr direkt in die Augen. Erst jetzt nahm Susanne das unglaubliche Hellblau seiner Augen wahr. „Danke. Ich komme bestimmt auf Ihr Angebot zurück!“ Damit ließ sie ihn im Bistro stehen und flüchtete nach Draußen, wo sie frische, kalte Winterluft empfing und es ihr das Gefühl gab, wieder durchatmen zu können. Fortsetzung folgt..... 23.11.13 ... link (0 Kommentare) ... comment Alptraum- ein Fortsetzungskrimi Teil 11
shorty short, 02:06h
von Kirsten Maria Scholz
Kapitel siebzehn Nach einer überschwänglichen Wiedersehensfreude und dem minutenlangen Austausch von Küssen, Umarmungen und Streicheleien kam Susanne mit Madeleine auf dem Arm und Valentin an ihrer Hand die Treppen in die Eingangshalle herunter, wo sich Susannes Mutter bereits ihres Mantels und den vielen Accessoires, wie Handschuhe, Hut und Handtasche entledigt hatte. „Susanne“, stöhnte sie, „du kannst dir gar nicht vorstellen, wie voll die Straßen und wie überaus ungeräumt dieselbigen teilweise waren.“ Sie tauschte ihre zwar schicken, aber im Winter wohl eher unpraktischen Stiefeletten gegen ein modisches Paar silberfarbener Ballerinas, offenbar ihre Art von Hausschuhen. Susanne kräuselte die Stirn und überlegte, ob ihre Mutter früher auch schon solch einen merkwürdigen Modegeschmack hatte, konnte sich aber nicht erinnern. „Erinnere mich daran, dass ich mich nachher unbedingt mit der Telefongesellschaft in Verbindung setze“, sagte Susannes Mutter und ging in die Wohnküche, um Teewasser aufzusetzen. „Was ist denn mit dem Telefon?“ wollte Susanne wissen und folgte ihrer Mutter. „Oh, hattest du vorhin nicht auch das Gefühl, dass etwas gestört hat? Und dann war unser Gespräch einfach so abgebrochen.“ Susanne grinste still in sich hinein, sollte ihre Mutter ruhig denken, dass die Telefongesellschaft Schuld am abrupten Ausgang des Telefonats war und nicht ihre Tochter. „Nee, hier hat nichts gestört“, ging sie auf ihre Mutter ein, „vielleicht liegt das an eurem Telefon in Nürnberg.“ „Ja, vielleicht“, überlegte Susannes Mutter etwas zerstreut, „aber nun erzähl doch mal, wie es bei dir so läuft.“ Susanne setzte sich in die Polsterecke im Wohnzimmer und steckte die Hände in ihre Hosentaschen. Sie wollte gerade auf die Frage ihrer Mutter antworten, als sie den Lippenstift zwischen ihren Fingern spürte. Richtig, da war doch noch was. Sie stand auf. „Du, ich habe ganz vergessen, ich muss noch dringend zu Gabriela rüber“, sagte sie zu ihrer Mutter, die sie völlig irritiert anschaute. „Zu den Contassis? Aber warum denn? Ist etwas kaputt oder sind deine Blumen eingegangen?“ Susannes Mutter schien nicht gerade begeistert von Susannes Vorhaben zu sein, „muss das denn unbedingt jetzt sein, wo wir gerade erst angekommen sind?“ fragte sie, aber Susanne hatte keine Zeit, näher auf die Frage einzugehen. Sie stand schon in der Eingangshalle, war in ihre Stiefel geschlüpft und zog sich bereits ihre Jacke an. „Ja, jetzt!“ rief sie ihrer Mutter zu, bevor sie die Haustür hinter sich in das Schloss zog. Draußen herrschten deutlich Minusgrade und es wehte ein kräftiger und vor allem eisiger Wind. So langsam hatte sie den Winter satt. Sicherlich würde es auch wieder schneien, dachte Susanne. Die Abenddämmerung war schon fortgeschritten und eigentlich hätte Mark schon von der Arbeit kommen müssen. Es sei denn er hatte noch ein Meeting mit irgendeinem wichtigen Kunden. Sie ging den geräumten Bürgersteig entlang. Bereits vom Gartenzaun konnte sie erkennen, dass die Contassis zuhause zu sein schienen. Etliche Fenster waren in warmem Licht erhellt. Susanne klingelte an der Vordertür und es dauerte nicht lange, da öffnete Gabriela. Ihrem Gesichtsausdruck war die Überraschung, aber auch die Freude anzusehen. „Susanne“, begrüßte sie Gabriela mit dem italienischen Aktent, den Susanne so an ihr mochte., „komm rein. Das ist ja eine schöne Überraschung. Schön, dich zu sehen. Bist du etwa schon entlassen? Wie geht es dir?“ Susanne wusste nicht, auf welche Frage sie zuerst antworten sollte. Also erzählte sie einfach drauf los. Natürlich wusste Gabriela von ihrem Zusammenbruch und der Klinikeinweisung, schließlich hatte sie den Rettungsdienst benachrichtigt. Von daher fiel es Susanne relativ leicht von ihrem Klinikaufenthalt und dem, was sie erlebt hatte, zu berichten. Gabriela hatte sie in die Küche gebeten und mittlerweile eine heißen Kakao zubereitet. Sie hatten es sich vor dem uralten Kachelofen bequem gemacht, der eine ungeheuer wohlige Wärme erzeugte. Bei dem winterlichen Wetter genau das Richtige. Er erwärmte nicht nur Susannes kalten Füße, sondern vor allem sie auch von innen. Nachdem Susanne mit den Ausführungen der wichtigsten De-tails der letzten Tage fertig war, versuchte sie sich auf ihr eigentliches Vorhaben zu konzentrieren. „Gabriela“, begann sie und starrte dabei in ihren Kakao, „ich weiß, wir kennen uns nicht so gut und das, was ich dich jetzt frage, kommt dir sicherlich eigenartig vor…“, sie holte tief Luft und suchte nach Worten. „Susanne, was ist los?“ fragte Gabriela und schaute sie prüfend an. „Also, es geht um meinen Mann, um Mark“, versuchte Susanne einen Anfang zu finden. Sie erzählte von den merkwürdigen Blutwerten und ihren Verdacht, dass Mark irgendetwas damit zu tun hatte. „Naja, und jetzt finde ich bei mir zu Hause einen Seidenschal, der mir nicht gehört und“, sie holte den Lippenstift aus ihrer Hosentasche, „diesen Lippenstift, der in meinem Bad auf meinem Waschbecken stand und auch nicht mir gehört.“ Sie knallte den Lippenstift auf den hölzernen Küchentisch, so dass Gabriela leicht zusammenzuckte. Sie hatte bis jetzt schweigend zugehört. Jetzt schaute sie Susanne direkt an. „Lass mich raten. Du möchtest von mir wissen, ob ich etwas weiß oder ob Marcello etwas mitbekommen hat. Habe ich recht?“ fragte sie ohne Umschweife. Susanne druckste ein wenig herum. „Naja. Schon irgendwie. Also, ich kann verstehen, dass es dir vielleicht unangenehm ist, schließlich arbeitet Marcello auch für Mark…“ „Ach, mach dir darum keine Gedanken. Wir Frauen müssen doch zusammenhalten. Und Marcello wird damit auch klar kommen oder klarkommen müssen“, beschwichtigte sie Susannes Einwand, der ein kleiner Stein vom Herzen fiel. Sie hatte im Leben nicht mit so viel Verständnis und Hilfsbereitschaft gerechnet. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, sagte Susanne, „auf jeden Fall danke. Ich weiß das wirklich zu schätzen. Also, ist dir irgendetwas aufgefallen, egal was? Ich muss alles wissen, was mir in irgendeiner Form weiterhelfen könnte“, fragte sie etwas drängend. Gabriela überlegte einen kleinen Moment. „Also, wenn ich das richtig verstanden habe, dann geht es dir hauptsächlich um die Zeit während deines Klinikaufenthaltes, weil der Schal und der Lippenstift in der Zeit drüben bei dir liegengeblieben sind.“ Als Susanne eifrig nickte, fuhr Gabriela fort. „Mir ist da schon etwas aufgefallen“, erzählte Gabriela. Sie berichtete Susanne, dass Mark wohl ziemlich oft Besuch hatte, meistens abends. Sie war davon ausgegangen, dass es sich um Geschäftspartner handelte. Frau Friese, die Putzfrau, hatte sich mehrfach bei Marcello über die Reste der Partys oder wie sie es nannte „Meetings“ beschwert, die sie am nächsten Morgen zu beseitigen hatte. Mark hatte sie sogar zweimal außer der Reihe zum Aufräumen beordert und ziemlich gut dafür entlohnt. Dennoch fand Frau Friese es ungeheuerlich, dass Mark eine Party nach der anderen schmiss, während seine Frau in der Klinik weilte. Gabriela war weiter aufgefallen, dass es sich um stets unterschiedliche Gäste handelte. Ein Wagen stand jedoch immer auf der Auffahrt. Sie hatte ihn deshalb immer wieder erkannt, weil die Farbe einfach zu auffällig war: aubergine- metallic. Susanne stutzte. Sie kannte nur eine Person, die sich ein Auto in dieser Farbe zugelegt hatte. „Sabrina?“ fragte sie eigentlich eher sich, aber Gabriela antwortete ihr prompt. „Ja, das ist mir dann auch wieder eingefallen, als ich die dazugehörige Dame sah. Ihre Freundin ist ja weder zu übersehen noch zu überhören“, sagte sie leicht abwertend.„Die Sachen, die du gefunden hast, könnten doch durchaus auch deiner Freundin gehören. Sie ist ein paar Mal über Nacht geblieben. Also ganz genau kann ich das natürlich nicht sagen“, gestand Gabriela, „aber ihr Wagen stand mehrere Male auch am nächsten Morgen noch auf eurer Einfahrt.“ Susanne hörte sehr interessiert zu. Das waren wirklich Neuigkeiten. Sicherlich ist es vor ihrem Klinikaufenthalt auch schon das eine oder andere Mal spät geworden und sicherlich hatte Sabrina auch schon das eine oder andere Mal einen über den Durst getrunken, dennoch ist sie immer nach Hause gefahren oder hatte sich ein Taxi genommen. Susanne konnte sich nicht an eine Situation erinnern, in der Sabrina bei ihr im Gästezimmer übernachtet hatte. Warum also sollte es in den letzten Wochen anders gewesen sein? Allerdings pass-te die schreckliche Farbe des Lippenstiftes eindeutig zu Sabrina, genauso wie dieses schrecklich aufdringliche Parfüm. Was zum Henker war nur los? Sie konnte alles nicht so recht einordnen. „Gestern war ja auch eine Festivität bei euch“, fuhr Gabriela fort, „und wie der Zufall so will, habe ich gesehen, wie dein Mann, also Mark, mit Sabrina zusammen von der Arbeit gekommen ist.“ Susanne schloss kurz die Augen und musste sich sammeln. Die Kopfschmerzen kündigten sich wieder an, das Blut klopfte in den Schläfen und rauschte in ihren Ohren. Ihr wurde leicht schwindelig und übel. Dennoch zwang sie sich, die Augen zu öffnen und der Wahrheit quasi ins Gesicht zu sehen. „Und heute Morgen, du warst auch, glaube ich, auch schon da, sind die beiden doch wieder losgefahren. Seid ihr euch nicht begegnet?“ fragte Gabriela verwundert. Susanne schüttelte den Kopf. Sie hatte das Gefühl, ihr Schädel würde den Druck in Kürze nicht mehr aushalten und zerspringen. Um sich nicht allzu sehr die Blöße vor Gabriela zu geben, versuchte sie, nach außen hin, sich nichts anmerken zu lassen. Innerlich tobte bereits ein Orkan. „Merkwürdig!“ sagte sie. Nee, gar nicht merkwürdig, brüllte ihre innere Stimme. Sie erinnerte sich an das Stimmengemurmel, bevor Mark am Morgen das Haus verließ. Sabrina also! Ihre angeblich beste Freundin trieb es hinter ihrem Rücken mit ihrem Mann? Und das sogar, während sie mit einer Amnesie im Krankenhaus lag. Wahrscheinlich musste die Schlampe völlig in Hektik ihre Sachen zusammenpacken, so dass sie den Lippenstift und ihren Schal in der Aufregung schlichtweg vergessen hatte. Bei diesen Gedanken glaubte sie, sich gleich übergeben zu müssen. Mark und Sabrina! Seit wann lief das zwischen den beiden denn schon? Wie blind und taub, ja geradezu dumm war sie gewesen, dass sie nie etwas mitbekommen hatte! Nie hatte sie sich gewundert, wenn Mark auf Geschäftsreise ging und seine Sekretärin mitnahm. Was war sie nur für ein naives Frauchen gewesen! Aber wer hätte gedacht, dass die beste Freundin sich an den eigenen Ehemann heranmacht. Oder war es umgekehrt gewesen? Susanne fühlte sich dermaßen elend. Selbst ihre Nachbarin hatte bemerkt, dass da irgendetwas zwischen den beiden lief. Nur sie mal wieder nicht. Sicherlich ging das schon eine Weile so und nicht erst seitdem sie in der Klinik war. Gabriela schien zu merken, dass ihre Informationen ein Schock für Susanne bedeuteten und sie völlig aus der Spur gebracht hatten. „Es tut mir leid, Susanne“, sagte sie mitfühlend und legte ihre Hand auf Susannes Unterarm. „Wenn ich irgendetwas für dich tun kann, dann komm bitte oder ruf an. Auch mitten in der Nacht oder am Wochenende, ganz egal.“ Susanne nickte dankbar. Sie musste jetzt erst einmal an die frische Luft und wieder einen klaren Kopf bekommen. „Danke“, sagte sie, „auch für deine Offenheit und Ehrlichkeit. Aber ich werde erst einmal gehen. Ich muss für mich überlegen, was ich mit den ganzen Informationen mache.“ Nachdem Gabriela sich vergewissert hatte, dass Susanne sich nicht alleine zu Hause befand, sondern dass sowohl ihre Mutter als auch Madeleine und Valentin da waren, war sie einigermaßen beruhigt. Draußen atmete Susanne erst einmal tief durch. Sie wusste nicht, auf wen sie wütender sein sollte oder von wem sie mehr enttäuscht war. Mark oder Sabrina. „Und was mache ich jetzt?“ fragte sie sich. So richtig geschockt war sie dennoch nicht. In der Klinik hatte sie lange gegrübelt, was Mark vor ihr versteckt oder verschwiegen hatte, ohne eine richtige Vorstellung zu haben, was genau das sein könnte. Dass es sich dabei eventuell um eine Affäre handeln könnte, war Susanne schon bewusste gewesen. Dennoch hatte sie diese Variante versucht zu ignorieren. Jetzt allerdings mit Tatsachen konfrontiert musste sie die Wahrheit wohl oder übel akzeptieren. Sie fröstelte und steckte ihre Hände in die Manteltaschen, um sie vor der eisigen Kälte zu schützen. Dabei fiel ihr die Visitenkarte des Staatsanwaltes in die Finger. Sie schaute zuerst etwas verwirrt darauf. Im ersten Moment konnte sie weder mit Namen noch Staatsanwalt etwas anfingen. Dann allerdings fiel es wie Schuppen von den Augen und sie wusste, was sie am nächsten Tag dringend zu erledigen hatte. Fortsetzung folgt..... 23.11.13 ... link (0 Kommentare) ... comment ... older stories
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Letzte Aktualisierung: 2014.04.11, 01:13 status
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