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Donnerstag, 14. November 2013
Alptraum- ein Fortsetzungskrimi Teil 5
shorty short, 00:30h
von Kirsten Maria Scholz
Kapitel neun Susanne wurde am nächsten Morgen lange vor der allgemeinen Weckzeit aus dem Schlaf gerissen. Lautes Geschrei und Gepolter im Nebenzimmer ließen sie aus dem Tiefschlaf hochschrecken. Glas zerbrach. Es hörte sich an, als ob jemand um Hilfe schrie. Die Frau, es musste eine Frau sein- so hoch konnte nur eine Frau schreien, auch gab es auf ihrer Station nur Frauen, gab Laute von sich, die Susanne noch nie zuvor gehört hatte und von denen sie sich nie hätte vorstellen können, dass ein Mensch sie hervorbringen könnte. Schrill und voller Panik drangen sie in Susannes Mark, ließen sie erstarren. Gänsehaut überzog ihren gesamten Körper. Sie zog sich in die äußerste Ecke ihres Betten zurück, versuchte sich so klein wie möglich zu machen, unfähig, selbst um Hilfe zu klingeln und verfolgte, die Knie fest umschlungen, den Lärm im Nebenzimmer. Menschen rannten den Gang herunter, ihre Schritte hallten in Susannes Zimmer. Die Tür wurde nebenan aufgerissen und das Geschrei der Frau erreichte ihren Höhepunkt. Es kam noch einmal zum lauten Gerangel, ein schwerer Gegenstand flog krachend gegen die Wand, Menschen redeten beharrlich auf jemanden ein. Susanne konnte nicht direkt hören, um was es ging, allerdings konnte sie mehrere Stimmen ausmachen. Dann war urplötzlich von jetzt auf gleich Ruhe. Die Tür nebenan öffnete sich erneut. Leichtes Stimmengemurmel begleitete die Menschentraube wieder auf den Gang und entfernte sich langsam. Danach war alles still. Nichts erinnerte mehr an den Tumult. Susanne saß noch lange in ihrer zusammengekauerten Haltung da, bei jedem kleinsten Geräusch schreckte sie hoch. Als der Morgen bereits dämmerte und es ohnehin bald Zeit zum Aufstehen war, beschloss Susanne sich nicht länger zu quälen und stand auf. Sie streckte ihre kalten, gefühllosen Gliedmaßen. Sie hatte viel zu lange in ihrer äußerst unbequemen Haltung ausgeharrt. Langsam kamen ihr Gefühl und Sensibilität in ihre Schultern und Oberarme und nach einigen Sekunden auch in ihre Beine zurück, begleitet von Tausenden von Nadelstichen und ließen sie laut aufstöhnen. Sie verharrte einige Minuten, bis sie sich sicher war, dass sie relativ sicher stehen konnte, ohne dass ein Bein wegknickte. Die Schwester, die einige Zeit später zum Wecken und Blutdruckmessen kam, konnte oder was Susanne eher dachte wollte ihr nicht so recht Auskünfte über die Vorkommnisse der gestrigen Nacht geben. Susanne nahm es hin, weiteres Insistieren würde wahrscheinlich eh zwecklos sein. Am Frühstückstisch herrschte im Gegensatz zu der sonst eher verhaltenen Unterhaltung angeregtes Gemurmel. Alle hatten den Tumult in der Nacht mitbekommen. Neugierig wollten sie voneinander wissen, ob jemand Einzelheiten gehört hatte. Niemand wusste allerdings Näheres zu berichten und auch das Pflegepersonal hielt sich sehr zurück und verwiesen auf die Schweigepflicht. Der Platz neben Susanne blieb am heutigen Morgen leer und in Susanne keimte der Verdacht, dass der nächtliche Aufstand etwas mit Sarah zu tun haben musste. Als sie sich zur Medikamentenausgabe begab, sah sie, dass Schwester Ina heute Dienst hatte. Susanne stellte sich als Letzte an das Ende der Schlange und nutzte die Gelegenheit Schwester Ina ungestört nach Sarahs Abwesenheit zu befragen. Schwester Ina bat Susanne zu sich in das Schwesternbüro und schloss hinter ihr die Tür. „Sie kamen immer ganz gut mit Sarah Schmidtke aus, nicht wahr?“ erkundigte sich Schwester Ina und Susanne merkte, dass sie krampfhaft nach einem Einstieg suchte. Susanne nickte. „Nun“, fuhr Schwester Ina fort, „heute Nacht kam es zu einem Zwischenfall. Sie haben sicher auch den Tumult wahrgenommen.“ Wieder nickte Susanne, wobei ihr Herz bis zum Hals klopfte und sie Mühe hatte, ruhig weiter zu atmen. „Ich habe leider nicht so gute Nachrichten für Sie“, fuhr Schwester Ina fort und vermied direkten Blickkontakt mit Susanne. „Frau Schmidtke ist in eine Krise geraten und akut dermaßen von ihren psychotischen Symptomen vereinnahmt worden, dass sie infolgedessen versucht hat, sich die Pulsadern aufzuschneiden.“ Susanne versuchte, den Kloß in ihrem Hals herunterzuschlucken, was ihr jedoch misslang. Ihre Beine versagten, sie musste sich hinsetzen. Wie konnte das sein? Sarah und Selbstmord? Susanne hatte irgendwie immer den Eindruck gehabt, Sarah war im Gegensatz zu manch anderer Patientin relativ "normal" und stabil. Und jetzt sollte sie eine psychotische Krise haben? Sie blickte Schwester Ina an. „Ich verstehe nicht? Ist sie… ich meine… hat sie…“ Susanne wusste nicht wie sie ausdrücken sollte, was ihr auf der Seele brannte. Schwester Ina schien zu überlegen, inwieweit sie Susanne informieren konnte. „Wir konnten sie soweit stabilisieren“, sagte sie, „dass wir sie auf die Intensivstation verlegen konnten. Ihr Zustand ist soweit stabil, das heißt er hat sich nicht verschlechtert.“Susanne wusste nicht, ob sie erleichtert oder weiterhin beunruhigt sein sollte. Sie nickte nur, zu anderen Regungen oder Äußerungen war sie nicht in der Lage. „Ich bzw. wir vom Team haben lange überlegt, ob wir etwas über Frau Schmidtkes Zustand verlauten lassen sollen“, erklärte Schwester Ina weiter, „wir hielten und halten Sie allerdings für ausreichend emotional stabil, dass Sie die Nachricht verkraften. Bei einigen anderen sind wir uns nicht so sicher. Deswegen wäre es ganz hilfreich, wenn Sie nicht allzu viele Einzelheiten weitergeben würden. Die anderen Patientinnen werden wir natürlich auch soweit wir es verantworten können über Frau Schmidtkes Zustand informieren.“Susanne starrte weiter gedankenverloren an die Wand, sagte aber immer noch nichts. „Frau Stahl?“ Schwester Ina sah sie fragend an. „Haben sie verstanden, worum ich Sie gebeten habe?“ Susanne nickte erneut. „Ja, natürlich“, sagte sie, „ich verstehe.“ Sie überlegte einen Moment. „Schwester Ina, wenn sich irgendwas bei Sarah, also bei Frau Schmidtke verändern sollte, also… ich meine, auch wenn sich etwas verschlechtert…“ sie stockte, ihre Augen füllten sich mit Tränen. „…dann informieren wir Sie, Frau Stahl. Natürlich.“ Sie ließ Susanne ein wenig Zeit zum Ordnen ihrer Gedanken. „Ich glaube, ich möchte jetzt gerne ein wenig für mich sein“, sagte Susanne und stand auf. Die darauffolgende sportliche Gruppenstunde verbrachte Susanne wie in Trance. Ihr wurde mehr und mehr bewusst wie schnell sich das Blatt wenden konnte. Gestern war mit Sarah doch noch alles in Ordnung, zumindest dachte Susanne das. Und dann – Peng- mitten in der Nacht brach ihre Psychose durch und übernahm die Führung in Sarahs Gehirn. Sie hatte schon vorher von Menschen mit Psychosen gehört. Von Stimmen, die diese Menschen hören oder Dinge, die gesehen werden, obwohl real nichts da ist. Es gab sogar Menschen, die Gerüche wahrnahmen, die nicht vorhanden waren. Man hatte diese Menschen in der TV- Reportage mit Medikamenten eingestellt. So konnten sie ein einigermaßen normales Leben führen. So einfach wie es im Fernsehen gesagt wurde, schien es wohl doch nicht zu sein, dachte Susanne. Vielleicht wurden psychotische Schübe oder Krisen ja auch durch Außenreize ausgelöst, überlegte sie weiter, vergleichbar wie bei ihr und ihrer Amnesie. Auch nach der Sportstunde lief die Welt an Susanne vorbei, ohne, dass sie von irgendetwas Kenntnis nahm. Ihr Körper schien wieder auf Automatik gestellt worden zu sein. Sie ließ sich nach der Sportstunde ihr Zimmer aufschließen, schließlich musste sie sich noch für ihren Besuch richten. Zumindest ging sie davon aus, dass sie geduscht hatte, als sie einige Zeit später an sich herunterblickte. Erinnern konnte sie sich nicht daran. Zumindest stand sie frisch geduscht und umgezogen in ihrem Zimmer. Sie schaute auf ihren kleinen Reisewecker auf ihrem Nachttisch. Mittlerweile war es bereits kurz nach zwei Uhr am Nachmittag. Entweder hatte sie überhaupt nicht zu Mittag gegessen, was sie allerdings nicht für möglich hielt, weil Anwesenheitspflicht während der Mahlzeiten herrschte oder, und dass hielt sie für wahrscheinlicher, sie hatte auch das vollkommen in Gedanken vertieft über sich ergehen lassen. Nun musste sie sich aber auch sputen. Sie hatte sich mit Sabrina für halb drei verabredet. Die Geschehnisse des Tages hatten sie sehr mitgenommen und eigentlich verspürte sie überhaupt keine Lust den Nachmittag mit Sabrina schwatzend und tratschend, wie sonst üblich bei ihren Treffen, zu verbringen. Dennoch hoffte sie auf ein bisschen Zerstreuung. Sabrina war nicht der Typ für ernsthafte Gespräche. Sie würde auch nie nachvollziehen können, warum sich Susanne so viele Gedanken um einen Menschen machte, den sie erst vor ein paar Tagen kennengelernt hatte. „Also gut“, sagte sie sich, „ dann eben Zerstreuung.“ Dafür jedenfalls war Sabrina die richtige Person. Susanne setzte sich in den Gemeinschaftsraum vor den Fernseher und tat so als ob sie der Tiersendung interessiert folgte. So konnte sie sicher sein, dass die anderen sie in Ruhe ließen und ihr nicht mit Fragen auf die Nerven gehen würden. Als die Besucherklingel läutete, folgte sie der diensthabenden Schwester mit klopfendem Herzen zur Stationstür. Schon von weitem erkannte sie Sabrina, die sichtlich nervös von einem Fuß auf den anderen trat. Susanne lächelte ihrer Freundin durch die Türscheibe aufmunternd zu. Sie konnte die Unsicherheit, die wahrscheinlich jeden befällt, wenn man zum ersten Mal eine geschlossene psychiatrische Station betritt, durchaus nachvollziehen. Die Schwester schloss die Tür auf und entließ Susanne, die sich schon mit Winterjacke, Schal und Mütze bewaffnet hatte. Sie überließ Susanne in Sabrinas Obhut. Susanne hielt es für das Beste, Sabrinas Unsicherheit vorerst zu ignorieren und fiel ihrer Freundin um den Hals. „Ach, Sabrina“, flüsterte sie fast, „du kannst dir gar nicht vorstellen, wie schön es ist, endlich wieder einen normalen Menschen zu sehen.“ Sehr verhalten erwiderte Sabrina die stürmische Begrüßung. Anscheinend war sie mit der Gesamtsituation überfordert, dachte Susanne. Außerdem wäre es nicht verwunderlich, wenn sie den ersten Schock über Susannes Aussehen zu verdauen hatte. Sie sah schon etwas heruntergekommen aus, dessen war sich Susanne durchaus bewusst. Die glanzlosen Haare hatte sie eher praktisch zu einem stinknormalen Zopf zusammengebunden, auf Schminke oder Make- up gänzlich verzichtet und ihre Klamotten… nun ja, neben dem mintfarbenen Jogginganzug waren es nicht gerade ihre Lieblingsstücke, die Mark zusammengepackt hatte. Von der ungesunden Gesichtsfarbe und den tiefen dunklen Augenringen mal ganz abgesehen. Auf Station war das alles ziemlich unwichtig. Niemand schaute auf Klamotten oder Aussehen, weil jeder mit sich und wichtigeren Dingen beschäftigt war. Jetzt allerdings in unmittelbarem Vergleich mit Sabrina, kam sie sich schon wie das hässliche junge Entlein vor, um nicht zu sagen abgewrackt. Sabrina war wie gewohnt perfekt gestylt und geschminkt. Ihr hautenges Top passte wie die Faust aufs Auge zu dem ebenfalls sehr enganliegenden knielangen Rock, der ihre weiblichen Kurven und die ohnehin extrem langen Beine sehr stark zur Geltung brachte. Trotz des winterlichen Klimas trug sie wie immer High Heels. Susanne hatte sich schon oft gefragt, wie es sein konnte, dass Sabrina noch nie einen Unfall wegen solch nicht geländetauglicher Schuhe hatte. Diese waren mal wieder ein richtiger Hingucker. Schwarzer Lack mit kleinem Reißverschluss an der Ferse. „Also schön“, sagte Sabrina immer noch ein wenig nervös, „was machen wir? Also, ich bin für alles offen und lass dich natürlich bestimmen. Ich weiß nicht so genau, was du kannst und dir zutraust und natürlich, was du möchtest.“ „Ich würde gerne ein wenig an die frische Luft. Vielleicht ein Spaziergang durch den Klinikpark? Und danach einen heißen Kakao in der Cafeteria?“ schlug Susanne vor. Sabrina war einverstanden und so machten sie sich auf den Weg nach draußen. Susanne zog Jacke und Schal an und ihre Mütze tief über ihre Ohren und in die Stirn. Dennoch stockte ihr kurz der Atem, als sie die Tür öffnete und eine Windböe mit voller Wucht in ihr Gesicht peitschte. So unangenehm hatte sie sich das Wetter nicht vorgestellt Nachdem sie allerdings den ersten Kälteschock überwunden hatte, genoss sie das Winterwetter. Der kalte Wind im Gesicht, der Schneegeruch in der Nase, das Piksen der Schneeflocken in den Augen und der knirschende Schnee unter ihren Füßen gaben ihr das Gefühl, lebendig zu sein. Obwohl sie der kurze Gang durch den Park stark an ihre körperlichen Grenzen brachte, hätte sie noch stundenlang weiter schweigend neben Sabrina durch den Park gehen können. Sie musterte Sabrina von der Seite. Das musste Susanne ihrer Freundin hoch anrechnen. Ohne zu murren oder sich zu beschweren nahm sie die Strapazen auf sich und kämpfte sich durch die Kälte und den knöchelhohen Schnee. Mit diesen Schuhen und in dieser Kleidung war das sicherlich kein Vergnügen, dachte Susanne und musste ein wenig schmunzeln. So war Sabrina eben, Hauptsache, das Outfit stimmte. Nach fast einer Stunde hatte Susanne ein Einsehen mit ihrer Freundin und schlug den Weg zur Cafeteria ein, wo die beiden sich einen etwas abseits stehenden Tisch wählten. Susanne rührte gedankenverloren in ihrer heißen Schokolade und löffelte genüsslich die Sahnehaube ab. Sabrina wirkte immer noch etwas steif und angespannt, fand Susanne. Lag vielleicht an der gesamten Umgebung. Viele Menschen entwickelten eine Abneigung gegenüber Krankenhäusern und verhielten sich anders oder sonderbar, sobald sie das Gebäude betraten. Vielleicht gehörte Sabrina auch zu dieser Sorte Mensch. Ihr kam der Gedanke, dass Sabrina und sie sich eigentlich nie so richtig über tiefsinnige Themen unterhalten hatten. Sie hatten stundenlang über Kollegen, Tratsch im Büro, das Kinoprogramm oder Diäten reden können. Aber was waren zum Beispiel Sabrina Urängste, wie war ihre Kindheit oder wie wollte sie beerdigt werden? Susanne wusste es nicht. „Weißt du, was ich nicht verstehe?“ meinte Susanne plötzlich. Sabrina blickte abrupt auf, so als wäre sie kurz eingenickt und schüttelte verneinend den Kopf. „Na, ich kann mich überhaupt nicht daran erinnern, was an dem Tag, als man mich hier eingewiesen hat, passiert ist.“ Sabrina schaute sie fragend an, zog ihre Stirn dabei kraus. „An gar nichts?“ fragte sie schon interessierter nach. Susanne schüttelte ihren Kopf. „Ich weiß nur noch, dass ich mit Valentin und Madeleine in Nürnberg war, aber dann zieht auch schon die Nebelwand auf und hüllt mein Gedächtnis ein. Warum ich früher als eigentlich geplant wieder nach Heidelberg gefahren bin, ist mir einfach ein Rätsel, auch, warum ich die Kinder bei meinen Eltern gelassen habe. Ich habe meine Kinder noch nie grundlos bei meinen Eltern gelassen, weil ich weiß, dass meine Mutter dann immer gestresst ist. Und da lass ich sie doch erst recht nicht am Geburtstag meiner Mutter bei ihr. Da muss doch was passiert sein. Aber- es ist einfach weg. Momentan bezweifel ich, dass ich mich überhaupt jemals wieder erinnern werde.“ Sie hielt in ihren Erzählungen inne. „Gruselig“, bestätigte Sabrina. „Und wieso du hier bist, weißt du also auch nicht?“ Susanne schaute in ihren Kakao, als ob sie dort die Antwort finden würde. „Alles, was ich weiß, habe ich von Dr. Glück erfahren. Und der hat das wiederum von Mark. Und demnach bin wohl aus Nürnberg gekommen, angeblich völlig grundlos ausgerastet und auf Mark losgegangen. Ich selbst kann mich aber an gar nichts erinnern.“ Immer noch fassungslos über diese Tatsache schüttelte sie den Kopf. „Laut meiner Krankenakte und dem Polizeiprotokoll wurden Mark und ich dabei vorgefunden, wie wir uns prügelnd auf dem Boden wälzten. Davon stammt wohl auch das Veilchen und die Platzwunde.“ Wie zur Bestätigung deutete sie auf ihr Gesicht. Sabrina bekam stark übertrieben große Augen und schaute, als könne sie ihren Ohren nicht trauen. „Ja, ich kann nur sagen, was man mir erzählt hat. Ich habe Mark wohl mit einem Messer attackiert, jedenfalls hatte er diverse Schnittverletzungen. Bei dem Versuch sich gegen mich zu wehren, hat er mich dann wohl etwas ungünstig am Kopf getroffen. Durch den Krach sind die Nachbarn aufmerksam geworden und haben Rettungswagen und Polizei verständigt.“ Sie machte eine kleine Pause. Es war offensichtlich, dass er ihr schwer fiel, weiter zu sprechen. „ Ich wurde dann mit dem Rettungswagen gleich hierher in die Psychiatrie gebracht, angeblich habe ich mich wohl mit Händen und Füßen gewehrt. Die Ärzte in der Notaufnahme mussten mich mit Medikamenten ruhig stellen, so dass ich mich auch an meine ersten zwei Tage hier in der Klinik nur stückweise erinnern kann.“ „Krass“, hauchte Sabrina, „echt krass, ich dachte, so etwas gibt es nur im Film. Aber dass dir so etwas passiert? Und einfach so aus heiterem Himmel.“ Sabrina schaute auf ihren Cappucchino und schüttelte verwundert den Kopf. Eine Weile sagte keiner der beiden etwas. „Hast du mit Mark schon darüber reden können?“ fragte Sabrina unvermittelt und vermied dabei jeden Blickkontakt. Wieder musste Susanne verneinen. "Er hat mir ein paar Sachen vorbeigebracht, als ich noch mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt war. Aber seitdem ich wieder ansprechbar bin, war er noch nicht wieder da. Ich habe mit Dr. Glück abgesprochen, dass Mark und ich uns erst in den nächsten Tagen treffen werden. Da keiner weiß, was wirklich war, sollte ich erst einmal wieder zu mir selbst kommen und mich quasi stabilisieren.“ Sie schwieg und trank den restlichen Kakao aus, bevor sie mit ihren Erzählungen fortfuhr. „Das Labor hat außerdem noch merkwürdige Blutwerte bei mir festgestellt. Demnach hätte ich seit Wochen Unmengen von Schlaf- und Coffeintabletten geschluckt haben müssen. Was ich aber definitiv nicht habe.“ Susanne wurde laut und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, um ihrer Aussage Nachdruck zu verleihen. Sabrina zuckte zusammen, starrte allerdings immer noch in ihren Becher. „Aber Dr. Semmeln hatte…“ begann Sabrina und wurde schroff von Susanne unterbrochen. „Ja, stimmt, Dr. Semmeln hat mir ein Schlafmittel verschrieben, das ich auch exakt nach seiner Anordnung eingenommen habe. Das hat am Ende sogar Mark kontrolliert. Aber Aufputschmittel habe ich nie genommen, nicht mal früher auf Partys, auf denen sich jeder irgendwas eingeschmissen hat!“ sie blickte Sabrina mit zornig funkelnden Augen an. „Aber wie kann das alles sein? Ich meine, es muss doch irgendeine Erklärung dafür geben“, hakte Sabrina vorsichtig nach. Sie schien durch Susannes kleinen Wutausbruch ein wenig eingeschüchtert worden zu sein. „Keine Ahnung!“ Susanne zuckte ratlos mit den Schultern und schaute in Susannes eher reserviertes Gesicht. „Tut mir leid, ehrlich“,Susanne ergriff die Hand ihrer Freundin und schaute sie entschuldigend an, „ich bin nur so verwirrt, weil ich nicht weiß, was passiert ist. Und das macht mich so wütend, wütend auf mich selbst. Dr. Glück geht davon aus, dass es sich bei mir um eine spezielle Form der Amnesie handelt. Dabei verdrängt man schmerzhafte körperliche oder emotionale Erfahrungen und Situationen, um sich selbst zu schützen.“ Sabrina schaute sie erschrocken an. „Du meinst, deine Amnesie ist nicht einfach so aufge-taucht, sondern durch irgendein Schockerlebnis ausgelöst worden?“ Susanne beantwortete die Frage mit einem langsamen Kopfnicken. „Genau so sieht es aus. Und für meine Genesung und auch zur Vorbeugung, damit das nicht wieder geschieht, wäre es gut, wenn ich herausfinde, was dieses Erlebnis war.“ Sie schwiegen einen Moment. Als Susanne langsam den Kopf hob und ihrer Freundin direkt in die Augen sah, erschrak Sabrina aufgrund ihrer kalten Augen. „Und ich schwöre dir, ich werde herausfinden, wer Schuld daran ist, dass ich jetzt hier gelandet bin“, versprach Susanne. „Und der kann sich dann gewaltig warm anziehen!“ Fortsetzung folgt..... 14.11.13 ... link (0 Kommentare) ... comment ... older stories
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Online seit 4572 Tagen
Letzte Aktualisierung: 2014.04.11, 01:13 status
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