Shortys Gedankenwelt
Montag, 4. November 2013
schneller, höher, weiter...
Wer den Sonntagabendkrimi der Woche auf der ARD gesehen hat, stellt sich wohl unweigerlich die Frage, ob das Thema, das dort bearbeitet wurde, auch wohl wirklich der Realität entspricht. Ist es wirklich so, dass sich Studenten dopen, weil sie ohne Aufputsch den Anforderungen nicht mehr standhalten und kläglich versagen würden?

Unsere Gesellschaft ist darauf getrimmt, immer besser und schneller zu werden. Wer dem Tempo nicht standhält, wird unweigerlich aussortiert. Die Krankheitstage aufgrund von psychischen Erkrankungen nehmen drastisch zu. Schön, dass es darüber Statistiken und Zahlen gibt, die auf dieses Phänomen aufmerksam machen. Noch schöner wäre es allerdings, wenn sich ein verändertes Verhalten und eine gewisse Akzeptanz in der Gesellschaft ausbreiten würde.
"Früher war alles besser"... stimmt so nicht. "Früher war es anders", trifft eher zu. Wer kann heute noch von sich behaupten, dass er in einem Ausbildungsbetrieb gelernt hat und dort seine Lebensarbeitszeit verbringen wird, ohne ständig Angst haben zu müssen, seinen Arbeitsplatz verlieren zu können und damit die Existenz?
Heute ist es die natürlichste Sache der Welt, dass vom Arbeitnehmenr erwartet wird, dass er sich mit Zeitverträgen und Überstunden arrangiert. Wer nicht mitmacht, kann gehen, es stehen genug andere Bewerber vor der Tür, die nur darauf warten, dass einer wieder versagt. Heute muss man flexibel und jederzeit bereit sein, den Arbeitsplatz und damit auch den Wohnort zu wechseln. Familie und Freizeit stehen in der Lebensplanung an letzter Stelle. Und da wundern sich die Politiker, dass sich viele Menschen erst spät für Kinder entscheiden und dann auch nur meist für eines oder max. zwei? Da hilft auch kein höheres Kindergeld oder Anspruch auf einen KiTa- Platz. Wer heute nach der Ausbildung oder dem Studium gleich in den Mutterschutz geht, kann sich darauf einstellen, dass es mir der Karriere wohl vorbei ist. Wer heute mit 30 noch keine Berufserfahrung vorweisen kann und darauf aus ist, eine Laufbahn in den höheren Etagen anzustreben, hat schlechte Karte. Also schnellstmöglich durchs Studium brettern, auch wenn es mal Unterstützung mit Methyphenidat bedeutet, egal, ist ja nur hin und wieder mal. Ich frage mich, ob diese Studenten auch zu Speed greifen würden, nur hin und wieder mal, oder ob sie der Meinung sind, dass Methylphenidat nicht so schlimm ist,schließlich handelt es sich ja um ein erprobtes Medikament! (Leider nur im Kindesalter erprobt und mit Nebenwirkungen... auch wenn man es nur hin und wieder nimmt.) Aber wo ist unsere Gesellschaft nur hingetrieben, wenn sogar ein völlig "durchschnittlich", "normaler" Student, der ansonsten nie zu Drogen welcher Art auch immer greifen würden, die Risiken und Nebenwirkungen (Parkinson im Alter) dieses ADHS- Medikamentes in Kauf nimmt, um den Anschluss nicht zu verpassen???

"Früher" war der Hauptschulabschluss noch etwas. Man konnte ohne Probleme einen Ausbildungsberuf erlernen und nach einigen Jahren sogar aufsteigen und seinen Meister machen, wenn man wollte. Und heute? Heute wird den Schülern bereits am ersten Tag ihres Schulantritts durch Medien und der Gesellschaft eingebleut, dass man schön fleißig lernen muss, wenn man nicht auf der Hauptschule landen will. Denn Hauptschulabschluss bedeutet "Versager" und "Hartz IV". Wer es dennoch "nur" auf die Hauptschule schafft, glaubt das auch irgendwann, was bleibt ihm auch anderes übrig, wird es ihm doch ständig vorgebetet. Wozu soll er sich dann noch anstrengen, hat doch ohnehin keinen Sinn!

Der Druck, der auf den heutigen Schülern lastet ist enorm. Schule bis in den Nachmittag hinein, danach Hausaufgaben und lernen. Wer heute seinen Schulabschluss ohne Nachhilfe schafft, ist ein Überflieger. Besonders auf den sog. G8 Schulen. Wo liegt eigentlich der Sinn, das Abitur bereits nach 12 Jahren zu machen? Der Ernst des Lebens beginnt doch früh genug? Wo darf ein Kind noch Kind sein? Wann hat es die Zeit, sich einfach nur mit Freundinnen zum "Abhängen" oder "chillen" zu treffen. Zeit, die so wichtig ist, auf dem Weg durch die Pubertät. Zeit, in der man sich mehr an der Peer- group orientiert als an den Eltern. Es ist die Zeit, in der man sich langsam vom Elternhaus abnabeln muss, um selbständig zu werden. Es ist die Zeit, in der man sich selbst finden muss, um später im Leben seinen Mann/ seine Frau stehen zu können. Wer einem Hobby nachgehen möchte, ein Instrument lernt oder sich im Sportverein aktiv betätigt, der organisiert bereits mit 13 oder 14 seine Leben mit einem Timer. Wie schrecklich ist das bitte, dass Jugendliche heute Verabredungen mit Freundinnen mittels Timer treffen müssen! Dabei sollte der Stress im Leben doch erst später beginnen...
Meine Schulzeit war die beste Zeit meines Lebens, abgesehen von den üblichen Generationskonflikten. ich hatte sehr viel Zeit, mich und meine Fähigkeiten zu entdecken, mir genau und ausführlich Gedanken darüber zu machen, was ich später mal machen möchte. Und auch aus mir ist etwas geworden! Vor allem eine Persönlichkeit!
Heute geht es nicht darum, glücklich zu sein oder zu werden, sondern nur Leistung zu erbringen.

Bereits in der Schule fallen vermehrt Kinder auf, die angeblich unter ADHS leiden. Sicherlich leiden einige Kinder unter diesem Syndrom und sollten Unterstützung bekommen (vielleicht nicht zwiungend medikamentös, aber therapeutisch). Klar ist allerdings auch, dass viele Kinder auffallen, weil sie sich auffällig verhalten, sich nicht konzentrieren können, den Unterricht stören. Ich denke, es sollte hier die Frage erlaubt sein, welche Gründe es für diese Verhaltenweisen außer ADHS geben könnte. Wer als Kind ständig an seine Leistungsgrenzen getrieben wird, angetrieben duch die Angst, ansonsten später im Leben als Versager dazustehen, der wird ständig überfordert und der Verstand sagt irgendwann "tilt", "stop, ich kann nicht mehr, ich schalte mich aus". Zusätzlich gesteuert durch unseren Drang ständig und überall medial erreichbar zu sein, stehen nicht nur Erwachsene, sondern vor allem unsere Kinder unter einer ständigen Reiszüberflutung. Kinder, die eigentlich ihre Sinne zuerst auf sich zentrieren sollten, um sich selbst so gut kennenzulernen, dass sich ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln kann. Wer weiß, was er kann oder wo seine Schwächen liegen, ist auf alles vorbereitet und weiß, wer er ist. Unsicherheit bezüglich der eigenen Person erzeugt Angst. Angst vor ungewohnten Situationen, Angst etwas Neues auszuprobieren, Angst Fehler zu begehen, Angst zu versagen. Angst hemmt den Menschen und lässt ihn erstarren!

Der Ansporn unserer Gesellschaft, immer schneller, höher und weiter zu kommen, macht nicht nur zusehends uns Erwachsene krank, sondern vor allem unsere Kinder!
Eine Pille ist das unangebrachteste Mittel überhaupt, diesem Trend entgegenzuwirken, vielmehr muss ein Umdenken stattfinden.

Nehmen wir uns und geben wir unseren Kindern nicht nur hin und wieder, sondern immer öfter die Zeit, einfach mal durchzuatmen und zwanglos die Zeit zu genießen.

In diesem Sinne...

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