| Shortys Gedankenwelt |
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Freitag, 6. Dezember 2013
Alptraum- ein Fortsetzungskrimi Teil 17
shorty short, 23:21h
von Kirsten Maria Scholz
Kapitel vierundzwanzig Susanne erwachte aus einem traumlosen Nichts. Die Farbe der Decke, an die sie blickte, war ursprünglich einmal weiß getüncht worden. Über die Jahre hinweg hatte sich der Anstrich ins gelbliche gewandelt und blätterte an einigen Stellen ab, so dass etliche Risse im Putz deutlich sichtbar waren. Aus den Augenwinkeln erkannte sie, dass die Tapete, die wohl vor Jahrzehnten einmal an die Decke geklebt worden war, rechts in der Ecke in großen Fetzen herunterhing. Ein kleiner Windhauch und sie würden sanft zu Boden segeln und sich wahrscheinlich über ihr Gesicht legen. Die Wände waren weder tapeziert noch gestrichen. Stattdessen waren sie mit den hässlichsten und vergilbtesten Kacheln, die sie je ge-sehen hatte verunstaltet worden und versprühten eine unangenehme, ja nahezu bedrückende Kälte. Die lange Neonröhre, die die Decke in zwei gleich große Hälften teilte, flackerte in unregelmäßigen Intervallen und erhellte den Raum mit ihrem kalten Licht. Susannes Augen brannten. Sie kniff die Lider zusammen, um sich vor dem grellen Neonlicht zu schützen und blickte sich dann mit zu Schlitzen verkleinerten Augen erneut um. Wo war sie? Sie konnte sich nicht erinnern, in so einer heruntergekommenen Kaschemme zu wohnen. Oder wohnte sie hier gar nicht? Aber was machte sie dann hier? War sie entführt oder verschleppt worden? Angst stieg in ihr hoch und ließ ihr Herz schneller schlagen. Sie ließ ihren Blick wandern und ignorierte das Brennen in den Augenwinkeln. An der gegenüberliegenden Wand verliefen Wasserrohre, die mit der gleichen vergilbten Farbe wie die Decke gestrichen zu sein schienen. Oder war das gar keine Farbe? Hatte vielleicht nur der Zahn der Zeit an ihnen genagt? Sie vernahm leises Blubbern und Klopfen rechts von ihr. Anscheinend entsprang es den Heizungsrohren und dem teilweise verrosteten Heizkörper. Wer zum Henker hatte noch solche Heizungsrohre in seiner Wohnung? Die stammte doch mindestens aus dem zweiten Weltkrieg! Rein gar nichts in diesem kalten, ungemütlichen Raum erinnerte sie an ihr Zuhause. Obwohl… wie war ihr Zuhause eigentlich? Einen kleinen Moment hielt sie in inne. Sie versuchte krampfhaft, sich an irgendetwas zu erinnern. Aber alles, was vor ihrem inneren Auge erschien, war ein riesiges schwarzes Etwas. Ihr Blick fiel auf das Fenster, das ebenfalls schon bessere Zeiten gesehen hatte. Ein doppelglasiges Milchglasfenster im Schlafzimmer? Sie kniff erneut ihre Augen zusammen und drückte so eine Träne heraus, die ihr heiß die rechte Wange herunterlief. Herrje, was war nur los mit ihr? Das Fenster erinnerte sie sehr stark an einen Film aus den 40er oder 50er Jahren. Dr. Schiwago! Der Titel dieses Filmes war jedoch ebenso schnell wieder aus ihrem Kopf verschwunden, wie er erschienen war. „Oh, nein!“ flüsterte Susanne und war drauf und dran in Panik zu verfallen. Ihr kam der Gedanke an einen Film mit Bill Murray. Da geschah jeden Morgen das dasselbe und die Hauptperson in dem Film kam nicht aus dieser Schleife raus. Das war doch nur ein Film, ermahnte sie sich. Bleib ruhig und denk nach. Was musst du machen, wenn du der Realität nicht glaubst? „Genau!“ sagte sie laut. „Realitätsüberprüfung.“ Langsam versuchte sie ihre Arme zu heben. Es klappte, ihre Arme waren nicht festgebunden! Sie zog das linke Bein an. Auch das war frei beweglich. Susanne schob die Bettdecke zur Seite, so dass sie freien Blick auf ihren Bauch hatte. Kein Bauchgurt! Also kein dèjà vue! Sie war einfach nur in einem alten, sanierungsbedürftigen Krankenzimmer, weil… Ja, warum eigentlich? „Nicht schon wieder!“ stöhnte sie. „Bitte erinnere dich.“ Susanne versuchte sich auf die Bettkante zu schwingen. Ein heftiger Schmerz in ihrem Oberschenkel ließ sie allerdings unverrichteter Dinge in die Lissen zurückfallen. Sie tastete den rechten Oberschenkel behutsam ab. Er war ziemlich stark bandagiert, schien aber nicht gebrochen zu sein. Langsam verschwand der Nebel, der ihre Erinnerung umgab. Sie sah sich blutend im Schnee liegen, Mark mit einem Messer wutentbrannt über sie gebeugt. Sie fing an nach Luft zu schnappen. Ihr Atem wurde schneller, sie keuchte und ihr Puls raste. Mit fahrigen Fingern drückte sie den roten Notfallknopf an ihrem Bett und Sekunden später stand Schwester Ina an ihrem Bett und hielt ihr eine Plastiktüte vor das Gesicht. „Atmen sie ruhig, Frau Stahl. Kein Grund zur Panik. Das wird gleich besser“, beruhigte sie Susanne, die sie mit weitaufgerissenen Augen angsterfüllt anstarrte.Nach einigen Atemzügen aus der Plastiktüte merkte sie, wie sie ruhiger wurde. Die Panik ebbte ab. Sie lehnte sich erschöpft zurück, als Dr. Glück das Krankenzimmer betrat. „Dr. Glück, Schwester Ina!“ Susanne hätte es vorher nie für möglich gehalten, dass es jemals einen Zeitpunkt geben wird, an dem sie sich freuen würde, den Stationsarzt und die Schwester unter diesen Umständen zu sehen. Auch Dr. Glück schien erfreut zu sein. Er lächelte sie freundlich an. „Frau Stahl, wie schön, Sie weilen wieder unter uns“, er nahm Susannes Handgelenk und prüfte ihren Puls. „Sie hätten uns doch vor dem Wochenende sagen können, dass Sie einen Fahrdienst für die Rückfahrt in die Klinik benötigen. Wir hätten Ihnen einen bereitgestellt. Dafür waren der ganze Aufwand und das Chaos, das Sie betrieben haben, vollkommen überflüssig“, er tätschelte ihre Hand. Susanne konnte sogar über diesen leicht makabren Witz lächeln. Mittlerweile kannte sie Dr. Glück und seinen speziellen Humor. „Aber Spaß beiseite“, Dr. Glück wurde ernst. „Sie haben unglaubliches Glück gehabt. Wäre das Messer nur einige Zentimeter weiter innen in Ihren Oberschenkel gerammt worden, hätte es wirklich kritisch werden können. Jetzt ist, Gott sei Dank, keine Schlagader verletzt worden. Sie hatten einen sehr guten und fürsorglichen Schutzengel, Frau Stahl!“ sagte Dr. Glück und schaute Susanne eindringlich an. „Frau Stahl, draußen wartet ein Kommissar von der Kripo, der einige Fragen an Sie hat. Fühlen Sie sich imstande, ihn zu empfangen und eine Aussage zu machen?“ fragte er besorgt und sah sie prüfend an. Susanne nickte. „Ja, ist schon in Ordnung. Ich fühl mich ganz gut soweit, bis auf mein Bein. Aber es nützt ja nichts, eine Aussage werde ich früher oder später sowie-so machen.“ Dr. Glück stimmte ihr zu. „Gut, dann hole ich den Herren mal rein.“ Er verließ das Krankenzimmer und nur einige Sekunden später betrat ein Polizist in Uniform den Raum. Anscheinend hatte er vor der Tür schon auf seinen Einlass gewartet. Der Polizist stellte sich als Hauptkommissar Martin vor und setzte sich auf einen Besucherstuhl neben Susannes Bett. Er klappte sein Klemmbrett auf und begann einige Notizen zu machen. Susanne hielt sich wortlos zurück und wartete auf die erste Frage. „Ja, Frau Stahl, wir haben von Ihnen bezüglich der Vorgänge des gestrigen Abends, die sich in Ihrem Haus und dem Garten ihrer Nachbarn, den Contassis zugetragen haben, noch keine Aussage protokollieren können, da Sie aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen, insbesondere des Bewusstseinsverlustes, dazu nicht in der Lage waren. Ist das soweit richtig?“ er schaute sie ohne eine Miene zu verziehen an. Susanne nickte. „Fühlen Sie sich jetzt in der Lage, eine Aussage bezüglich der gestrigen Ereignisse zu tätigen?“ er schaute sie fragend an. Wieder nickte Susanne, was den Polizisten zufrieden stimmte. „ Dann schildern Sie mir doch jetzt bitte, was sich aus Ihrer Sicht gestern Abend zugetragen hat.“ Er schaute sie abwartend an. Susanne holte tief Luft, nahm allen Mut zusammen und begann ihre Aussage mit den Erkenntnissen, die sie in den letzten Tagen gemacht hatte, ihrem Treffen mit dem Staatsanwalt Dr.Fries und dem äußerst angespanntem Abendessen mit Mark und Sabrina, bei dem sie schon fast an den Rand des Wahnsinns getrieben wurde. Es folgte ihre Schilderung über ihren Wutausbruch in der Küche und ihrem Streit mit ihrer Mutter, bei dem sie erfahren hatte, dass ihr Mann sie vor Jahren nur des Geldes wegen geheiratet hatte. Hier hielt Susanne das erste Mal inne, zu sehr wurde sie von ihren Emotionen überrollt. Sie schwieg einen Moment und schluckte ihre Tränen runter. Der Polizist hatte so viel Anstand, seine Notizen zu überfliegen und sie in ihrem Schmerz nicht zu bedrängen. Nach einigen Minuten hatte sie sich wieder ein wenig gesammelt. Sie kam jetzt zum schwersten Teil ihrer Erzählungen, der Streit mit Mark. Die Erinnerungen, die ihr gestern in der zu schildernden Situation gekommen waren, ließ sie nicht aus. Sie waren ausschlaggebend für den Verlauf der ehelichen Auseinandersetzungen. Als sie zum körperlichen Angriff auf ihrer Mutter kam, stockte sie erneut. „Meine Mutter…“, sagte sie tonlos und wurde mit einem Mal hektisch. „Wie geht es eigentlich meiner Mutter?“ fragte sie den Polizisten. „Ihrer Mutter geht es soweit recht gut“, war seine Antwort. Sie habe zwar durch den Marks Schlag an die Schläfe und den Sturz kurzfristig das Gedächtnis verloren, eine Platzwunde und diverse Prellungen davon getragen, dennoch sei es ihr zu verdanken gewesen, dass die Polizei rechtzeitig am Tatort erschienen war, um Schlimmeres zu verhindern. „Meine Mutter hat die Polizei gerufen?“ fragte Susanne ungläubig. „Ihr Mann hatte zwar das tragbare Telefon mit sich genommen, aber Ihre Mutter war so geistesgegenwärtig uns mit ihrem Handy anzurufen“, erklärte Kommissar Martin. Wer hätte gedacht, dass ihre Mutter ihr einmal das Leben retten würde. „Und wie ging es dann weiter?“ Herr Martin holte Susanne aus ihren Gedanken zurück. „Nun ja, ich habe die Zeit genutzt, in der Mark mit meiner Mutter in der Küche beschäftigt war und bin geflüchtet.“ Susanne erzählte dem Kommissar, der sich fleißig Notizen machte, von ihrer Flucht durch den Garten, ihre Schwierigkeiten auf das Grundstück ihrer Nachbarn zu kommen, ihre Panik am Tor und schließlich ihre Todesangst, als sie merkte, dass die Contassis sie anscheinend nicht gehört hatten und sie verzweifelt versucht hatte, Marks Angriff und Attacken zu entkommen. Sie beendete ihre Aussage mit Marks Messerangriff dass ihr schließlich die Sinne schwanden. Kommissar Martin beendete sein Protokoll und klappte sein Klemmbord zu. „Als Sie das Bewusstsein verloren hatte, kam zu einer heftigen Rangelei zwischen Ihrem Mann und Herrn Contassi“, erklärte er. Die Contassis hatten sehr wohl den Krach an ihrer Hintertür ihres Hauses. Gabriela, noch vom letzten Streit zwischen Mark und Susanne alarmiert, rief ebenfalls die Polizei und verlangte zusätzlich einen Rettungswagen. Marcello hatte sich mit einem Baseballschläger seines Sohnes bewaffnet und war in den Garten gestürmt. Dort sah er Susanne schwer blutend am Boden liegen, Mark über sie gebeugt, ein Jagdmesser in der Hand. Da habe Herr Contassi nicht lange gezögert, fuhr Kommissar Marti fort, und habe beherzt zugeschlagen. „Das hat Ihnen höchstwahrscheinlich das Leben gerettet“, vermutete Herr Martin. „Marcello“, flüsterte Susanne und ließ den Tränen freien Lauf „dann haben Gabriela und Marcello mich doch gehört?“ fragte Susanne. „Na, sicher“, erwiderte der Kommissar. „Sie haben wohl Krach wie eine ganze Fußballmannschaft gemacht. Vermutlich kam Ihnen die kurze Zeit, die Herr Contassie benötigte, um aus dem Bett zusteigen, sich mit dem Baseballschläger zu bewaffnen und dann ins Erdgeschoss zu laufen, nur viel zu lange vor, weil Sie absolut unter Adrenalinausschüttung und Todesangst standen. Dann empfindet man Sekunden wie Minuten. Das ist völlig normal.“ Er stand auf. „Ich werde morgen mit dem geschriebenen Protokoll noch einmal bei Ihnen vorbeischauen, damit Sie ihre Aussage dann unterschreiben können.“ Susanne nickte. „Eine Frage hätte ich da noch“, sie druckste ein wenig rum,„sie betrifft meinen Mann und Sabrina Fuchs. Wie geht`s es Mark denn nach der Baseballschläger- Attacke von Herrn Contassi und wie geht`s allgemein weiter? Ist er verhaftet worden?“ Kommissar Martin stellte den Besucherstuhl in die Ecke zurück. „Nun, ihr Mann hat ein ordentliches Schädel- Hirn- Trauma mit äußeren Prellmarken und Platzwunden. Er liegt zur Überwachung auf der Intensivstation der Chirurgie und wird rund um die Uhr von zwei Polizeibeamten bewacht. Und ja, es ist ein Haftbefehl erlassen. Sobald es sein Gesundheitszustand zulässt, wird er in die Untersuchungshaft verlegt werden. Er wird für so einiges zur Rechenschaft gezogen werden“, vermutete er.„Was Frau Fuchs angeht, so liegen bislang keine konkreten Beweise bezüglich irgendeiner Straftat vor. Es scheint so, als ob sie quasi nur Mitläuferin Ihres Mannes war. Aus Ihr ging höchstwahrscheinlich wenig kriminelle Energie hervor.“ Er stellte den Stuhl in die Ecke zurück. „Wichtig ist für Sie jetzt, dass erst einmal wieder auf die Füße kommen. Sie werden noch viel Kraft und Energie für die kommenden Wochen brauchen.“ Er verabschiedete sich und ließ Susanne mit ihren Gedanken alleine. Fortsetzung folgt.... 07.12.13 ... link (0 Kommentare) ... comment Mittwoch, 4. Dezember 2013
Alptraum- ein Fortsetzungskrimi Teil 16
shorty short, 00:09h
von Kirsten Maria Scholz
Kapitel dreiundzwanzig An Susanne hatte er gar nicht mehr gedacht. Er rannte in die Eingangshalle und raus auf den Parkplatz. Susannes Auto stand noch da. Verflucht nochmal, wo war sie! Er kniff seine Augen zusammen. Das Schneetreiben und die Dunkelheit, immerhin war es schon spät am Abend, hinderten Mark daran, Susanne mit den bloßen Augen ausfindig zu machen. Er schaute auf den Boden und erkannte frische Fußspuren, die in den Garten führten. Natürlich, die Nachbarn! Mark spurtete los, rutschte kurz mit dem linken Fuß aus und stieß mit seinem Knie unsanft gegen die Steinkante, die das Rosenbeet um-friedete. „ Verfluchter Mist!“ schimpfte er laut und setzte seine Verfolgung mit schmerzverzerrtem Gesicht fort. Als er um die Hausecke lief, erblickte er Susanne schemenhaft am Gartentor zu den Nachbarn. Jetzt wollte die kleine Schlampe wirklich zu den Contassis! „Aber nicht mit mir!“ zischte er und registrierte, dass Susanne stehengeblieben war. Sie schien Schwierigkeiten zu haben, die Pforte zu öffnen. Sehr schön, wahrscheinlich war das Schloss eingefroren. Ein eis-kaltes Lächeln huschte über sein Gesicht, als er die Verfolgung wieder aufnahm. Er ließ sich Zeit, zu sicher war er, dass er Susanne auch ohne große Anstrengung sehr schnell einholen würde. Wozu also unnötig Kräfte verbrauchen und sich noch weiter verletzen. Sein geprelltes Knie reichte ihm. Es pochte heftig unter der mittlerweile gespannten Jeans. Angeschwollen war es also auch schon! Seine Wut auf Susanne wuchs. Susanne blickte gehetzt zum Haus zurück und erblickte im Schein der Gartenlaterne Marks hässliches Grinsen. Sie rüttelte wie eine Wahnsinnige an der Gartenpforte. Warum ging das verflixte Ding nicht auf! Sie musste anders versuchen auf das Grundstück der Nachbarn zu kommen. Es nützte nichts, sie musste klettern. Selbst als Kind hatte sie nichts für Kletteraktionen übrig gehabt, umso ungeschickter stellte sie sich jetzt an, als sie versuchte, über den Jägerzaun zu klettern. Der erste Versuch misslang, sie rutschte am vereisten Holz ab. Ihre Hose zerriss am Schienbein, Bkut tropfte in den Schnee. „Mist!“ fluchte sie. Sie ignorierte jeglichen Schmerz und setzte ihren Fuß erneut auf die völlig vereisten Holzstreben. Dieses Mal klappte es und sie sprang von der Pforte auf das Nachbargrundstück der Contassis, wobei sie auf der vereisten Schneedecke erneut ins Straucheln kam. Schnell rappelte sie sich wieder auf, wobei sie sich eine weitere Schnittwunde am rechten Handballen zuzog. Erneut hinterließ sie dicke Bluttropfen im Schnee. Diese verfluchte Eisdecke, dachte sie. Ihr Herz schlug ihr mittlerweile bis zum Hals, ihr Blut pulsierte in ihren Ohren. Sie wagte kurz einen Blick über ihre Schulter, bevor sie zwischen den Nadelbäumen verschwand. Mark war nur noch wenige Meter vom Jägerzaun entfernt gewesen. Die Schneereste auf seinen Knien zeigten, dass auch er einige Probleme mit den winterlichen Verhältnissen zu haben schien. Sie rannte erneut, was die Beine hergaben. In ihre Lungen brannte die eiskalte Luft wie tausend Nadelstiche, ihre Beine hatten keinerlei Gefühl, dennoch zwang sie sich weiterzulaufen. Sie rannte um ihr Leben. „Gabriela!“ sie kam nahe des Hause der Contassis zwischen den Bäumen hervor und rief, was ihre Lungen noch an Luft hergaben. „Marcello! Hilfe!“ Sie erreichte die Hintertür und hämmerte mit beiden Fäusten dagegen. „Marcello! Gabriela! Bitte!“ Die Außenbeleuchtung sprang an und erhellte das letzte Rasenstück, das bis an die Bäume reichte. Susanne blickte erneut gehetzt hinter sich. Obwohl ihre Augen tränten, sah sie Mark zwischen den Bäumen hervorkommen. Sein Gesicht hatte mittlerweile die Farbe eines gekochten Hummers angenommen und war wutverzerrt. Herrgott, warum machte niemand auf. Hörte sie denn keiner? „Marcello!“ Sie schrie und hämmerte aus Leibeskräften. Ihre Lungen brannten wie Feuer und sie dachte, sie bekäme keine Luft mehr. Im Haus regte sich irgendwas. Susanne versuchte die Glasscheibe der Hintertür mit einem Fußtritt einzutreten, aber es war zu spät. Mark hatte sie bereits erreicht. Sie hörte seinen gehetzten Atem, als er direkt hinter ihr stand. Sie schloss die Augen und ahnte, dass ihr letztes Stündlein geschlagen hatte. Mark riss sie an der Schulter herum, so dass sie von der Tür weggewirbelt wurde. „Dieses Mal entkommst du mir nicht!“ zischte er hasserfüllt und stürzte sich auf sie. Sie versuchte, ihn abzuwehren und trat mit voller Kraft zu. Unter der Wucht ihres Winterstiefels knackte es verdächtig. Sie hatte blind zugetreten, aber gekonnt seinen Brustkorb getroffen, wo zwei Rippen angeknackst wurden. Mark schrie schmerzerfüllt auf und ließ für einen kurzen Moment von ihr ab. Susanne wand sich unter Marks Körpergewicht hervor und versuchte aufzustehen. Aber er packte von hinten ihr Bein und brachte sie so erneut zu Fall. Sie fiel der Länge nach in den Schnee. Plötzlich durchfuhr sie ein wahnsinniger, explosionsartiger Schmerz in ihrem rechten Oberschenkel. Ihr wurde kurz schwarz vor Augen, sie stöhnte laut auf. Als sie ihren Kopf anhob, sah sie wie sich der Schnee unter ihrem Knie rot und verdächtig schnell verfärbte. Mark stand über ihr, in der Hand hielt er ein blutverschmiertes Messer. Der letzte Gedanke galt Madeleine und Valentin, bevor Dann sie schwarze Stille empfing und sie das Bewusstsein verlor. Fortsetzung folgt.... 04.12.13 ... link (0 Kommentare) ... comment Samstag, 30. November 2013
Alptraum- ein Fortsetzungskrimi Teil 15
shorty short, 19:33h
von Kirsten Maria Scholz
Kapitel zweiundzwanzig Susanne kochte vor Wut. Ihr Herz wummerte in ihrer Brust, dass sie dachte, ihre Rippen hielten dem Druck nicht mehr stand. Sie fühlte sich wie ein Wasserkessel, der kurz vor dem Siedepunkt stand. Allerdings hatte sie kein richtiges Ventil, durch das der heiße Wasserdampf entweichen könnte. Nachdem das Geschirr im Becken in mehrere Teile zerbrochen war, ging sie mit gezielten Fußtritten auf den etwas größeren Plastikmülleimer los. Sie kommentierte jeden Tritt mit üblen Schimpfworten, so dass man meinen könnte, sie malträtierte keinen Mülleimer, sondern Mark und Sabrina. Sie befand sich in einer Art Rausch und konnte nachher nicht sagen, wie lange sie auf den unschuldigen Mülleimer-eingedroschen hatte. Ihre Mutter zog sie irgendwann aus der Küche heraus. Susanne schaffte es nur einige Meter in den Wohnbereich hinein, wo sie schluchzend und völlig entkräftet zusammensackte. Sie ließ der Tränenflut freien Lauf. Als Susanne keine Tränen mehr hatte, rappelte sie sich wie-der auf und schaute sich das Ausmaß ihres Wutausbruches an. In der Küche sah es aus, als hätte dort ein Tornado gewütet. Der in mehrere Teile zerfetzte Mülleimer war in der gesamten Küche verteilt. Mittlerweile stank es bestialisch nach dem ebenfalls überall herumliegenden Müll. Sie blickte sich um. Anscheinend hatte sie nicht nur ihren Teller zer-schmettert. In und neben der Spüle lagen weitere zerschlagene Teller und Gläser. Die Kartoffelschüssel hatte es nicht in die Spüle geschafft, sie lag in mehrere große Scherben zerbrochen vor der Küchenzeile auf dem Boden inmitten des Mülls. Susanne seufzte. Da hatte sie ja wirklich ganze Arbeit geleistet. Schweigend machte sie sich ans Aufräumen. Ihre Mutter hatte sich wortlos zu ihr gesellt und beseitigte schon einmal den Plastikmüll. Susanne schaute sich um. „Wo ist denn Madeleine?“ fragte sie besorgt. Erst jetzt kam ihr ihre Tochter wieder in den Sinn und eine Angst, Madeleine könnte alles mitbekommen haben, nahm Besitz von ihr. „Nachdem der erste Teller dran glauben musste, habe ich sie vorsichtshalber zu Gabriela gebracht“, antwortete ihre Mutter, ohne ihre Aufräumarbeiten zu unterbrechen. „Ich dachte mir, es ist dir lieber, wenn sie deinen Ausbruch nicht mitbekommt.“ Der Vorwurf ihrer Mutter war nicht zu überhören. Susanne fühlte sich schlecht. „Ja, danke“, erwiderte sie und dachte sich, was für eine schreckliche Mutter sie doch war, dass sie in Gegenwart ihrer kleinen vierjährigen Tochter sich so hatte gehen lassen. „Willst du mir nicht endlich sagen, was dich vorhin dermaßen durcheinandergebracht hat?“ fragte ihre Mutter. Susanne starrte vor sich hin, ohne auf die Frage ihrer Mutter zu antworten. „Susanne?“ fragte sie nach. „Hatte es was mit Mark zu tun? Oder mit Sabrina? Rede doch endlich!“ Sie griff sich Susannes Unterarm und rüttelte ihre Tochter, als wollte sie jedes einzelne Wort aus ihr herausschütteln. Susanne drehte sich zu ihrer Mutter um. Mit ausdruckslosem Gesichtsausdruck und tonloser Stimme begann sie, ihre Mutter alles, was sie bislang über das Architektenbüro, Mark und Sabrina, der Schweiz und schließlich über Verdacht der Untreue und Steuerhinterziehung zu erzählen. Ihre Mutter hörte fassungslos zu. Als Susanne zu dem Teil kam, wo Sabrina anfing die Hauptrolle zu spielen, musste sie sich hin-setzen. Ihre Beine versagten schlichtweg ihren Dienst. „Er hat dich betrogen?“ fragte ihre Mutter fassungslos. Sie war kreidebleich im Gesicht geworden. „Mit Sabrina? Aber wieso?“ Im gleichen Atemzug bemerkte sie, wie blöd diese Frage eigentlich war. Warum betrügt ein Mann seine Frau? Dafür gibt es wahrscheinlich tausend Gründe. „Jetzt verstehe ich auch, warum Sabrina mir gegenüber so verhalten war und warum du dich ebenn so unmöglich verhalten hast. Ich dachte schon, mit dir stimmt wieder was nicht. Nicht, dass ich das jemals gedacht hätte,“ korrigierte sie sich schnell und musterte ihre Tochter. „Und du glaubst diese Geschichte mit der Steuerhinterziehung und dass er mit Sabrina in der Schweiz wohnt?“ Susannes Mutter konnte diese neuen Erkenntnisse nicht so richtig glauben. Mark war sicherlich ein Frauentyp und sie konnte sich auch vorstellen, mit sehr viel Fantasie allerdings, dass er bei der einen oder anderen Gelegenheit schwach werden könnte, aber dass er Susanne systematisch und vorsätzlich dermaßen hinters Licht geführt haben sollte, war jenseits ihrer Vorstellungskraft. Er hatte praktisch ein Doppelleben geführt! „Und was hast du jetzt vor? Ich meine, das kannst du doch nicht auf dich sitzen lassen. Außerdem ist sowas doch kriminell, oder nicht? Du musst dich an die Polizei oder die Staatsanwaltschaft melden. Oder hast du dich deswegen mit Dr. Fries getroffen? Hast du Mark etwa schon angezeigt?“ Susannes Mutter war nun völlig aus dem Häuschen. Sie war aufgesprungen und lief wild gestikulierend auf und ab. Susanne beobachtete ihre Mutter. Sie hatte sich gedacht, dass die Enthüllungen ihre Mutter auf die Palme bringen würde, aber so einen emotionalen Ausbruch hätte sie ihrer sonst eher introvertierten Mutter nicht zugetraut. „Also, Mutter, nun beruhige dich erst einmal. Setz dich“, sie zog einen Stuhl vom Tisch ab und klopfte auf den Sitz. Ihre Mutter folgte dieser Aufforderung. „Zunächst einmal muss ich Mark nicht mehr anzeigen, denn die Staatsanwaltschaft ist schon auf ihn aufmerksam geworden“, sagte sie, „außerdem müssen wir vorsichtig und behutsam umgehen. Mark ist sicherlich vorgewarnt, nachdem, wie ich mich heute Abend verhalten habe“, gestand sie zähneknirschend. Sie legte ihrer Mutter ihren Plan vor. Zunächst musste Susanne Beweise finden, dass Mark etwas mit der Medikamentengeschichte zu tun hatte. „Da werde ich dir helfen“, sagte ihre Mutter sofort. Susanne war einverstanden. Es war sicherlich nicht so auffällig, wenn sich ihre Mutter einmal während der Woche im Haus umsehen würde, wenn Susanne wieder in der Klinik war, als wenn sie noch am Wochenende versuchen würde, das Haus auf den Kopf zu stellen. „Was ich mich natürlich frage, ist, warum sich Mark nicht von mir getrennt hat. Das wäre doch die einfachste Lösung gewesen. Ich meine ohne mich, hätte er mit Sabrina problemlos in die Schweiz gehen können. Stattdessen setzt er mich unter Drogen, dass ich nichts mehr mitbekomme. Vielleicht sollte ich noch etwas anderes nicht wissen.“ Sie überlegte. Ihre Mutter räusperte sich, irgendetwas schien ihr unangenehm zu sein. „Nun, vielleicht hat es ja etwas mit Geld zu tun“, bemerkte sie zögerlich.Susanne schaute sie fragend an. „Naja, Mark war von Anfang an quasi mittellos. Ohne das Geld deines Vaters hätte er nie die Teilhaberschaft in seinem Büro erhalten.“ Susanne sah sie irritiert an. Das waren doch keine Neuigkeiten. Sie verstand nicht so ganz, was ihre Mutter ihr sagen wollte. „Ja, das weiß ich doch!“ Susanne verstand nicht. „Ja, da ist etwas, was du nicht weißt“, fuhr Susannes Mutter fort. Es war ihr deutlich anzumerken, wie schwer es ihr fiel. „Dein Vater hatte Mark damals das Geld nur unter einer Bedingung gegeben." „Was für eine Bedingung?“ Susanne verstand nicht. „Naja, Mark war nicht begeistert, dass es er so früh Vater wurde. Er wollte dich auch nicht gleich heiraten. Dein Vater hat von Mark verlangt, dass er Verantwortung für dich und dein Kind übernehmen sollte. Du warst damals schwanger und so glücklich. Er hat eingewilligt und dich geheiratet. Außerdem hätte er das geliehene Geld plus Zinsen zurückzahlen müssen, sollte er sich von dir trennen oder sich scheiden lassen. Dein Vater wollte damit verhindern, dass Mark sich zu sehr für andere Frauen interessiert. Oder sagen wir, er hat es ihm erschweren wollen. Er hat es nur gut gemeint“, beteuerte ihre Mutter. Susanne stand wie in Zeitlupe auf. Das konnte doch alles nicht wahr sein. In was für einem Alptraum war sie nur ge-landet? Und warum wachte sie nicht langsam auf? Sie blickte ihre Mutter fassungslos an. „Papa hat Mark Geld gegeben, damit er mich heiratet?“ fragte sie völlig ungläubig und fuhr sich wild durch die Haare. „Seid ihr eigentlich alle komplett verrückt geworden? Konntet ihr euch nicht einmal um eure eigenen Angelegenheiten kümmern?“ Sie fuhr wutentbrannt zu ihrer Mutter rum, stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch und zischte sie an.„Ihr habt einem Mann Geld gegeben, damit er mich heiratet. Wie krank ist das denn bitte? Habt ihr geglaubt, ich kriege sonst keinen mehr ab, oder was?“ Sie blickte ihre Mutter fassungslos an, die sich die Tränen abtupfte. Susanne sah ihr an, dass es ihr ungeheuer leid tat, was geschehen war. Dennoch konnte Susanne so gar kein Mitleid für ihre Mutter empfinden. Dafür war sie einfach zu wütend und verletzt. „Wahrscheinlich hat er mich sogar von Anfang an mit Sabrina betrogen. Und jetzt hat er mich mit Drogen vollgepumpt, nur damit ich nicht dahinterkomme, dass er immer noch mit Sabrina rummacht. Wer weiß, vielleicht ist ja noch mehr Geld von uns weg. Und ihr!“ fuhr sie ihre Mutter an. „ Warum habt ihr das gemacht? Weil ich damals so glücklich war?“ Sie stieß sich vom Tisch ab und brüllte fast. „Herzlichen Glückwunsch, Mutter. Das habt ihr aber wirklich super hinbekommen. Ich bin wahrhaftig eine der glücklichsten Frauen der Welt!“ Sie stieß ihren Stuhl um und verließ das Wohnzimmer. Dabei schmiss sie die Tür so stark ins Schloss, dass das Fensterglas zerbarst und in vielen kleinen Scherben zu Boden rieselte. In der Eingangshalle stieß sie auf Mark, der gerade das Haus betrat. Sie blieb abrupt stehen und starrte ihn kalt an. „Du nicht auch noch!“ schnauzte sie ihn an, zog sich Stiefel und Mantel an und schnappte sich ihre Handtasche, Mütze und Schal. „Susanne, was ist mit dir?“ fragte Mark und stellte sich ihr in den Weg. „Wir müssen reden, du bist ja wieder völlig neben dir! Vielleicht sollte ich in der Klinik anrufen!“ „Es ist gar nichts!“ brüllte sie. „Mir geht es superprächtig. Sieht man das nicht? Und wage es ja nicht, irgendwo anzurufen!" Mark wich einen Schritt zurück und Susanne hatte plötzlich ein dèjà vue. Diese Situation hatte sie schon mal erlebt. Schlagartig erinnerte sie sich wieder an den Abend, als sie aus Nürnberg kam. Alles war wieder präsent, ein Film begann vor ihrem inneren Auge abzulaufen. Sie war aus Nürnberg regelrecht geflüchtet, nachdem Dr. Fries sie mit den Insider- Informationen über den Architektenfall überfallen hatte. Sie erinnerte sich, dass sie mit Mark reden wollte und ihm sogar beistehen. „Wie blöd muss ich nur gewesen sein?“ sagte sie laut. Mark schaute sie irritiert an, traute sich aber immer noch nicht, sich zu bewegen. Irgendetwas an Susannes Blick verriet ihm, dass es momentan ratsam war, seine Frau nicht weiter zu reizen. Sie war wie eine Irre nach Heidelberg gerast. Schneetreiben und Glatteis hatten sie nicht daran hindern können. Ihre Erinnerung kam ihr so real vor. Sie fuhr die Straße entlang, in der sie wohnten, direkt auf die Einfahrt zu. Einige Fenster waren erleuchtet, die Auffahrt und Teile des Gartens waren ebenfalls von der Gartenbeleuchtung erhellt. Als sie die Auffahrt herauffuhr wunderte sie sich, dass ein weiteres Auto auf dem hauseigenen Parkplatz stand. Sabrinas Auto. Sie stellte ihren Kleinwagen hinter Marks Auto und betrat die Eingangshalle. Sabrinas Mantel und der hellgraue Seidenschal hingen an der Garderobe, ihre Stiefel standen davor. Susanne runzelte die Stirn. Sie hatte noch nie erlebt, dass Sabrina ihre Stiefel ausgezogen hatte. „Mark?“ fragte sie etwas lauter. Sie hörte niemanden. Auch sie hängte ihren Mantel auf, ihre Stiefel ließ sie an. Warum konnte sie nicht sagen, es war eher ein inneres Gefühl, was sie dazu trieb. Sie schaute in die Wohnküche. Außer benutztes Geschirr war niemand zu sehen. Mark schien gekocht zu haben. Auch das war äußerst merkwürdig, Mark hatte noch nie gekocht. Selbst als jeder von ihnen noch die eigene Wohnung hatte, ist Mark nie darauf gekommen, Susanne mit einem selbstzubereiteten Abendessen zu überraschen. Er zog es vor, gemütlich auswärts essen zu gehen. Sie schaute weiter ins Wohnzimmer. Der Esszimmertisch war elegant eingedeckt, Kerzen und Rosen standen am Ende der Tafel. Rosen? Wann hatte sie das letzte Mal Rosen bekommen, nicht einmal zum Hochzeitstag. Susanne erinnerte sich, dass sie in diesem Moment wusste, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmte und dass an der Geschichte des Staatsanwaltes in Nürnberg etwas Wahres dran war. Auf dem Beistelltisch in der Sitzecke standen eine Flasche Kirschlikör und Marks Lieblingswhisky, zwei benutzte Gläser. Susanne ging langsam die Treppe in den ersten Stock hoch, nahezu lautlos. Sie hörte gedämpfte Stimmen. Soweit sie es beurteilen konnte Stimmen eines Mannes und einer Frau. Leise ging sie weiter. Vorbei an Valentins Zimmer. Die Stimmen wurden deutlicher. Auch an Madeleines Zimmer ging sie vorbei. Die Tür zum großen Bad stand offen, sie schaute langsam um die Ecke. Das Bad war leer. Bis vor kurzem war hier aber noch jemand gewesen. Der Whirlpool enthielt noch Wasser und üppigen Badeschaum, die Düsen sprudelten vor sich hin. Ein unglaubliches Kerzenmeer hüllte die gesamte Bad-landschaft in romantisches Licht. Gerade als sie das Bad verlassen wollte, blieb sie verdutzt stehen und starrte den Spiegel an. Jemand hatte mit knallrotem Lippenstift „Ich liebe dich“ geschrieben. Und sie wusste in dem Mo-ment auch, wer das gewesen sein musste. Sie erkannte eindeutig die Schrift ihrer Freundin Sabrina. Sabrina und Mark! Es war so offensichtlich, dennoch konnte und wollte sie es nicht glauben. sabrina war ihre beste Freundin! Aus ihrem Schlafzimmer vernahm sie leises Gemurmel und Gekicher. Sie musste stark gegen eine Ohnmacht, sie spürte, wie ihr Kreislauf schlapp machte. Die letzten Wochen, die Schlafstörungen einerseits und die Schwächeanfälle andererseits nagten an ihr. Sie riss sich zusammen, atmete mehrmals tief durch und ging so leise sie konnte auf die Schlafzimmertür zu. Die Tür stand einen Spalt auf. Gedämpftes Licht und leise Musik verströmten auch hier eine romantische Atmosphäre. Jetzt waren die Stimmen nur allzu deutlich zu hören. Es waren Mark und Sabrina. Eine Wutwelle überkam Susanne. Sie wollte gerade in ihr Schlafzimmer stürmen und die beiden zur Rede stellen, als sie innehielt und lauschte. „Und wie geht es jetzt mit ihr weiter?“ hörte sie Sabrina sagen. „So langsam reicht es mir nämlich, dass du immer noch hier wohnst.“ Susanne konnte sich gerade so richtig Sabrinas Schmollmund vorstellen. „Hey, zerbrich dir nicht dein süßes Köpfchen“, antwortete Mark und Susanne wurde ganz übel, „ es läuft alles nach Plan“, erwiderte Mark. „Sie ist doch schon gewaltig neben der Spur. Es dauert nicht mehr lange und sie bricht völlig zusammen.“ Bettzeug raschelte. „Und dann wird sich niemand wundern, wenn diese arme, tablettenabhängige, völlig überforderte Mutter an einem Cocktail aus Schlaf- und Schmerztabletten das Zeitliche segnen wird. Und dann erbt der arme bedauernswerte Ehemann das Vermögen!“ Er lachte heiser. " Und die beste Freundin seiner Frau kümmert sich liebevoll um die beiden verstörten Kinder!" gurrte Sabrina. Susanne zuckte zusammen. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust. Die beiden sprachen über sie, über wen sonst. Mark wollte sie aus dem Weg räumen! Er musste seine Firma dermaßen an die Wand gefahren haben, dass er alles daran setzen würde, um an ihr Geld zu kommen. Und das bekam er nur, wenn sie tot war! Susanne erwachte aus ihrer gedanklichen Rückblende und ihrer Lethargie. Mark stand ihr immer noch gegenüber und wartete auf eine Reaktion von ihr. Aus den Augenwinkeln konnte sie ihre Mutter sehen, die sprachlos in der Küchentür stand. „Du verdammtes verlogenes Schwein!“ kreischte Susanne und schleuderte ihre Handtasche auf Mark. Er wehrte die Tasche mit einer Handbewegung ab, seine Augen bekamen einen merkwürdigen Ausdruck. „Ich erinnere mich wieder!“ schrie sie völlig hysterisch. „An jedes verfluchte einzelne Wort erinnere ich mich! Ich habe euch belauscht, dich und Sabrina, an Mutters Geburtstag. Hier war gar kein Geschäftsmeeting, nein“, sie schüttelte wild ihren Kopf und zeigte mit dem Zeigefinger auf Mark, der mittlerweile auf der Hut war, „du hattest hier ein privates Meeting mit Sabrina, dieser Schlampe.“ Sie ergriff den nächstbesten Schuh und schleuderte auch diesen in Marks Richtung. Sie steigerte sich immer mehr in ihre Wut hinein und war jetzt so richtig in Fahrt. Susannes Mutter hauchte nur ein leises “Oh“ und lief in die Küche. Mark spurtete hinterher. „Isolde, nicht die Polizei!“ schrie er sie barsch an und schlug ihr mit der flachen Hand kräftig genug ins Gesicht, wobei er ihre Schläfe traf. Mit einem dumpfen Knall fiel Susannes Mutter ohnmächtig auf die Fliesen. „Dass ihr Weiber immer gleich die Polizei rufen müsst!“ fluchte er und nahm ihr das Telefon aus der Hand, das sie immer noch krampfhaft in der Hand hielt. Er horchte auf und registrierte, dass die Haustür gerade zufiel. „Scheiße!“ entfuhr es ihm, bevor er sich an die Verfolgung machte. Fortsetzung folgt..... 2.12.13 ... link (0 Kommentare) ... comment Mittwoch, 27. November 2013
Alptraum- ein Fortsetzungskrimi teil 14
shorty short, 22:38h
von Kirsten Maria Scholz
Kapitel einundzwanzig Zu Hause wartete Madeleine schon sehnsüchtig auf ihre Mutter. Valentin hatte es vorgezogen mit Gabriela und ihren beiden Söhnen Pizza zu backen. Susanne war es ganz recht, dann konnte sie die Zweisamkeit mit ihrer kleinen Tochter genießen. Ihre Mutter kam ihr aus der Wohnküche entgegen. „Und?“ fragte sie neugierig, „hast du was erfahren? Was sagt denn Dr. Fries?“ Als Susanne nicht antwortete, wurde sie etwas ungehaltener. „Ach, Susanne, nun lass dir doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen. Ich mach mir doch auch meine Gedanken.“ Susanne sammelte sich kurz, hängte ihren Mantel auf und stellte ihre Stiefel auf das Abtropfgitter. „Also, ich habe einiges erfahren und das werde ich dir auch alles erzählen. Aber nicht jetzt! Später, in Ordnung? Lass mich erst einmal ankommen“, bat sie ihre Mutter und sah sie mit müden Augen an. „Und im Moment möchte ich einfach nur Mutter sein und mich mit Madeleine beschäftigen.“ Sie merkte wie schlapp und ausgelaugt sie war. Die Energie, die sie heute Morgen noch verspürt hatte, war komplett verpulvert. Sie musste ihren Energietank auffüllen und dafür Sorge tragen, dass sie nicht wieder völlig ausgepowert zusammenbrechen würde. Wenn sie sich gegen Mark wehren müsste, kämen noch härtere Zeiten auf sie zu. „Madeleine ist oben, sie wartet auch schon auf dich. Ich sage euch Bescheid, wenn es Abendbrot gibt“, sagte ihre Mutter und machte sich wieder an die Vorbereitungen für das Abendessen. Susanne stieg die Treppe hinauf und blieb an Madeleines Kinderzimmertür stehen, die nur halb angelehnt war. Sie beobachtete ihre kleine Tochter ein paar Minuten. Madeleine hatte diverse Puppen und Plüschtiere um sich herum platziert und eine Kaffeetafel aus ihrem Puppengeschirr gezaubert. Susanne musste beim Anblick ihrer Tochter lächeln. Madeleine war so sehr in ihr Spiel vertieft, dass sie gar nicht bemerkte, wie ihre Mutter sich neben sie auf den rosa Plüschteppich setzte. Madeleine und Susanne verbrachten den restlichen Nachmittag spielend im Kinderzimmer. Dabei fiel Susanne auf, dass ihre Tochter den rosa Riesenplüschhasen, den sie Moppel getauft hatte, immer und überall an ihrer Seite hatte. Susanne sprach sie auf Moppel an. „Das ist aber auch ein echt super Hase“, bemerkte sie und hob Moppel prüfend hoch, „wann hat Papa dir den denn mitgebracht?“ fragte sie ohne irgendeinen Hintergedanken zu haben. „Den hab ich doch gar nicht von Papa!“ antwortete Madeleine, ohne von ihrem Spiel aufzublicken. Gerade bot sie ihrer blonden Langhaarpuppe eine Tasse Kaffee an. „Nein?“ Susanne war erstaunt. Wer schenkte ihrer Tochter außer der Reihe so ein riesiges Plüschtier. „Nee, den hat mir Sabrina mitgebracht.“ Susanne erstarrte. Sabrina, dachte Susanne, die ist ja wohl überall präsent. Sie merkte, wie kalte Wut in ihr hochstieg. Madeleine schaute sie an. „Die Sabrina hatte mir den mitgebracht, als sie uns mit Papa bei Oma in Nürnberg besucht hat.“ Susanne konnte nicht mehr ruhig sitzen bleiben und sprang auf. Wieso besuchte Mark ihre Kinder mit Sabrina? Und wieso hatte ihre Mutter ihr nichts erzählt? Vielleicht wusste sie gar nichts davon. Vor Madeleine versuchte sie, ihre Emotionen zu verbergen und zwang sich zu einem Lächeln. „Das ist aber nett von Sabrina!“ sagte sie, obwohl sie kurz davor war, ihre Fassung zu verlieren. „Wann war das denn?“ Madeleine überlegte kurz. „Ich weiß nicht so genau, aber an einem Tag hat Papa uns vom Kindergarten abgeholt und dann sind wir den ganzen Nachmittag im Zoo gewesen.“ Was für ein mieser Trick, dachte Susanne. Sicherlich hatte er ihrer Mutter nichts von Sabrina erzählt, alleine schon, um unbequemen Fragen aus dem Weg zu gehen. Gerade zur rechten Zeit, bevor sie vollends aus der Haut fuhr, hörte sie unten die Haustür ins Schloss fallen. Madeleine sprang auf und rannte mit Moppel im Arm die Treppe runter. Zum Glück schien ihre Tochter nicht mitbekommen zu haben, welchen inneren Kampf Susanne gerade ausgefochten hatte. „Papa!“ brüllte Madeleine schon von oben ihrem Vater entgegen. Auch der noch, dachte Susanne. Im Augenblick hatte sie eindeutig genug von Mark, Sabrina und weiteren Hiobsbotschaften. Anstatt ihrer Tochter nach unten zu folgen, ging sie ins Bad und schmiss sich ein paar Hände voll Wasser ins Gesicht, um sich abzukühlen. Nach ein paar Minuten konnte sich Susanne endlich dazu durchringen, ihrer Tochter ins Erdgeschoss zu folgen. Schon auf der Treppe hallten ihr Stimmen aus dem Wohnzimmer entgegen. Susanne stutzte und blieb mitten auf der Treppe stehen. Sie erkannte eindeutig Marks dunkle sonore Stimme, ihre Mutter und auch Madeleine. Aber da war noch jemand… Ihr blieb das Herz stehen und die Luft wurde ihr abgeschnürt. „Ich glaub das ja nicht!“ flüsterte Susanne fast tonlos, „Sabrina! Die Schlampe wagte es wirklich, sich hier zu zeigen. Susanne überlegte. Was sollte sie tun? Sabrina und Mark wussten beide nicht, was Susanne bereits herausgefunden hatte. Beide dachten, Susanne wäre ahnungslos. O.k., sagte sie sich. Dann spielen wir doch das Spiel einfach mal mit.„Reiß dich zusammen!“ sie straffte ihre Schultern und betrat die Wohnküche. An der Tür blieb sie stehen. Niemand schien sie zu bemerken. Es bot sich ihr das Bild einer fröhlichen Familie: Madeleine auf dem Arm ihres Vaters, immer noch Moppel am Ohr festhaltend, ihre Mutter, die sich um das Servieren des Abendbrotes kümmerte und die junge Mutter, die gerade den Plüschhasen aufhob, der Madeleine aus der Hand entglitten war. Nur, dass die junge Mutter nicht die junge Mutter war, sondern ihre eigentlich beste Freundin Sabrina.„Immer schön locker bleiben“, sagte sie sich und trat mit einem Lächeln auf den Lippen zu der gutgelaunten Gesellschaft. Ihre Mutter sah sie zuerst. „Oh, hallo Susanne“, rief sie ihr zu, „sieh nur mal, wer da ist?“ Mark und Sabrina drehten sich um und wichen automatisch einen Schritt auseinander. „Sabrina“, flötete Susanne und gab ihrer Freundin zwei Begrüßungsküsschen auf die Wangen. „Was für eine Überraschung!“ sie tat sehr erstaunt. „Ich habe dein Auto gar nicht gesehen. Ist es kaputt und in der Werkstatt? Bist du etwa mit dem Taxi hier?“ Sabrina versuchte, ihre Unsicherheit hinter einem gekünstelten Lächeln zu verbergen. „Nein, ich bin mit Mark mitgefahren.“ Mark nickte zustimmend. „Ich hatte doch gestern dieses Geschäftsessen und da war es recht praktisch Sabrina mitzunehmen.“ „Ja wie praktisch“, surrte Susanne und hätte am liebsten laut geschrien. Stattdessen nahm sie ihrer Mutter die Porzellanschale mit Kartoffeln aus der Hand und knallte sie auf den Tisch. „Oh pardon“, sagte sie leicht sarkastisch. Ihre Mutter musterte sie skeptisch und zog sie zu sich in die Küchenzeile. „Susanne, hilfst du mir mal bitte?“ sagte sie laut und zu Mark und Sabrina gewandt sagte sie: „Ach, nehmt doch schon mal Platz!“ Sie kniff Susanne unsanft in den Arm. „Was ist denn mit dir los, Susanne?“ zischte sie, „warum bist du denn so unfreundlich? Ist irgendwas passiert?“ „Nicht jetzt!“ zischte Susanne zurück, die alle Mühe hatte, sich zusammenzureißen. Auf den Weg zurück zum Tisch nahm sie noch die Salatschüssel mit, die wie zuvor auch die Kartoffelschüssel unsanft ihren Platz neben Sabrinas Gedeck fand. Einige Salatblätter flogen aus der Schüssel und auf Sabrinas Schoß. „Oh, wie ungeschickt von mir“, säuselte sie, „ich bin aber auch heute neben der Spur. Liegt vielleicht an den Tabletten.“ Sie setzte sich neben Mark.„Na, Schatz, wie war denn dein Tag? Und gestern das Geschäftsessen, war es ein voller Erfolg, ja?“ Mark schaute erst Sabrina, dann Susanne äußerst irritiert an. Susanne knallte sich gerade einige Kartoffeln auf ihren Teller. wobei zwei von ihnen nicht auf, sondern neben dem Teller landeten. Susanne schien es nicht zu registrieren. „Nichts Außergewöhnliches eigentlich. Und wie war dein Tag?“ Mark versuchte, die Konversation am Laufen zu halten und mit dieser Frage, ein wenig von sich abzulenken und jedes schwierige Thema zu vermeiden. Leider stachelte er Susanne damit weiter auf. „Mein Tag?“ Susanne tat, als müsste sie stark überlegen. „Nun ich habe ausführlich mit Mutter, Valentin und Madeleine gefrühstückt und bevor ihr angekommen seid, hatte wir zwei“, sie streichelte Madeleines Wange, „eine ausgiebige Spielstunde, in der ich die Bekanntschaft von Moppel machen durfte.“ Sie schaute Sabrina kalt an. „Vielen Dank übrigens, dass du Madeleine Moppel geschenkt hast, als du mit meinem Mann in Nürnberg auf Reise warst. Ich meine natürlich Geschäftsreise“, fügte sie mit einem süßen Lächeln hinzu. Sie zerstampfte ihre Kartoffeln, als wären es harte Kürbisstücke. „Oh, und heute Mittag war ich in der Altstadt“, verkündete sie sie dabei, immer noch mit einem Lächeln auf den Lippen, das einer Wahnsinnigen hätte entsprungen sein können. „Erinnerst du dich noch an den Staatsanwalt, mit dem ich mich in Nürnberg so super unterhalten habe?“ sie schaute ihre Mutter fragend an, die nichts Gutes ahnend ihre Serviette zusammenfaltete und Susanne anstarrte. „Wie hieß er doch gleich?“ Susanne tat, als könne sie sich nicht erinnern und schüttelte den Kopf. „Naja, egal. Jedenfalls habe ich mich mit dem in der Altstadt getroffen- zum Brunch. Also, nicht mit ihm natürlich“, sie lachte laut auf, „nein, ich habe ihn zufällig getroffen natürlich. Habe ja schließlich kein außereheliches Verhältnis mit ihm.“ Wieder dieses wahnsinnige Lachen. Sie schaute in die Runde. Alle Beteiligten, außer Madeleine, die vergnügt Figuren in die Soße auf ihrem Teller zeichnete, hatten das Essen eingestellt. Es herrschte Totenstille.Susanne fuhr unbeirrt fort. So langsam schien sie Vergnügen an ihrer Rolle zu finden.„ Und der hat mir doch von einem Fall erzählt hier aus Heidelberg“, sie aß weiter, „und Mark, stell dir vor, da hat ein Architekturbüro voll die Schwierigkeiten wegen Steuerhinterziehung und Geldtransfer in die Schweiz und all sowas.“ Sie schaufelte sich noch mehr von dem Buttergemüse auf ihren ohnehin schon überfüllten Teller. „Lecker“, lobte sie ihre Mutter mit vollem Mund und warf ihr ein Luftküßchen zu. „Ist das nicht unglaublich. Vielleicht kennst du das Büro sogar?“ sie schaute ihren Mann mit großen Augen an. Mark erwiderte den Blick, räusperte sich und sah gleichzeitig auf die Uhr. „Ach Herrje, schon so spät. Sabrina“, er schaute seine Sekretärin eindringlich an, „musstest du nicht um zwanzig Uhr schon wieder woanders sein?“Sabrina reagierte sofort auf den Wink und schlug sich leicht auf ihre Stirn, so als fiele es ihr spontan wieder ein. Mit der Serviette tupfte sie sich den Mund ab und hinterließ Lippenstiftspuren in kaminrot. Susanne verwunderte es nicht sonderlich, dennoch registrierte sie es mit aufschäumender Wut, von der sie wusste, dass sie sie nicht mehr lange zurückhalten könnte. „Was für ein schöner Lippenstift“, bemerkte sie zuckersüß, „ist der neu?“ Sie schaute Sabrina an und steckte sich eine ganze Kartoffel in den Mund, um zu verhindern, dass sie laut los brüllte. Sabrina stand mit Mark zusammen auf und tat so, als hätte sie Susannes Andeutung überhört. „Ich fahr dich schnell rum“, bot er an, „bis ein Taxi beidem Wetter hier ist… das dauert doch viel zu lange.“ Sabrina bedankte sich und verließ fast fluchtartig die Wohnküche, warf sich fast im Vorbeigehen an der Garderobe ihren Mantel über und behielt Schal und Mütze in der Hand. Es war ihr anzusehen, dass sie dachte: Nur weg hier! Susanne lächelte Mark nach, der bereits an der Haustür stand. „Mach das Schatz und fahrt vorsichtig!“ rief sie den beiden mit einem sehr verkrampften Lächeln hinterher. Sobald die Haustür zufiel erlosch ihr Lächeln. wie auf Knopfdruck. Sie stand auf, nahm ihren Teller und feuerte ihn mit einem ohrenbetäubenden Schrei in das Spülbecken der Küche. Fortsetzung folgt...am 28.11.13 ... link (0 Kommentare) ... comment Samstag, 23. November 2013
Alptraum- ein Fortsetzungskrimi Teil 13
shorty short, 23:13h
von Kirsten Maria Scholz
Kapitel zwanzig Nachdem Susanne das Bistro und die Einkaufspassage verlassen hatte, war sie ziellos durch die kleinen Gassen der Altstadt geirrt. Sie hatte den ungeheuren Drang, sich bewegen zu müssen, damit ihr pulsierendes Blut die Adern freipusten und sie wieder klare Gedanken fassen konnte. Irgendwann hatte sie sich dermaßen in dem Labyrinth der kleinen Straßen und Gassen verlaufen, dass sie auf die Hilfe der Anwohner zurückgreifen musste, um zu ihrem Auto zurückzufinden. Durch die Rennerei und das Herumirren hatte sich ihr Ge-mütszustand ein wenig beruhigt, so dass sie sich den Rückweg mit dem eigenen Wagen durchaus wieder zutraute. Während sie versuchte, sich auf den Straßenverkehr zu konzentrieren, überlegte sie, wie es weitergehen sollte. Mittlerweile war sie fest davon überzeugt, dass Mark etwas mit ihren Blutwerten zu tun hatte. Sie wusste allerdings zu welchem Zweck er ihr falsche Tabletten verabreicht hatte, aber er musste dahinter stecken. Sie musste dringend Beweise für ihre Vermutungen sammeln, dass Mark sie vorsätzlich unter Drogen bzw. Tabletten gesetzt hatte. Sie vermutete, dass er damit von seinem Doppelleben ablenken bzw. verhindern wollte, dass Susanne hellhörig wurde. Sicherlich kam es ihm auch gut zu Pass, dass sie im Bekannten- und Geschäftspart-nerkreis unglaubwürdig wurde und immer mehr als durchge-knallte tablettenabhängige Ehefrau dastand, der man sowieso nichts glauben konnte. Nun, dachte sie, leider ist es ihm auch irgendwie gelungen. Du hast wirklich gut mitgespielt, Susanne! Ein wenig gab sie sich selbst auch die Schuld, dass sie Mark überhaupt die Möglichkeit geboten hat, sie manipulieren zu können. Sie war von jeher zu sehr auf ihre Kinder fixiert gewesen und hatte für alles weitere, auch für ihr Eheleben immer weniger Interesse gezeigt. Mit ihrer Schlaf- und Erschöpfungsproblematik hatte sie definitiv Marks Doppelleben übersehen und auch überhaupt keine Energie gehabt, sich über Unregelmäßig- oder Merkwürdigkeiten Gedanken zu machen. Mark hatte ihre Unpässlichkeiten schamlos ausgenutzt und es geschafft, dass Freunde und Bekannte sich mehr und mehr von ihr abgewandt hatten. Es war für sie immer schwieriger gewesen, Meetings durchzuhalten, ernsthafte Gespräche zu führen oder gar Termine einzuhalten. Und dass sie nach ihrem letzten Auftritt und Ausraster den Ruf der durchgeknallten Ehefrau inne hatte, stand für sie fest. Wer weiß, was Mark noch dazu erfunden hatte, vielleicht das Wort „Schlafmittel“ erwähnt und schon ist das Bild, was Mark vermitteln wollte perfekt: seine Frau war eine unzurechnungsfähige Person geworden, die sich nicht mehr unter Kontrolle hatte und für sich und andere eine Gefahr darstellte. „Scheißkerl!“ brüllte sie und schlug mit der Hand auf das Lenkrad. So schmerzlich das alles auch für sie war, sie war froh, dass sie endlich wusste, woran sie war. Sie war nicht verrückt! Man hatte ihr „nur“ sehr übel mitgespielt. „Man“ wohl eher nicht, es war definitiv Mark, ihr eigener Ehemann! Ihr war klar, dass sie absolut vorsichtig sein musste, mit dem, was sie Mark erzählte. Es war immer ratsam, wenn man eine Verbündete hatte, überlegte Susanne. Von daher überlegte sie zunächst ihre Mutter mit ins Boot holen. Sie war sich allerdings sicher, dass das kein Problem werden sollte, wenn sie ihr die Informationen von Dr. Fries mitteilte. Schließlich waren das Fakten und nicht dem Hirn ihrer mit Tabletten vollgepumpten Tochter entsprungen. Dann musste sie unbedingt nochmal das gesamte Haus absuchen, diese Mal dann bewusst nach Beweisstücken Ausschau halten. Je nachdem, was sie dabei entdeckte, wollte sie weiter sehen, was und an wen sie ihre Informationen und Vermutungen weiterleiten wollte. ... link (0 Kommentare) ... comment Freitag, 22. November 2013
Alptraum- ein Fortsetzungskrimi Teil 12
shorty short, 17:24h
von Kirsten Maria Scholz
Kapitel achtzehn Ein Blick auf die Uhr versicherte ihr, dass es für ein Telefonat noch nicht zu spät war. Wieder zuhause angekommen, schnappte sie sich noch im Mantel das Telefon und wählte die Heidelberger Nummer des Staatsanwaltes. Ihrer Mutter, die fragend im Türrahmen zur Wohnküche stand, bedeute sie mit einer Handbewegung, sie jetzt nicht zu stören. Nach kurzem Klingeln vernahm sie eine äußerst angenehme Stimme, die ihr mitteilte, dass er sich zurzeit nicht in der Lage sieht, das Telefon zu bedienen. „Mist, Anrufbeantworter“, entfuhr es Susanne. Dass sie jetzt niemanden persönlich erreichen konnte, war in ihrer Theorie nicht vorgekommen. Die Nachricht auf dem Anrufbeantworter besagte weiter, dass der Anrufer am Montag einen Termin mit seinem Sekretariat vereinbaren oder in dringenden privaten oder geschäftlichen Fällen ihn, Dr. Fries, unter folgender Handynummer erreichen könnte. Susanne rannte hektisch zum Küchentresen und schnappte sich Stift und Notizblock, die immer für solche Fälle neben der Telefonaufladestation lagen. Es geht doch nichts über einen geordneten Haushalt, dachte sie und schaffte es, die Nummer zu notieren, als Dr. Fries sie ein zweites Mal wiederholte. „Na bitte“, sagte sie und sprach sich damit eher selbst Mut zu, „ich denke, meine Frage zählt zu den privaten Notfällen.“ Ihre Mutter hatte Susanne während der letzten Minuten aufmerksam beobachtet. Sie schien immer noch etwas irritiert zu sein. „Was ist denn nur los, Susanne?“ fragte sie schließlich, „du bist ja vollkommen aus dem Häuschen. Kannst du mir bitte einen kurzen Moment deine Aufmerksamkeit schenken?“ „Jetzt nicht“, winkte Susanne wirsch ab. Sie hatte bereits die Handynummer eingetippt und lauschte auf die Klingelzeichen. „Fries“, meldete sich die angenehme Stimme, dieses Mal persönlich. „Ja, hallo, Dr. Fries“, meldete sie sich, „meine Name ist Susanne Stahl. Wir haben uns vor kurzem in Nürnberg bei der Geburtstagparty meiner Mutter Isolde Wiegand getroffen. Vielleicht erinnern Sie sich?“ fragte sie freundlich und versuchte ihre Angespanntheit unter Kontrolle zu bringen. „Natürlich! Frau Stahl, sicher erinnere ich mich“, antwortete er leicht zögerlich, „Was verschafft mir die Ehre Ihres Anrufes? Ist irgendetwas vorgefallen?“ fragte er mit Nachdruck, worüber Susanne etwas verwundert war. Wie kam er auf die Idee, dass etwas vorgefallen war? Naja, vielleicht berufsbedingt, dachte sie kurz, sprach dann ohne Umschweife den Grund ihres Anrufes an. „Dr. Fries, zunächst möchte ich mich entschuldigen, dass ich sie am Wochenende quasi überfalle, aber ich würde Sie gerne noch einmal persönlich sprechen. Es geht um die Geburtstagsfeier meiner Mutter und um unser Gespräch an dem Nachmittag.“ Sie war sich dessen bewusst, dass sie ihn mit dieser Frage überrumpelte, also ließ sie ihm ein wenig Zeit, sich zu sammeln. „Ja, die Party, ich erinnere mich“, antwortete er gedehnt. „Hören Sie, Frau Stahl, es tut mir wirklich aufrichtig leid, was an dem Tag geschehen ist. Hätte ich gewusst, wer Sie sind, ich hätte im Leben nichts von alledem erzählt“, sagte er und Susanne meinte, Anteilnahme herauszuhören. „Ja, vielen Dank für ihr Mitgefühl. Aber sehen Sie, genau darum geht es. Ich möchte mich gerne noch einmal mit Ihnen genau darüber unterhalten. Jetzt, nachdem alles ein wenig gesackt ist“, fügte sie als Erklärung hinzu. Es entstand eine längere Pause. „Hallo?“ fragte Susanne nach. „Sind Sie noch dran?“ „Ja, natürlich. Entschuldigen Sie. Ich kann mir gerade allerdings nicht vorstellen, inwieweit ich Ihnen noch helfen könnte. Das Problem ist“, sagte er. Oh nein, kein Problem, dachte Susanne. „…dass ich am Montag auf eine längere Geschäftsreise gehe.“ „Wie wäre es denn mit morgen?“ unterbrach Susanne ihn und fügte schnell hinzu: „Ich möchte Sie nicht unter Druck setzen und ich bin auch sonst nicht so aufdringlich, entschuldigen Sie bitte. Es ist nur so ungeheuer wichtig für mich. Wenn es für Sie zu kurzfristig ist, kann ich das gut verstehen.“ Susanne hörte es am anderen Ende rascheln. Anscheinend schaute er in seinem Terminkalender nach, vermutete sie und schöpfte neue Hoffnung. „Nein, nein, ist schon in Ordnung. Es scheint Ihnen tatsächlich sehr wichtig zu sein. Wie wäre es denn morgen Vormittag? Wir könnten uns zum Brunch in dem neuen Bistro in der Altstadtpassage treffen. Sagen wir so gegen 11 Uhr?“ fragte er. „J-ja, das wäre klasse. Vielen Dank, Herr Fries, für Ihr Verständnis und auch, dass Sie sich die Zeit nehmen. Dann bis morgen.“ Susanne trennte die Verbindung per Knopfdruck und legte das Telefon langsam auf die Arbeitsplatte ihrer Wohnküche. Sie hatte es wirklich getan. Morgen würde sie vielleicht erfahren, was sie die ganze Zeit mit Hochdruck verdrängte. Auf jeden Fall war sie sich sicher, dass Dr. Fries ein wenig zur Aufklärung beitragen konnte. „Susanne!“ ihre Mutter hatte ihren Arm ergriffen und schüttelte sie. „Ich rede mit dir!“ Susanne fuhr zusammen. „W-was?“ sie schaute reichlich verwirrt. Ihre Mutter hatte sie völlig vergessen. „Was ist denn?“ sie schüttelte ihren Arm frei. „Was soll denn das?“ Sie ging zur Sitzgarnitur und setzte sich. „Wolltest du mir nicht irgendwas Wichtiges erzählen?“ sagte sie fast ein wenig trotzig. „Das versuche ich doch die ganze Zeit“, schimpfte Isolde, „aber du hörst mir ja nicht zu. Mark hat angerufen, er kommt heute höchstwahrscheinlich nicht nach Hause.“ Susanne drehte ihrer Mutter den Kopf zu. „Ach was!“ entfuhr es Susanne. „Er hat irgendwo außerhalb von Heidelberg ein Geschäftsessen. Das wird wohl etwas länger dauern. Und bei diesen winterlichen Verhältnissen möchte er nachts lieber nicht über Land fahren. Er wird sich da ein Zimmer nehmen“, berichtete ihre Mutter. „Natürlich wird er das“, schnaufte Susanne sarkastisch, „wahrscheinlich ein Doppelzimmer.“ Na bitte, sollte er doch bei und mit Sabrina machen, was er wollte. Sie wollte sich nicht den Abend mit Madeleine und Valentin vermiesen lassen, schon gar nicht durch verschwendete Gedanken an Mark und ihre „beste“ Freundin. Kapitel neunzehn Madeleine und Valentin weckten Susanne am nächsten Morgen mit lautem Gebrüll. Susannes Mutter hatte sich wahrlich Mühe gegeben, den beiden Kleinen ihren Aufenthalt in Nürnberg so angenehm wie möglich zu machen, dennoch merkte Susanne gerade in Momenten wie diesen, wie sehr ihre Kinder sie vermisst hatten. Und auch sie genoss die gemeinsame Kuschelstunde in vollen Zügen. Obwohl sie sich mit Dr. Fries zum Brunch verabredet hatte, ließ sie es sich nicht nehmen, ein ausgiebiges Frühstück mit ihren Kindern zu veranstalten. Es machte ihr richtig Spaß mit Madeleine Pfannkuchen zu backen und Valentin und ihre Mutter beim Rühreibraten zu beobachten. Wie lange war das her, dass sie alle zusammen so viel Spaß hatten? Und alles ohne Mark, dachte sie. Sie hätte vor ein paar Monaten nicht im Traum daran gedacht, dass sie überhaupt jemals in Erwägung ziehen würde, ein Leben ohne Mark führen zu können. Nach dem Frühstück machte sich Susannes Mutter mit Madeleine und Valentin auf, einen Schneemann zu bauen. Susanne schaute auf die Uhr und erschrak. „Nun aber los“, trieb sie sich an und machte sich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt mit Dr. Fries. Als sie ihren schnuckeligen Kleinwagen aus der Garage fuhr, sah sie, dass die beiden Söhne von Gabriela und Marcello sich zu Madeleine und Valentin gesellt hatten und sichtlich Spaß zu haben schienen, zusammen den Schneemann zu bauen. Sie winkte allen zu und fuhr vorsichtig die schneebedeckte Straße entlang. Sie fand das Bistro im Einkaufszentrum auf Anhieb und erblickte Dr. Fries schon von weitem, der ihr zuwinkte. „Frau Stahl“, er stand auf und reichte ihr zur Begrüßung die Hand, „guten Morgen. Schön, Sie zu sehen.“ Er bot ihr den zweiten Korbsessel an seinem Tisch an. Da er davon ausgegangen war, Susanne würde wie er ohne vorher gefrühstückt zu haben zu ihrem Treffen erscheinen, hatte er bereits zweimal Frühstück bestellt, das auch schon serviert wurde, als Susanne Platz nahm. Na gut, dachte sie, Essen hält Leib und Seele zusammen. Warum also nicht zweimal frühstücken, schaden konnte es ihr jedenfalls nicht. Durch den Stress der letzten Wochen hatte sie eindeutig an Gewicht verloren. „Nun, was genau kann ich für Sie tun, Frau Stahl?“ fragte Dr. Fries, nachdem sie den anfänglichen Small-talk über Wetter und Verkehr beendet hatten. Susanne hatte sich vorgenommen, mit der Wahrheit nicht hinter dem Berg zu halten. Sie erzählte von ihrem Black- out, der nach ihrem Gespräch in Nürnberg aufgetreten ist, von dem Klinikaufenthalt und ihrer Suche nach Gründen für ihre lückenhafte Erinnerung. „Und da ist jede Kleinigkeit wichtig“, erklärte sie ihm. „Von meiner Mutter weiß ich, dass wir uns angeregt unterhalten haben und ich daraufhin quasi kopfüber nach Hause gerast bin, wo dann das passiert ist, was ich Ihnen gerade erzählt habe.“ Sie schaute in durchdringend an, ihre Stimme klang eindringlich. „Also, Dr. Fries, bitte versuchen, Sie sich zu erinnern! Worüber haben wir gesprochen?“ Dr. Fries legte sein Besteck zur Seite, stützte beide Ellenbogen auf die Tischplatte und legte seine Fingerspitzen aneinander. „Es war wie ich schon am Telefon angemerkt hatte, nicht meine Absicht, Ihnen vor den Kopf zu stoßen. Ich hatte mich mit einem Bekannten über einen seiner Fälle in Heidelberg unterhalten, bei dem es um das Architekturbüro Stahl und Ingwersen geht. Sie sind interessiert dazu gestoßen und ich habe mir nichts dabei gedacht, weiterzusprechen. Ich weiß, in solch einem Rahmen ist es nicht in Ordnung, Fälle zu besprechen, aber wir sind auch nur Menschen“, er zog entschuldigend seine Schultern hoch. Susanne hatte aufgehört zu frühstücken. Angespannt und nervös lauschte sie den weiteren Ausführungen. Dr. Fries faltete seine Serviette. „Und um was ging es bei dem Fall Ihres Bekannten?“ fragte Susanne mit brüchiger Stimme.Ihre Nerven waren mittlerweile zum Zerreißen gespannt, der Klopfschmerz hinter ihrem rechten Auge meldet sich zurück. Jetzt nicht ohnmächtig werden, dachte sie. „Mein Bekannter ist Gerichtsreporter und kommt viel herum. Er wollte sich nach dem Architekturbüro Stahl und Ingwersen bei mit erkundigen, ob ich Insiderwisser hätte.“ Er blickte sie entschuldigend an. „Ich weiß, auch das ist keine feine englische Art, aber so läuft das Geschäft mit den Journalisten nun mal. Sie versuchen es immer wieder.“ Susanne interessierte es überhaupt nicht, ob Journalisten sich nun korrekt verhielten, um an ihre Informationen zu kommen. Einzig und allein Dr. Fries Insiderwissen war für sie wichtig, schließlich ging es um das Architektenbüro ihres Mannes. Seines Wissens nach war das Büro in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten und in das Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Die Chefs hätten Steuerhinterziehung und Betrug im gehobenen Stil betrieben. Es wurden unter anderem Urlaubs- und Eventreisen der Angestellten als Spesen beim Finanzamt abgerechnet, was in der Geschäftswelt Gang und Gebe wäre. Allerdings hätte einer der beiden Geschäftsinhaber seinen Zweitwohnsitz in die Schweiz verlegt und somit Gelder in die Schweiz transferiert. Und das in ziemlich großen Stil. „Sagen Sie jetzt nicht, dass dieser Geschäftsinhaber mein Mann ist!“ flüsterte Susanne. „Doch, leider ist er der Drahtzieher bzw. der Federführende. Sein Geschäftspartner ist nur Mitläufer.“ Susanne setzte sich zurück in den Sessel und starrte Dr. Glück fassungslos an. „Aber unser Wohnsitz ist doch hier in Deutschland!“ sagte sie, „ich meine, wie konnte er dann einen weiteren in die Schweiz verlegen?“ sie schaute ihn fragend an. Er räusperte sich. Susanne sah ihm an, dass ihn diese Frage in Verlegenheit brachte. „Frau Stahl, er ist angeblich oder tatsächlich, man weiß es nicht, mit seiner Lebensgefährtin in die Schweiz gezogen. Laut seiner Aussage lebt er getrennt von seiner Frau, also von Ihnen, und seinen Kindern, die in Heidelberg geblieben sind.“ „Mit wem? Mit seiner Lebensgefährtin?“ Susanne fiel vom Glauben ab. „Er sagt, er hat uns verlassen und ist mit seiner Lebensgefährtin in die Schweiz gezogen?“ Dr. Fries nickte. Man sah ihm an, dass ihm das Thema äußerst unangenehm war. Es herrschte eisiges Schweigen zwischen ihnen. Susannes Gedanken wirbelten konfus in ihrem Kopf herum. Konzentrier dich, ermahnte sie sich. Sie versuchte, das eben Gehörte mit ihren Erkenntnissen und Informationen abzugleichen und ließ die letzten Monate Revue gedanklich passieren zu lassen. Seit Monaten war Mark mehrfach im Monat für kurze oder längere Trips auf Geschäftsreisen unterwegs gewesen. Wohin war ihr nicht bekannt, aber sie hatte sich noch nie für die Ziele von Marks Geschäftsreisen interessiert. Sicherlich hatte er vermehrt Reisen unternommen, was sie in Zusammenhang mit der gesteigerten Auftragslage gebracht hatte. Somit hatte sich nie etwas dabei gedacht, zu sehr war sie mit ihren Kindern und ihrem eigenen Gesundheitszustand beschäftigt gewesen. Selbst an Weihnachten im letzten Jahr war er nur am Heiligabend in Heidelberg und ist über Silvester wieder geschäftlich unterwegs gewesen. Da sie sich aus Silvesterpartys noch nie etwas gemacht hatte, hatte sie mit den Kindern bei Marcello und Gabriela gefeiert. Auch hier hatte sie schon mit Schlafstörungen und Erschöpfungszuständen zu kämpfen gehabt und war froh, wenn Mark sie nicht unbedingt bei Events und größeren Partys dabeihaben wollte. „Diese Lebensgefährtin“, Susanne hatte sich etwas gesammelt, „kennen Sie zufällig den Namen oder die frau persönlich?“ „Nicht persönlich“, gab Dr.Fries zu, „sie soll die ehemalige Sekretärin Ihres Mannes sein.“Susanne starrte in mit geöffnetem Mund an. „Sabrina!“ flüsterte sie. Diese Schlampe! Sie hatte es sich bereits gedacht, aber jetzt die Bestätigung ihrer Vermutungen zu erhalten, kam ihr wie ein Schlag ins Gesicht vor. „Es tut mir leid, dass ich sozusagen der Überbringer der schlechten Nachrichten war. Aber ich konnte doch nicht ahnen, dass Sie, die Tochter von Isolde Wiegand, eigentlich noch die Ehefrau von Mark Stahl aus Heidelberg sind“, versuchte er sich zu erklären. Susanne winkte ab. Sie wollte keine Entschuldigungen und schon gar kein Mitleid erhalten. „Machen Sie sich keinen Vorwurf. Sie können ja nichts dafür, dass mein Mann so ein erbärmliches Arschloch ist!“ sie machte ihrem angestauten Ärger Luft. „Und wissen Sie, was das Beste ist?“ Ihre angestaute und unterdrückte Wut suchte sich ihren Weg. Dr.Fries schüttelte den Kopf. „Seine ach so tolle Lebensgefährtin ist seit über zehn Jahre meine beste Freundin. Meine beste Freundin!“ wiederholte sie laut, ihre Stimme bebte. „Können Sie sich das vorstellen? Meine beste Freundin spannt mir einfach den Mann aus und ist auch noch in kriminelle Machenschaften verstrickt. Es ist unfassbar!“ Sie schnaufte regelrecht und warf die zerknüllte Stoffserviette auf den Tisch. Sie hatte sichtlich Mühe, sich zu beherrschen. „Dr. Fries, bitte nehmen Sie es nicht persönlich, aber ich glaube, ich werde erst einmal an die frische Luft gehen. Ich muss meine Gedanken ordnen und überlegen, was ich zu tun gedenke.“ Sie hängte sich ihre Handtasche über ihre Schulter und stand auf. Plötzlich kam ihr der Rat von Dr. Glück wieder in den Sinn. „Eine Bitte habe ich noch“, wand sie sich noch einmal an Dr. Fries, der immer noch keine Worte gefunden hatte und ziemlich hilflos der Situation ausgeliefert schien, „es gibt da noch etwas, was ich regeln muss. Ich würde gerne auf Sie und Ihre Funktion als Staatsanwalt zu gegebener Zeit zurückkommen.“Dr. Fries runzelte die Stirn. „Inwiefern, wenn ich fragen darf?“ er war mittlerweile auch aufgestanden. „Dazu kann ich jetzt noch nichts sagen. Wie gesagt, ich muss mich erst einmal sammeln!“ sie reichte ihm die Hand. „Melden Sie sich. Jederzeit, Frau Stahl. Auch wenn Sie mich nicht in der Funktion des Staatsanwaltes benötigen, ich kann auch so ganz gut zuhören.“ Er hielt ihre Hand immer noch fest und sah ihr direkt in die Augen. Erst jetzt nahm Susanne das unglaubliche Hellblau seiner Augen wahr. „Danke. Ich komme bestimmt auf Ihr Angebot zurück!“ Damit ließ sie ihn im Bistro stehen und flüchtete nach Draußen, wo sie frische, kalte Winterluft empfing und es ihr das Gefühl gab, wieder durchatmen zu können. Fortsetzung folgt..... 23.11.13 ... link (0 Kommentare) ... comment Alptraum- ein Fortsetzungskrimi Teil 11
shorty short, 02:06h
von Kirsten Maria Scholz
Kapitel siebzehn Nach einer überschwänglichen Wiedersehensfreude und dem minutenlangen Austausch von Küssen, Umarmungen und Streicheleien kam Susanne mit Madeleine auf dem Arm und Valentin an ihrer Hand die Treppen in die Eingangshalle herunter, wo sich Susannes Mutter bereits ihres Mantels und den vielen Accessoires, wie Handschuhe, Hut und Handtasche entledigt hatte. „Susanne“, stöhnte sie, „du kannst dir gar nicht vorstellen, wie voll die Straßen und wie überaus ungeräumt dieselbigen teilweise waren.“ Sie tauschte ihre zwar schicken, aber im Winter wohl eher unpraktischen Stiefeletten gegen ein modisches Paar silberfarbener Ballerinas, offenbar ihre Art von Hausschuhen. Susanne kräuselte die Stirn und überlegte, ob ihre Mutter früher auch schon solch einen merkwürdigen Modegeschmack hatte, konnte sich aber nicht erinnern. „Erinnere mich daran, dass ich mich nachher unbedingt mit der Telefongesellschaft in Verbindung setze“, sagte Susannes Mutter und ging in die Wohnküche, um Teewasser aufzusetzen. „Was ist denn mit dem Telefon?“ wollte Susanne wissen und folgte ihrer Mutter. „Oh, hattest du vorhin nicht auch das Gefühl, dass etwas gestört hat? Und dann war unser Gespräch einfach so abgebrochen.“ Susanne grinste still in sich hinein, sollte ihre Mutter ruhig denken, dass die Telefongesellschaft Schuld am abrupten Ausgang des Telefonats war und nicht ihre Tochter. „Nee, hier hat nichts gestört“, ging sie auf ihre Mutter ein, „vielleicht liegt das an eurem Telefon in Nürnberg.“ „Ja, vielleicht“, überlegte Susannes Mutter etwas zerstreut, „aber nun erzähl doch mal, wie es bei dir so läuft.“ Susanne setzte sich in die Polsterecke im Wohnzimmer und steckte die Hände in ihre Hosentaschen. Sie wollte gerade auf die Frage ihrer Mutter antworten, als sie den Lippenstift zwischen ihren Fingern spürte. Richtig, da war doch noch was. Sie stand auf. „Du, ich habe ganz vergessen, ich muss noch dringend zu Gabriela rüber“, sagte sie zu ihrer Mutter, die sie völlig irritiert anschaute. „Zu den Contassis? Aber warum denn? Ist etwas kaputt oder sind deine Blumen eingegangen?“ Susannes Mutter schien nicht gerade begeistert von Susannes Vorhaben zu sein, „muss das denn unbedingt jetzt sein, wo wir gerade erst angekommen sind?“ fragte sie, aber Susanne hatte keine Zeit, näher auf die Frage einzugehen. Sie stand schon in der Eingangshalle, war in ihre Stiefel geschlüpft und zog sich bereits ihre Jacke an. „Ja, jetzt!“ rief sie ihrer Mutter zu, bevor sie die Haustür hinter sich in das Schloss zog. Draußen herrschten deutlich Minusgrade und es wehte ein kräftiger und vor allem eisiger Wind. So langsam hatte sie den Winter satt. Sicherlich würde es auch wieder schneien, dachte Susanne. Die Abenddämmerung war schon fortgeschritten und eigentlich hätte Mark schon von der Arbeit kommen müssen. Es sei denn er hatte noch ein Meeting mit irgendeinem wichtigen Kunden. Sie ging den geräumten Bürgersteig entlang. Bereits vom Gartenzaun konnte sie erkennen, dass die Contassis zuhause zu sein schienen. Etliche Fenster waren in warmem Licht erhellt. Susanne klingelte an der Vordertür und es dauerte nicht lange, da öffnete Gabriela. Ihrem Gesichtsausdruck war die Überraschung, aber auch die Freude anzusehen. „Susanne“, begrüßte sie Gabriela mit dem italienischen Aktent, den Susanne so an ihr mochte., „komm rein. Das ist ja eine schöne Überraschung. Schön, dich zu sehen. Bist du etwa schon entlassen? Wie geht es dir?“ Susanne wusste nicht, auf welche Frage sie zuerst antworten sollte. Also erzählte sie einfach drauf los. Natürlich wusste Gabriela von ihrem Zusammenbruch und der Klinikeinweisung, schließlich hatte sie den Rettungsdienst benachrichtigt. Von daher fiel es Susanne relativ leicht von ihrem Klinikaufenthalt und dem, was sie erlebt hatte, zu berichten. Gabriela hatte sie in die Küche gebeten und mittlerweile eine heißen Kakao zubereitet. Sie hatten es sich vor dem uralten Kachelofen bequem gemacht, der eine ungeheuer wohlige Wärme erzeugte. Bei dem winterlichen Wetter genau das Richtige. Er erwärmte nicht nur Susannes kalten Füße, sondern vor allem sie auch von innen. Nachdem Susanne mit den Ausführungen der wichtigsten De-tails der letzten Tage fertig war, versuchte sie sich auf ihr eigentliches Vorhaben zu konzentrieren. „Gabriela“, begann sie und starrte dabei in ihren Kakao, „ich weiß, wir kennen uns nicht so gut und das, was ich dich jetzt frage, kommt dir sicherlich eigenartig vor…“, sie holte tief Luft und suchte nach Worten. „Susanne, was ist los?“ fragte Gabriela und schaute sie prüfend an. „Also, es geht um meinen Mann, um Mark“, versuchte Susanne einen Anfang zu finden. Sie erzählte von den merkwürdigen Blutwerten und ihren Verdacht, dass Mark irgendetwas damit zu tun hatte. „Naja, und jetzt finde ich bei mir zu Hause einen Seidenschal, der mir nicht gehört und“, sie holte den Lippenstift aus ihrer Hosentasche, „diesen Lippenstift, der in meinem Bad auf meinem Waschbecken stand und auch nicht mir gehört.“ Sie knallte den Lippenstift auf den hölzernen Küchentisch, so dass Gabriela leicht zusammenzuckte. Sie hatte bis jetzt schweigend zugehört. Jetzt schaute sie Susanne direkt an. „Lass mich raten. Du möchtest von mir wissen, ob ich etwas weiß oder ob Marcello etwas mitbekommen hat. Habe ich recht?“ fragte sie ohne Umschweife. Susanne druckste ein wenig herum. „Naja. Schon irgendwie. Also, ich kann verstehen, dass es dir vielleicht unangenehm ist, schließlich arbeitet Marcello auch für Mark…“ „Ach, mach dir darum keine Gedanken. Wir Frauen müssen doch zusammenhalten. Und Marcello wird damit auch klar kommen oder klarkommen müssen“, beschwichtigte sie Susannes Einwand, der ein kleiner Stein vom Herzen fiel. Sie hatte im Leben nicht mit so viel Verständnis und Hilfsbereitschaft gerechnet. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, sagte Susanne, „auf jeden Fall danke. Ich weiß das wirklich zu schätzen. Also, ist dir irgendetwas aufgefallen, egal was? Ich muss alles wissen, was mir in irgendeiner Form weiterhelfen könnte“, fragte sie etwas drängend. Gabriela überlegte einen kleinen Moment. „Also, wenn ich das richtig verstanden habe, dann geht es dir hauptsächlich um die Zeit während deines Klinikaufenthaltes, weil der Schal und der Lippenstift in der Zeit drüben bei dir liegengeblieben sind.“ Als Susanne eifrig nickte, fuhr Gabriela fort. „Mir ist da schon etwas aufgefallen“, erzählte Gabriela. Sie berichtete Susanne, dass Mark wohl ziemlich oft Besuch hatte, meistens abends. Sie war davon ausgegangen, dass es sich um Geschäftspartner handelte. Frau Friese, die Putzfrau, hatte sich mehrfach bei Marcello über die Reste der Partys oder wie sie es nannte „Meetings“ beschwert, die sie am nächsten Morgen zu beseitigen hatte. Mark hatte sie sogar zweimal außer der Reihe zum Aufräumen beordert und ziemlich gut dafür entlohnt. Dennoch fand Frau Friese es ungeheuerlich, dass Mark eine Party nach der anderen schmiss, während seine Frau in der Klinik weilte. Gabriela war weiter aufgefallen, dass es sich um stets unterschiedliche Gäste handelte. Ein Wagen stand jedoch immer auf der Auffahrt. Sie hatte ihn deshalb immer wieder erkannt, weil die Farbe einfach zu auffällig war: aubergine- metallic. Susanne stutzte. Sie kannte nur eine Person, die sich ein Auto in dieser Farbe zugelegt hatte. „Sabrina?“ fragte sie eigentlich eher sich, aber Gabriela antwortete ihr prompt. „Ja, das ist mir dann auch wieder eingefallen, als ich die dazugehörige Dame sah. Ihre Freundin ist ja weder zu übersehen noch zu überhören“, sagte sie leicht abwertend.„Die Sachen, die du gefunden hast, könnten doch durchaus auch deiner Freundin gehören. Sie ist ein paar Mal über Nacht geblieben. Also ganz genau kann ich das natürlich nicht sagen“, gestand Gabriela, „aber ihr Wagen stand mehrere Male auch am nächsten Morgen noch auf eurer Einfahrt.“ Susanne hörte sehr interessiert zu. Das waren wirklich Neuigkeiten. Sicherlich ist es vor ihrem Klinikaufenthalt auch schon das eine oder andere Mal spät geworden und sicherlich hatte Sabrina auch schon das eine oder andere Mal einen über den Durst getrunken, dennoch ist sie immer nach Hause gefahren oder hatte sich ein Taxi genommen. Susanne konnte sich nicht an eine Situation erinnern, in der Sabrina bei ihr im Gästezimmer übernachtet hatte. Warum also sollte es in den letzten Wochen anders gewesen sein? Allerdings pass-te die schreckliche Farbe des Lippenstiftes eindeutig zu Sabrina, genauso wie dieses schrecklich aufdringliche Parfüm. Was zum Henker war nur los? Sie konnte alles nicht so recht einordnen. „Gestern war ja auch eine Festivität bei euch“, fuhr Gabriela fort, „und wie der Zufall so will, habe ich gesehen, wie dein Mann, also Mark, mit Sabrina zusammen von der Arbeit gekommen ist.“ Susanne schloss kurz die Augen und musste sich sammeln. Die Kopfschmerzen kündigten sich wieder an, das Blut klopfte in den Schläfen und rauschte in ihren Ohren. Ihr wurde leicht schwindelig und übel. Dennoch zwang sie sich, die Augen zu öffnen und der Wahrheit quasi ins Gesicht zu sehen. „Und heute Morgen, du warst auch, glaube ich, auch schon da, sind die beiden doch wieder losgefahren. Seid ihr euch nicht begegnet?“ fragte Gabriela verwundert. Susanne schüttelte den Kopf. Sie hatte das Gefühl, ihr Schädel würde den Druck in Kürze nicht mehr aushalten und zerspringen. Um sich nicht allzu sehr die Blöße vor Gabriela zu geben, versuchte sie, nach außen hin, sich nichts anmerken zu lassen. Innerlich tobte bereits ein Orkan. „Merkwürdig!“ sagte sie. Nee, gar nicht merkwürdig, brüllte ihre innere Stimme. Sie erinnerte sich an das Stimmengemurmel, bevor Mark am Morgen das Haus verließ. Sabrina also! Ihre angeblich beste Freundin trieb es hinter ihrem Rücken mit ihrem Mann? Und das sogar, während sie mit einer Amnesie im Krankenhaus lag. Wahrscheinlich musste die Schlampe völlig in Hektik ihre Sachen zusammenpacken, so dass sie den Lippenstift und ihren Schal in der Aufregung schlichtweg vergessen hatte. Bei diesen Gedanken glaubte sie, sich gleich übergeben zu müssen. Mark und Sabrina! Seit wann lief das zwischen den beiden denn schon? Wie blind und taub, ja geradezu dumm war sie gewesen, dass sie nie etwas mitbekommen hatte! Nie hatte sie sich gewundert, wenn Mark auf Geschäftsreise ging und seine Sekretärin mitnahm. Was war sie nur für ein naives Frauchen gewesen! Aber wer hätte gedacht, dass die beste Freundin sich an den eigenen Ehemann heranmacht. Oder war es umgekehrt gewesen? Susanne fühlte sich dermaßen elend. Selbst ihre Nachbarin hatte bemerkt, dass da irgendetwas zwischen den beiden lief. Nur sie mal wieder nicht. Sicherlich ging das schon eine Weile so und nicht erst seitdem sie in der Klinik war. Gabriela schien zu merken, dass ihre Informationen ein Schock für Susanne bedeuteten und sie völlig aus der Spur gebracht hatten. „Es tut mir leid, Susanne“, sagte sie mitfühlend und legte ihre Hand auf Susannes Unterarm. „Wenn ich irgendetwas für dich tun kann, dann komm bitte oder ruf an. Auch mitten in der Nacht oder am Wochenende, ganz egal.“ Susanne nickte dankbar. Sie musste jetzt erst einmal an die frische Luft und wieder einen klaren Kopf bekommen. „Danke“, sagte sie, „auch für deine Offenheit und Ehrlichkeit. Aber ich werde erst einmal gehen. Ich muss für mich überlegen, was ich mit den ganzen Informationen mache.“ Nachdem Gabriela sich vergewissert hatte, dass Susanne sich nicht alleine zu Hause befand, sondern dass sowohl ihre Mutter als auch Madeleine und Valentin da waren, war sie einigermaßen beruhigt. Draußen atmete Susanne erst einmal tief durch. Sie wusste nicht, auf wen sie wütender sein sollte oder von wem sie mehr enttäuscht war. Mark oder Sabrina. „Und was mache ich jetzt?“ fragte sie sich. So richtig geschockt war sie dennoch nicht. In der Klinik hatte sie lange gegrübelt, was Mark vor ihr versteckt oder verschwiegen hatte, ohne eine richtige Vorstellung zu haben, was genau das sein könnte. Dass es sich dabei eventuell um eine Affäre handeln könnte, war Susanne schon bewusste gewesen. Dennoch hatte sie diese Variante versucht zu ignorieren. Jetzt allerdings mit Tatsachen konfrontiert musste sie die Wahrheit wohl oder übel akzeptieren. Sie fröstelte und steckte ihre Hände in die Manteltaschen, um sie vor der eisigen Kälte zu schützen. Dabei fiel ihr die Visitenkarte des Staatsanwaltes in die Finger. Sie schaute zuerst etwas verwirrt darauf. Im ersten Moment konnte sie weder mit Namen noch Staatsanwalt etwas anfingen. Dann allerdings fiel es wie Schuppen von den Augen und sie wusste, was sie am nächsten Tag dringend zu erledigen hatte. Fortsetzung folgt..... 23.11.13 ... link (0 Kommentare) ... comment Donnerstag, 21. November 2013
Alptraum- ein Fortsetzungskrimi
shorty short, 00:34h
Liebe Leser!
Leider entfällt heute aus gesundheitlichen Gründen der nächste Teil des Fortsetzungskrimis "Alptraum" und wird auf morgen verschoben! Es tut mir leid, dass ich euch vertrösten muss, aber manchmal läuft es im Leben anders als gedacht! Nun schnell ins Bett und gesund geschlafen und morgen mit neuem Tatendrang frisch ans Werk! In diesem Sinnne... bleibt gesund! ... link (0 Kommentare) ... comment Mittwoch, 20. November 2013
Alptraum- ein Fortsetzungskrimi Teil 10
shorty short, 00:20h
Kapitel sechszehn
Mit gemischten Gefühlen stand Susanne am nächsten Morgen mit der gepackten Reisetasche vor der Klinik und wartete auf ihr Taxi. Sie hätte auch eines der Taxen nehmen können, die ständig vor der Klinik auf Fahrgäste warteten. Dennoch hatte sie aus alter Gewohnheit das Taxiunternehmen beauftragt, bei dem sie und auch Mark schon seit Jahren zu den Stammkunden zählten. Sie konnte nicht sagen, was sie bewegt hatte, Mark nichts von ihrem Spontanbesuch zu erzählen. Irgendetwas hatte sie jedenfalls abgehalten. Wollte sie ihn bei etwas erwischen oder überraschen? Ihn vielleicht sogar provozieren und aus der Reserve locken? Sie wusste es nicht. Allerdings saß sie bereits im Taxi und befand, dass es zu spät wäre, jetzt über mögliche Beweggründe oder gar Folgen nachzudenken. Schon als das Taxi in ihre Straße einbog, hatte sie freien Blick auf das schmiedeeiserne Tor zur Auffahrt ihres Anwesens. Es war weniger nur ein Haus mit Garten, sondern wahrlich eine herrschaftliche Villa mit einem parkähnlichen Gelände, so dass man schon von einem Anwesen sprechen konnte. Alles schien beim Alten zu sein. Marcello Contassi, ihr aus der Toskana stammende Nachbar und der Mann für alles, was Reparaturen und Instandhaltung von Haus- und Außenanlage, hatte Auffahrt und Vorplatz akribisch von Eis und Schnee befreit. Selbst die bunten Vogelhäuschen waren schneefrei und üppig mit Samen und Nüssen gefüllt. Eigentlich besaßen Marcello und seine Frau Gabriela ein Eiscafé in der Heidelberger Altstadt. Während der Winterpause übernahm Marcello den Hausmeisterjob bei den Stahls. So konnten sie ganzjährig in Deutschland bleiben und ihren beiden Kindern Stefano und Luca ein geordnetes Leben ermöglichen. Gabriela und Susanne hatten sich auf Anhieb gut verstanden, dennoch war ihre Bekanntschaft nie über einen Kaffeebesuch am Vormittag hinaus gewachsen. Sie fuhren am Grundstück der Contassis vorbei und Susanne nahm sich vor, den Kontakt zu Gabriela ein wenig zu intensivieren. Es könnte nicht schaden, eine gute Bekannte in der Nähe zu haben. Hatte vielleicht sogar Gabriela oder Marcello die Polizei benachrichtigt, als es zwischen ihr und Mark zum handfesten Streit gekommen war? Sie hatte es eigentlich nie interessiert, wer damals vom Krach etwas mitbekommen hatte. Jetzt allerdings kam ihr der Gedanke, dass derjenige ihr vielleicht eine andere Sicht der Dinge darlegen könnte. Vielleicht war den Contassis bereits vorher schon etwas Merkwürdiges aufgefallen? Sie sollte das Wochenende unbedingt für einen Besuch bei Gabriela nutzen, beschloss sie und ließ den Taxifahrer an der Straße halten. Sie bezahlte und stiefelte zum Eingangsportal. Da sie keinen Schlüssel hatte, musste sie klingeln. Nichts rührte sich, niemand schien zuhause zu sein. Sie klingelte erneut, dieses Mal etwas länger. „Heute war doch Samstag“, wunderte sie sich. Auch wenn Mark viel zu tun hatte und beschloss samstags ins Büro zu fahren, so schlief er zumindest länger aus. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es eindeutig zu früh für Mark war, um schon zur Arbeit gefahren zu sein. Sie grummelte und trat von einem Fuß auf den anderen. Vielleicht hätte sie doch vorher anrufen sollen. Ihre Mutter war gestern wieder nach Nürnberg zurückgefahren und wollte erst heute im Laufe des Nachmittages mit Madeleine und Valentin zurück nach Heidelberg kommen. Susanne stutzte und lauschte. Jemand schlurfte zur Haustür. „Na endlich“, grummelte Susanne, „das wurde auch mal Zeit.“ Die Tür wurde geöffnet und Mark stand mit verwuschelten Haaren vor ihr und band sich gerade seinen Bademantel zu. „Susanne?“ er schaute sich verwirrt um, „was machst du denn hier?“„Wonach sieht es denn aus?“ fragte sie etwas schnippisch, was ihr gleich leid tat. Schließlich war sie es doch gewesen, die sich nicht angekündigt hatte. Kein Wunder, dass Mark verwirrt war. Sie schob sich an ihm vorbei, durchquerte zielstrebig die Eingangshalle und ließ ihre Tasche vor der Kommode auf den Boden fallen. Mark stand noch immer an der offenen Tür und starrte ihr mit offenem Mund hinterher. „Was ist?“ fragte sie ihn. „Willst du nicht langsam mal die Tür schließen? Oder erwartest du noch jemanden?“ Ohne ihn weiter zu beachten, zog sie ihren Mantel und die Stiefel aus, ging ohne ein weiteres Wort in das angrenzende Wohnzimmer und ließ ihn einfach in der Eingangshalle stehen. Sie hörte wie er die Haustür schloss und ihr hastig in den Wohnbereich folgte, wo sie es sich bereits auf dem Sofa bequem gemacht hatte. „Ja, ich muss irgendwie vergessen haben, dass du heute kommst, und dann auch noch so zeitig“, sagte er etwas unsicher und wuselte seine Haare, was er immer tat, wenn er nervös war. „Wieso war Mark nur so nervös?“ kam es Susanne kurz in den Sinn, wurde aber gleich von Mark abgelenkt, so dass sie diesen Gedanken nicht weiter verfolgen konnte. „Möchtest du etwas? Soll ich dir einen Tee oder Kaffee machen?“ er stand bereits in der offenen Wohnküche und hantierte mit der Glaskanne herum. „Oder Frühstück? Du hast sicherlich noch nicht gefrühstückt, oder?“ „Ein Tee wäre nicht schlecht“, antwortete sie und wunderte sich ein wenig über seinen Stimmungswechsel. Sie konnte sich nicht erinnern, wann Mark ihr das letzte Mal Frühstück gemacht hatte. Das musste Jahre her sein! „Entlassen bist du doch noch nicht, oder?“ fragte Mark und blickte sie fragend an. „Nein, nur zum Wochenende beurlaubt. In unseren Kreisen nennt man so etwas Belastungserprobung“, fügte sie leicht ironisch hinzu. „Erinnerst du dich? Wir hatten in der Klinik bereits darüber gesprochen.“ „Ah, ja, natürlich. Belastungserprobung!“ sagte Mark, schien aber nicht so recht bei der Sache zu sein. Stattdessen kramte er im Küchenschrank herum und hielt schließlich das Teei mit einem triumphierenden Lächeln in den Fingern. „Hattest du mir gesagt, dass du kommst? Kann mich so gar nicht daran erinnern?“ er blickte sie fragend an und machte sich wieder an die Zubereitung des Tees. „Ich hätte dich doch abholen oder einen Wagen schicken können.“ „Danke“, antwortete sie kurz, „ging auch so. Wie du siehst bin ich ohne Probleme angekommen. Bin ja schließlich kein Pflegefall.“ Sie legte ihren Kopf auf die Rückenlehne und schloss die Augen. Sie hatte in der Nacht vor Aufregung wenig geschlafen und auch die Anstrengung, sich einmal wieder frei in der Öffentlichkeit zu bewegen, unterschätzt. Müdigkeit breitete sich langsam aus. Sie zog die Wolldecke, die immer über einer Armlehne des Sofas lag, über sich und drehte sich auf die Seite. Mark hatte es in der Zwischenzeit geschafft, den Tee zu bereiten und stellte ihn auf den Couchtisch. „Ich werde mich mal bürotauglich machen“, sagte er und ging zur Tür. „Ich hol dann gleich auch noch die Tageszeitung und ein paar Brötchen“, rief er ihr etwas lauter von der Tür zu. „Ruh dich erst einmal aus.“ Susanne grummelte nur irgendeine unverständliche Antwort und schlief ein. Zum richtigen Tiefschlaf schaffte es Susanne nicht, stattdessen ruhte sie im Dämmerschlaf, zumindest hatte sie zwischenzeitlich das Gefühl, sich in einem Zustand zwischen wachen und schlafen zu bewegen. Sie hörte Mark in der Eingangshalle mit seinem Schlüsselbund klimpern und meinte Stimmengemurmel zu vernehmen. War noch jemand anders im Haus? Vielleicht die Contassis. Als die Haustür wieder in das Schloss fiel, schlief Susanne endlich tief ein und wurde erst durch das unbarmherzige Klingeln des Telefons geweckt. Sie schreckte hoch, wusste zunächst überhaupt nicht, wo sie war und machte sich auf die Suche nach diesem verflixten Telefon. „Man, was ist der hartnäckig“, fluchte sie und fand das tragbare Telefon schließlich auf der Küchenzeile. „Stahl“, meldete sie sich und raufte sich die Haare. „Hallo Liebes“, hörte sie ihre Mutter flöten, „ich wollte nur Bescheid sagen, dass wir jetzt schon losfahren. Wir kommen also ein wenig früher an als geplant.“ „Mhm, schön“, war alles, was Susanne hervorbrachte und unterdrückte ein Gähnen. „Geht es die nicht gut, Kind?“ fragte ihre Mutter besorgt. „Seit wann bist du denn zu Hause? Ist Mark nicht da? Übernimm dich nicht.“ Zu viele Fragen und Informationen auf einmal. Susanne versuchte chronologisch zu antworten. „Seit heute Morgen, so gegen acht, Mark ist, glaube ich nicht da und mir geht es gut, bin nur gerade aus einem Nickerchen hochgeschreckt.“ Sie verspürte keine große Lust, sich weiter der Redeflut ihrer Mutter hinzugeben und versuchte das Gespräch abzuwürgen.„Du, es klingelt gerade an der Tür. Was ist heute nur los hier?“, schwindelte Susanne. „Ach, ich habe gar nichts gehört. Susanne…“ ihre Mutter wurde unsanft von Susanne unterbrochen. „Muss jetzt an die Tür. Wir sehen uns nachher. Bis denn, tschüs“, sagte Susanne und legte auf.Sie schaute noch einige Zeit in den Telefonhörer und fragte sich, was genau ihre Mutter jetzt gewollt hatte. Sie hatten weder verabredet, wo noch wann sie sich heute treffen wollten. Von daher war Susanne davon ausgegangen, dass ihre Mutter irgendwann im Laufe des Nachmittages oder frühen Abend in Heidelberg eintreffen wird. Vielleicht musste sie auch erst einmal wach werden, dann hatte sie auch bestimmt bessere Laune. Sie schaute sich im Wohn- und Essbereich um. Mark hatte tatsächlich Brötchen besorgt und einen Speiseplatz auf dem rustikalen Esszimmertisch gedeckt."Wie fürsorglich," dachte Susanne leicht spöttisch. Trotzdem setzte sie sich hin und schenkte sich eine Tasse Tee ein. Mit einem Croissant in der Hand inspizierte sie das Wohnzimmer. Auf den ersten Blick hatte sich hier nichts geändert. Alles war so wie sie es in Erinnerung hatte. Seltsam, diese Amnesie, dachte Susanne, sie konnte sich so ziemlich an alles erinnern, nur nicht an ihren Ausraster. Gabriela Contassi hatte sich anscheinend liebevoll um ihre Zimmerpflanzen gekümmert, denn die standen in vollster Pracht auf den extra breiten Fensterbänken. Die Familienfotos standen auch alle noch auf dem Kaminsims, ihre Mitbringsel aus den diversen Urlauben waren unverändert vorhanden. Sie ging langsam an der kleinen fahrbaren Bar vorbei und blieb nachdenklich stehen. Irgendetwas war hier anders? Die Bar war Marks Steckenpferd, es fanden nur Spirituosen auf ihr Platz, die er oder Susanne tranken. Während Mark sich gerne dem Whiskey oder einem Weinbrand widmete, hielt sie sich eher an einen trockenen Weißwein oder Champagner. Was jedoch weder Mark noch sie tranken, waren süße Liköre. Und genau so eine Flasche stand hinter den Whiskeyflaschen. Susanne nahm sie in die Hand. „Merkwürdig“, murmelte sie, „ die sieht aus, als ob sie gerade erst angebrochen wurde.“ Und wirklich fehlten maximal zwei oder drei kleine Likörgläser. Hatte Mark während ihrer Abwesenheit etwa wichtige Gäste und deswegen seine Prinzipien geändert? Oder war er etwa auf Liköre umgestiegen? Bei diesem Gedanken musste sie selbst lachen. Das war absolut absurd. Susanne stellte die Flasche zurück und sagte sich, dass es sicherlich eine einfache Erklärung dafür gab. Dennoch blieb ein eigenartiges Gefühl. Sie setzte ihren Erkundungsrundgang fort. Was suchte sie eigentlich? fragte sie sich als sie in die Eingangshalle trat. Sie hatte keine Ahnung, musste sie sich eingestehen, sie wollte sich einfach nur ein wenig umschauen, um sich langsam wieder heimisch zu fühlen. „Eigentlich möchte ich nur zu Hause ankommen“, versuchte sie sich selbst einzureden, „ und deswegen möchte ich mich mit einem Rundgang zurückmelden.“ Tief in sich drin wusste sie, dass es eigentlich etwas ganz anderes war, das sie zu dieser Inspektion trieb. An der Garderobe in der Eingangshalle blieb sie erneut stehen und betrachtete zunächst ein wenig gedankenverloren die Kleidung, die dort hing. „Was ist denn das?“ wunderte sie sich und nahm ein edles hellgraues Seidentuch vom Haken. „Das hing doch heute Morgen noch nicht da“, sagte sie laut und holte sich den Moment in ihre Erinnerung, als sie das Haus betrat und ihren Mantel aufhängte. Nein, dieses Tuch war vorhin noch nicht da. Und es war auch definitiv nicht ihr Tuch. Sie stand nämlich nicht auf Seide.„Da stellt sich doch die Frage, wem gehört das und wie kommt das hierher?“ Susanne hielt das Tuch an ihre Nase. Starker Parfümgeruch kam ihr entgegen. Sie nieste zweimal. Auf jeden Fall keines ihrer Düfte, dennoch kam es ihr bekannt vor. Sehr merkwürdig! Sie überlegte, was sie nun am besten damit anstellen sollte. Sie war sich sicher, dass Mark wissen musste, wer der Besitzer, besser gesagt die Besitzerin war. Denn außer ihr war heute Morgen nur Mark noch im Hause gewesen. Oder? Kurz kam ihr das Stimmengemurmel in ihr Gedächtnis, das sie während ihres Nickerchens wahrgenommen hatte. Während sie sich weiter in der Eingangshalle umschaute, kam ihr eine Idee. Demonstrativ legte sie das Tuch auf die Kommode in der Eingangshalle, wo es jedem, der das Haus betrat, gleich unweigerlich ins Auge fallen musste. „Dann wollen wir doch mal sehen, wie du reagierst, mein lieber Mark“, sagte sie sich und begab sich in den ersten Stock. Oben musste sie zunächst einen Moment verschnaufen. Wie schnell ihr Körper doch an Kondition und Leistungsvermögen nachgelassen hatte. Sie musste unbedingt wieder an ihrer körperlichen Fitness arbeiten, bevor sie endgültig nach Hause entlassen werden sollte. Sie ging an Marks Home Office vorbei, ohne einen Blick hineinzuwerfen. Marks Büro hatte sie noch nie große Aufmerksamkeit geschenkt. Wenn sie genauer darüber nachdachte wusste sie nicht einmal genau, wie es darin aussah. Susanne hatte keine Ahnung, ob Mark Geheimnisse hinter seiner Tür hatte oder einfach nur nicht wollte, dass jemand seine Ordnung durcheinanderbringen würde. Selbst für die Reinigungskraft war das Büro tabu. Gleich nebenan befand sich Valentins Reich. Hier musste sie einfach einen Blick hineinwerfen. Wie aufgeräumt alles war? Verständlich, denn Valentin war seit ihrer Krankenhauseinlieferung bei ihrer Mutter. Frau Friese, die zweimal in der Woche zum Großreinemachen bei den Stahls vorbeischaute, hatte ganze Arbeit geleistet, um das Chaos, das sonst in Valentins Zimmer herrschte, zu beseitigen. Susanne vermutete allerdings, dass die Ordnung maximal einen Tag anhalten würde. Madeleine hatte ihr kleines Prinzessinnenzimmer schräg gegenüber von ihrem Bruder. Susanne öffnete langsam die Tür. Sie liebte das Zimmer ihrer Tochter, vielleicht weil sie sich früher als kleines Mädchen selbst immer ein Himmelbett, rosa Decken, Tapeten und einen Tüllvorhang gewünscht hatte. Sie lächelte. So ziemlich alles, was sich in Madeleines Reich befand, war rosa, blassrosa oder rot. Jede andere Farbe hatte zurzeit bei Madeleine keine guten Karten und wurde entweder gar nicht in ihr Zimmer hereingelassen oder schnellstmöglich wieder verbannt. Susanne war aber guter Hoffnung, dass sich der Farbgeschmack ihrer kleinen Tochter mit zunehmendem Alter noch stark verändern würde. Irgendwann stand doch jeder Teenie irgendwann auf schwarz, weiß und grau. Auch in Madeleines Reich war bis auf ein neues Kuscheltier alles unverändert. Bis auf eines. Ein blassrosa Riesenhase mit extrem langen Ohren und weißen Pfoten saß auf Madeleines Kopfkissen. Wahrscheinlich hatte Mark seiner Tochter eine Freude machen und ihr ein bisschen Trost spenden wollen. Niedlich war der XL- Hase schon. Susanne war sie sicher, dass ihn ihre Tochter schon in ihr Herz geschlossen hatte. Sie folgte dem Flur weiter um die Ecke. Rechts ging es in das Badezimmer. Andere würden es eher als eine Badelandschaft oder einen Wellnessbereich bezeichnen. Sie betrat ihre Wohlfühloase. Die weißen Spiegelfliesen waren von Frau Friese wieder einmal auf Hochglanz gebracht worden. Diese Frau kannte jeden Trick, um Glanz und Reinheit in jede Ecke des Hauses zu bringen. Sie fuhr mit ihrem Zeigefinger über das niedrige Kinderwaschbecken. Susanne hatte darauf bestanden, dass ihre Kinder ein Waschbecken in ihrer eigenen Höhe bekommen hatten. Die Zahnpflegeprodukte ihrer Kinder standen sauber aufgereiht, frische Handtücher hingen schon bereit. Susanne erinnerte sich, dass ihre Mutter den beiden bei sich zu Hause eigene Badutensilien besorgt hatte, damit man nicht immer alles zusammenpacken und hin- und herschleppen musste. Am Erwachsenenwaschbecken blieb sie stehen und schaute ihr Spiegelbild prüfend an. Ein wenig erholter sah sie schon aus, dachte sie. Zumindest waren ihre Augenringe deutlich zurückgegangen und die tiefe Blässe war ebenso einer etwas gesünderen Hautfarbe gewichen. Sie wollte sich gerade dem Whirpool zuwenden, als ihr Blick auf einem Lippenstift hängenblieb. Lippenstift? Sie nahm ihn in die Hand. Ihrer war es mit Sicherheit nicht! Soweit sie informiert war handelte es sich um eine teurere Sorte. Kaminrot? Wer trägt so einen knalligen Lippenstift und was hatte der hier auf ihrem Waschbecken zu suchen? Hatte Mark etwas Übernachtungsgäste, die auch sein Bad benutzt hatten? Schwer vorstellbar. Das Gästezimmer befand sich erstens im Souterrain und zweitens teilte Mark sein Bad nie mit Gästen. Susanne hörte die Haustür zuschlagen. Dann Kindergeplapper und Getrampel auf der Treppe. Sie schaute auf die Uhr. Meine Güte, dachte sie, schon so spät. Das mussten ihre Mutter mit Valentin und Madeleine sein. Schnell steckte sie den Lippenstift in ihre Hosentasche und lief ihren Kindern entgegen. Lippenstift und Seidentuch waren vorerst vergessen. Fortsetzung folgt..... 20.11.13 ... link (0 Kommentare) ... comment Alptraum- ein Fortsetzungskrimi Teil 9
shorty short, 01:02h
Kapitel 14
Als Susanne am nächsten Tag an der Glastür der geschlossenen Abteilung klingelte, verspürte sie ein eigenartiges Gefühl in der Magengrube. Die erste Nacht in Freiheit hatte sie schon weit von der Zeit in Isolation entfernt. Schwester Ina öffnete Susanne die Tür und freute sich sichtlich, sie wiederzusehen. „Frau Stahl, was für eine schöne Überraschung! Hätte nicht gedacht, dass Sie so schnell Heimweh nach unserer Station bekommen!“ sie lächelte. „Die Luft unten scheint Ihnen zu gut bekommen.“ Sie zwinkerte ihr zu. „Kommen Sie herein, ich denke, die eine oder andere wird sich sehr über Ihren Besuch freuen.“ Susanne betrat die Station und folgte der Schwester durch den schummerigen Flur, wo noch immer die defekte Deckenleuchte am flackern war. Als sie den Gemeinschaftsraum betrat, fand sie Sarah vor den Fernseher sitzend vor. Sie umarmten sich, als ob sie sich Wochen nicht gesehen hätten. Susanne war nahezu überwältigt von ihren Gefühlen. Freude, Rührung, aber auch ein wenig Wehmut vermischten sich. Sie hatte das Gefühl, Sarah war momentan die einzige, die sie verstand, die sie wirklich verstand, auch ohne vieler Worte. „Gut siehst du aus“, sagte Susanne, als sie sich aus der Umarmung gelöst hatten und meinte es ehrlich. Zwar hatte Sarahs Haar noch nicht wieder zum alten Glanz zurückgefunden, aber ihr Gesicht hatte eine deutlich gesündere Farbe als gestern. Vor allem aber wirkten Sarahs Augen nicht mehr so tot und abgestumpft. „Danke“, Sarah lächelte, „ich fühle mich auch besser.“ Sie schaute Susanne prüfend an. „Und bei dir so?“ Susanne berichtete ausführlich, was bisher alles passiert war, was sie erfahren hatte und auch, welchen Verdacht sie mittlerweile hatte. Und natürlich von Marks Besuch bei ihr. „Das hat ja auch ziemlich lange gedauert, bis du darauf gekommen bist, dass dein Mann anscheinend nicht der tolle Typ ist, wie du immer gedacht hast“, meinte Sarah unbeeindruckt von Susannes Erkenntnissen und ließ sich in den Sessel fallen, „man musste dich ja quasi mit den Nase drauf stoßen.“ War sie tatsächlich so blind und taub gewesen? Hatte Sarah etwa schon länger Mark im Verdacht gehabt? Susanne versuchte, Sarah ein wenig zu beschwichtigen. Schließlich war es nur ein Verdacht ist, Beweise hatte sie keine. „Man Susanne, das ist doch so offensichtlich“, entgegnete Sarah aufgebracht, „da dürfte es kein Problem sein, Beweise zu finden. Du musst nur ein bisschen suchen und bohren! Irgendwann verrät sich jeder, auch der, der sich für clever hält! So wie dein Mann anscheinend!“ sie ließ ihre Beine über der Lehne baumeln. „Schaden kann es da auf keinen Fall, wenn deine Mutter dir ein wenig unter die Arme greift. Zumindest solange du hier festsitzt“, fügte sie hinzu. Die Vorbehalte, die Susanne gegenüber ihrer Mutter als Privatschnüfflerin hatte, verflüchteten sich langsam. Natürlich war es nicht die feine englische Art, den eigenen Ehemann auszuspionieren, aber unter diesen Umständen konnte sie darauf keine Rücksicht nehmen. Hier ging es um weit mehr! Susanne war froh, zumindest emotional ein wenig Unterstützung zu erhalten. Auf jeden Fall fühlte sie sich nicht mehr ganz so alleine und sah ein wenig Licht am Ende des Tunnels. Es verstärkte die Hoffnung in ihr, dass sie es schaffen könnte, nach und nach ihr Gedächtnis- Puzzle wieder zusammen bauen zu können. Auch wenn es schmerzlich werden sollte, wovon sie zurzeit ausging. Fortsetzung folgt... 20.11.13 ... link (0 Kommentare) ... comment ... nächste Seite
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