| Shortys Gedankenwelt |
|
... newer stories
Donnerstag, 7. November 2013
Depression- Freund oder Feind?
shorty short, 18:30h
Feind wäre die erste wohl logischste aller Antworten. Ein Feind, den es zu bekämpfen gilt, der sich nicht in das eigene Leben einzumischen hat, ein Leben, das nicht fremdbestimmt sein soll, sondern, in dem nur ich das Sagen habe.
Das Problem an der Depression ist leider, ist sie erst einmal da und hat von einem Besitz ergriffen, ist sie nicht so ohne weiteres abzuschütteln. Fest gebissen wie eine lästige Zecke hängt sie einem im Pelz, jederzeit sprungbereit, um wieder einmal zu zubeißen. Zumeist schlummert sie im Verborgenen, ja, gerät auch in Vergessenheit, bis man sie wieder bemerkt. Sie kriecht zunächst lautlos aus ihrem Versteck und sondiert die Lage, versucht zu erahnen und auszuspähen, wie es einem geht, ob man vielleicht unaufmerksam geworden und nicht mehr darauf vorbereitet ist, dass sie, die „Dunkle Wolke“, immer noch da ist. Sie schleicht um einen herum, wie ein leiser Schatten, dennoch hin und wieder sicht- und spürbar. Man bemerkt die Kälte, die sie verströmt und den schlechten Atem, den sie einem eiskalt in den Nacken bläst, so als wolle sie sagen: „Schau her, wiege dich nicht in Sicherheit, ich bin noch da! So lange hast du dich nicht um mich gekümmert, wird langsam Zeit, dass du deine Aufmerksam mal wieder mir zuwendest, nicht wahr?“ Die Angst und das Wissen „Sie ist wieder da!“ lähmt einen, ebenso wie die Furcht, wieder völlig von ihr eingenommen zu werden. Diesen Zustand der eigenen Unfähigkeit, sich zu wappnen, nutzt sie für sich, verbeißt sich wieder und versucht einen auszusaugen, nur um die volle Aufmerksamkeit zu bekommen, die ihr so lange verwehrt wurde. Die Depression nimmt sich, was sie will, ob man es ihr geben will oder nicht. Warum also unnötig bekämpfen und zu versuchen, sie auszugrenzen? Solange es einem gut geht, geht es auch der Depression gut, d.h. kümmert man sich gut um sich selbst, gibt man der Depression das, was sie braucht: Aufmerksamkeit. Sich in regelmäßigen Intervallen zurücklehnen und sich etwas Gutes tun. Sich nicht ständig einem nicht selbst gewähltem Stress aussetzen. Keine ständig und allgegenwärtige Erreichbarkeit, das Handy mal beiseitelegen, sich ein Buch nehmen, in die Natur gehen und sich an kleinen Dingen erfreuen, schauen, was in einem steckt, kreativ werden. Eine wirkliche depressive Episode zwingt einen ohnehin, sich mehr um sich und seine Bedürfnisse zu kümmern, sich mit der eigenen Biografie auseinanderzusetzen, auch, sich selbst einmal in Frage zu stellen und eingefahrenen Verhaltensweisen zu überdenken. Warum also warten, bis sie einen zwingt und einen dann komplett ausschaltet? Ich selbst lebe seit einigen Jahren mit meiner Depression. Sie kam einfach und wollte auch nicht wieder gehen, zu meinem Leidwesen. Mein erster Gedanke war natürlich: „Na, warte, dich mach ich platt, such dir jemand anderen!“ Schnell musste ich aber feststellen, dass meine Ignoranz ihr gegenüber nur Verschlechterungen brachten. Die Energie, die ich aufbringen musste, um gegen die Depression zu kämpfen, ja auch sie zu verneinen, fehlte mir am Ende für mein Überleben. Zudem erwischte mich die Depression natürlich als ich völlig im Stress und ohnehin geschwächt war. Die Außenwelt weiterhin zu täuschen und ihr vormachen zu wollen, dass alles in Ordnung ist und ich völlig gesund wäre, brachten mich nicht nur an meine Grenze, sondern ließen mich komplett im damaligen Leben scheitern. Denn die Depression war stärker, sie ließ sich nicht so ohne weiteres verleugnen. Egal wie sehr ich es versuchte, einen Schutzwall aufzubauen, sie schaffte es immer wieder Löcher hineinzuschlagen oder sie gar zu zerstören. Sie musste mir zweimal in beängstigender Art und Weise demonstrieren, welche Macht sie über mich hat bzw. haben kann, bis ich begriffen habe, dass ein ständiger Kampf gegen sie mein Untergang sein würde. Und so lernte ich mit der Zeit, mich mit meiner Depression zu arrangieren. Sie ist für mich kein Feind mehr, den ich zu bekämpfen versuche. Um sie ein wenig energiesparender in Schach halten zu können, ja quasi zu "bespaßen", gibt es Antidepressiva. Nicht ich brauche die Pillen, sondern meine Depression. Und wenn es so sein sollte, dass die Depression sich dazu entschließen sollte, mich mein ganzes Leben zu begleiten, bitte, dann bin ich bereit, die Pillen so lange zu schlucken, wie sie die braucht. Andere Menschen müssen auch ihr Leben lang Pillen für ihr Herz schlucken oder Insulin für ihre Bauchspeicheldrüse spritzen. Sieht man es von der Warte, ist es bei meiner Depression nichts anderes. Wenn ich sie recht ordentlich behandele, ist sie auch ganz passabel zu mir. Die Energie, die mich ein Aufbegehren kosten würde, kann ich für sinnvollere Dinge nutzen, für Dinge, die mir gut tun und mein Leben bereichern. Natürlich fordert meine Depression immer noch in immer wiederkehrender Regelmäßigkeit mehr Zeit und Aufmerksamkeit, als ich ihr eigentlich zukommen lassen möchte, sie ist da wie die kleine Raupe Nimmersatt. Aber es ist erträglicher geworden. Ich bin sensibler mir gegenüber geworden, nehme Veränderungen wahr und erkenne jetzt eher, wenn ich wieder am Abstieg bin und somit der Depression einen Grund gebe, wieder zuzuschlagen. Im Grunde lässt sie mich dann ein wenig inne halten, wenn ich mich mal wieder überfordere und mich unbewusst über meine Grenzen bringen. Von daher bin ich ihr auch auf einer Art dankbar. Sie hat mich dazu gebracht, mein Leben zu entschleunigen. Den Fokus auf andere Wichtigkeiten zu legen als ich es Jahrzehnte lang völlig selbstverständlich gemacht habe. Ich lebe bewusster und selbstbestimmter! Was mir gut tut ist erlaubt, alles andere F... off! Wer nicht selbst gut auf sich aufpassen kann, braucht jemanden, der ihn hin und wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringt, so wie meine Depression. ... link (0 Kommentare) ... comment ... older stories
|
Online seit 4572 Tagen
Letzte Aktualisierung: 2014.04.11, 01:13 status
Menu
Suche
Kalender
Letzte Aktualisierungen
Glaube und Religion-...
Vor einigen Tagen gab es im TV eine Talkshow, in der... by shorty short (2014.04.11, 01:13) Lampedusa ist überall
Liebe Leute, das Video ist hart, aber so ist auch... by shorty short (2013.12.15, 15:51) Onlineversand oder in...
Die Frage stellt sich bestimmt jeder hin und wieder,... by shorty short (2013.12.13, 14:11) Komasaufen- oder was...
Schön, dass die Zahlen der alkoholkonsumierenden... by shorty short (2013.12.12, 00:01) |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||